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24.04.12

Personalisierung über Facebook: Webangebote verschlafen ihre Möglichkeiten

Facebooks Plattform ist viel mehr als nur ein Loginsystem. Viele Dienste und Websites könnten damit personalisierte Inhalte anbieten. Doch kaum jemand nutzt diese Möglichkeit.

Warum machen wir uns eigentlich Sorgen, unsere Daten bei Facebook zu hinterlegen? Denn obwohl diese dort für Drittdienste zur Verfügung stehen, will sie niemand nutzen.

So scheint es auf jeden Fall, wenn man vergleicht, welche Möglichkeit die Graph API von Facebook bietet und wie wenig davon in der Praxis genutzt wird. Mit Facebooks Schnittstelle ist viel mehr möglich, als bloße Logins per Facebook und vielleicht noch das automatische Erstellen von Posts in der Timeline. Über die API können nämlich von jedem Nutzer, der sich auf einer Drittseite via Facebook einloggt, die Freundesliste, favorisierte Musik, Filme und Bücher, Event-Zusagen, Likes von Facebook-Seiten und vieles mehr abgefragt werden. Dies bietet ein nahezu endloses Potential von Anwendungsszenarien, um Inhalte gemäß den Vorlieben des Users und auch den Aktivitäten seiner Freunde zu personalisieren. Nur angewendet wird diese Datenmenge kaum irgendwo.

Dabei wären sehr viele sinnvolle Umsetzungen denkbar: News-Seiten könnten den Heimatort des Users auslesen und dann gezielt Nachrichten aus der Region und über den lokalen Sportclub präsentieren. Anbieter von Büchern, Musik und Filmen könnten nebst der Kaufhistory im eigenen Store auch Angaben aus Facebook für Kaufempfehlungen integrieren - mit Zusatzschnittstellen wie derjenigen von Tastekid geht dies sogar, ohne eigene Algorithmen dafür entwickeln zu müssen. Basierend auf der Aktivität von Freunden könnten Veranstaltungskalender Bescheid geben, wo sich die Kollegen am Wochenende die Nacht um die Ohren schlagen wollen.

Einige Praxisbeispiele gibt es natürlich. Viele davon sind jedoch mehr spielerischer Natur als wirklich sinnvoll. Die Aktion "Ferien ohne Internet" von Schweiz Tourismus oder das "Museum of Me" von Intel zeigen, was sich mit Facebooks für Entwickler zugänglichen Datenschatz anstellen lässt. Im kommerziellen Bereich wird der Levi's Store gerne als Beispiel herangezogen. Allerdings besteht dort bereits das Problem, dass nur wenige Bekanntenkreise so sehr von einer Jeansmarke in den Bann gezogen werden dürften, als dass sich brauchbare Empfehlungen aus den Likes der Freunde ergeben würden. Schon recht intensiv wird das Thema Personalisierung über Facebook von Filmempfehlungswerkzeugen in Angriff genommen. tweek (unser letzter Bericht) und Moviepilot (unser Review) sind zwei Anbieter, die ihre Inhalte ausgehend von Facebook-Daten präsentieren.

 

Dass sich nur wenig sinnvolle Anwendungen finden lassen, dürfte auch daran liegen, dass Facebook wenig davon profitiert, sein Wissen und seine gehorteten Daten an Dritte weiterzugeben. Entsprechend wenig werden die Möglichkeiten von dem Social Network propagiert. Für Facebook selbst steht eher der umgekehrte Weg im Vordergrund, nämlich noch mehr darüber zu erfahren, was die User außerhalb von Facebook so treiben.

So werden weitere Daten generiert, die sich dann wiederum in die besser gezielte Auslieferung von Werbeinhalten und somit direkt in harte Dollars ummünzen lassen. Aus diesem Grund wird die Anfang 2012 lancierte Möglichkeit , Tätigkeiten auf externen Webangeboten automatisiert bei Facebook zu publizieren, auch viel mehr in den Vordergrund gerückt. Welchen Nutzen es dem Anwender bringt, auf Facebook zu erfahren, welchen Song sich ein Freund angehört oder welches Rezept er gekocht hat, ist aber fraglich. Auf einer externen Plattform zum passenden Thema könnte aus diesen Daten stattdessen ein echter Zusatznutzen geschaffen werden.

Dass Facebook sein Datenwissen unentgeltlich zur Verfügung stellt, ist ein großes Geschenk an die Webgemeinde. Unverständlich erscheint daher, dass kaum jemand die Gelegenheit beim Schopfe packt. Eine sinnvolle Personalisierung würde einen Gewinn für viele Webdienste darstellen. Hoffentlich kommen diese bald auf den Geschmack.

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