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23.07.10

plazaa: Hier kommt das Anti-Qype

Während Städteguides wie Qype und Yelp erwachsen werden und expandieren, entsteht ein neuer Bedarf an persönlichen, handverlesenen Empfehlungen. plazaa will helfen.

 

Schnelles Wachstum und steigende Popularität von Social-Web-Diensten können dazu führen, dass sich deren Websites von einstigen Leichtgewichten zu mit Funktionen überladenen Kolossen entwickeln. Gleichzeitig kann es passieren, dass Nutzer der ersten Stunde, die großen Wert auf eine familiäre, gemütliche Atmosphäre legen, aufgrund der rasanten Entwicklung ihre Bindung an die Plattform verlieren.

So ungefähr ging es dem Designer und Art Director Alexander Kaiser, als er sich dazu entschied, Qype, dem populären Empfehlungs- und Städteportal aus Hamburg, den Rücken zu kehren und einen Konkurrenzdienst aufzubauen . Das Resultat seiner Arbeit trägt den Namen plazaa und hat gerade die geschlossene Beta-Phase gestartet.

Nachdem ich mich ein wenig bei plazaa umgeschaut hatte, wurde mir bewusst, dass Alexander Kaiser mit der Plattform genau das Gegenteil zu Qype oder dessen nun auch in Deutschland aktiven Konkurrenten Yelp etablieren möchte: Ein schlankes Empfehlungsportal, bei der Selektion, Qualität und der soziale Charakter im Vordergrund stehen.

Damit behaupte ich nicht, dass die Einträge von Qype oder Yelp nicht qualitativ wären. Der Unterschied liegt eher im Erscheinungsbild und in der Informationsstruktur. Während die beiden großen Vorbilder so viele Informationen und Kategorien wie möglich auf die Startseite quetschen, präsentiert sich plazaa nach dem Login aufgeräumt und stellt sechs ausgewählte Locations, vier andere plazaa-Nutzer mit Foto sowie sechs Rubriken rund um angesagte Orte in der aktuellen Stadt vor.

plazaa

plazaa ist damit eine Art Anti-Qype, obwohl es natürlich das gleiche Ziel hat, nämlich die besten Locations aus einer Stadt vorzustellen - von Nutzern für Nutzer.

Speziell für Anwender mit hohen Ansprüchen an das optische Erscheinungsbild einer Website könnte plazaa eine interessante Alternative zu den etablierten Städteportalen sein - hier macht sich die kreative Ader des Gründers bemerkbar, der für die technische Umsetzung von plazaa größtenteils auf Open-Source-Software wie WordPress und BuddyPress setzt.

Die Kernfeatures der Site stehen bereits und werden momentan von Beta-Testern ausprobiert. Zum Start fokussiert sich der Dienst auf die Städte Bonn, Köln, Düsseldorf und Nürnberg, für die bisher 192 Locations angelegt und 231 Berichte geschrieben wurden .

Funktionelle/technische Finessen wie Badges und Widgets, eine Login-Option über Twitter und Facebook, eine Integration mit foursquare und Gowalla sowie eine iPhone-App stehen zwar auf der Agenda, aber sind derzeit noch nicht verfügbar.

Ob am Ende zwischen den führenden Empfehlungsdiensten und einschlägigen Location Based Services noch Platz für einen eher familiären Location-Guide ist, wird die Zeit zeigen. Überschneidungen in der Funktionalität haben alle, und während ortsbezogene Dienste vermehrt auf Tipps und Reviews setzen, verstärken die klassischen Städteportale ihre mobilen Präsenzen. Für Nischenanbieter wie plazaa oder das ebenfalls neue loca.li wird es da sicher nicht leicht.

Andererseits ist plazaa-Macher Alexander Kaiser vermutlich nicht der einzige, der sich bei dem mittlerweile erwachsen gewordenen Qype nicht mehr heimisch fühlt. Insofern ist ein Erfolg hier nicht ausgeschlossen.

Wir haben zehn Einladungen für die Beta-Phase von plazaa. Wer in der Nähe der genannten Städte wohnt und den Dienst ausprobieren möchte, hinterlässt einen Kommentar unter Angabe einer gültigen E-Mail-Adresse im dafür vorgesehen Feld. Die ersten zehn Kommentatoren erhalten dann Zugang zu plazaa.

Update: Die Einladungen sind weg.

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