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05.05.09

picabee: Vorläufiges Ende eines riskanten Vorhabens

picabee, ein werbefinanzierter Dienst zur kostenlosen Fotoentwicklung, ist nach dem Absprung eines Investors zahlungsunfähig. Ganz so überraschend kommt dies nicht.

picabeepicabee, eine der gewagtesten deutschen Firmengründungen des vergangenen Jahres im Webbereich, muss eine unfreiwillige Pause einlegen. Bei dem Dienst konnten registrierte Nutzer Fotos hochladen, die anschließend kostenfrei entwickelt und nach Hause geliefert wurden (unser Review). Finanzieren wollte man das kostspielige Vorhaben durch Werbung auf bzw. neben den entwickelten Bildern - ein riskantes Geschäftsmodell, gerade in Zeiten einer Werberezession.

Alles2null und Handelskraft hatten bereits über diverse Ungereimtheiten und eine mögliche Zahlungsunfähigkeit des jungen Unternehmens berichtet. Kei Nozaki, einer der beiden Gründer, bestätigte uns nun, dass die Picabee GmbH am 15.04. Insolvenz anmelden musste. Dies sei notwendig gewesen, weil ein Investor seine Finanzierungszusage nicht einhalten konnte. Derzeit arbeite man an einer Lösung des finanziellen Engpasses und hoffe, dass es bald weitergeht.

Ein Großteil der Fotoaufträge wurde laut Nozaki mittlerweile an die Nutzer versandt. Wer bisher keine Bilder erhalten hat, muss diese nach dem geplanten Relaunch am 01.07. erneut bestellen.

Sicherlich hätte man die Insolvenz deutlicher und vor allem rechtzeitig an die picabee-Mitglieder kommunizieren können. Auf der Website findet sich zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Angabe zur Situation bei picabee. Anderseits ist dies ein Risiko, das jeder eingeht, der sich für die Nutzung kostenfreier Services entscheidet. Diese können von heute auf morgen verschwinden oder den Betrieb einstellen, ohne dass Usern irgendein Anrecht auf Ersatz entsteht.

Ob es tatsächlich zu einem Neustart von picabee kommt, bleibt abzuwarten. Die besten Voraussetzungen dafür schafft man durch eine transparente und ehrliche Kommunikation. Noch ist es dafür nicht zu spät. Allerdings ist fraglich, ob das schlechte wirtschaftliche Klima eine Fortführung des bisherigen Angebotes tatsächlich zulässt. Setzt man weiterhin auf den werbefinanzierten Fotoversand, bleibt das Risiko, erneut in Schieflage zu geraten. Verändert man das Geschäftsmodell mehr in Richtung eines Bezahldienstes, verliert picabee sein Alleinstellungsmerkmal.

Schade ist die Nachricht in jedem Fall. Schon deshalb, weil damit von unseren neun favorisierten Startups 2008 aus dem deutschsprachigen Raum mittlerweile noch sieben übrig bleiben.

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