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12.04.18

PayPal Händlerkredit

PayPal bietet mittlerweile auch Kredite für Online-Händler an

Quelle: @ mohammed-hassan (CC0-Lizenz) / pixabay.com

Der PayPal Händlerkredit – wie funktioniert das Ganze?

Der Händlerkredit ist sehr einfach und übersichtlich und wird genau dort durchgeführt, wo die Unternehmen ohnehin Zahlungen erhalten: Bei PayPal selbst. Trotzdem kommt auch dieser Kredit nicht ganz ohne Vorsichtsmaßnahmen oder Bedingungen aus:

  • Voraussetzung - der Händler benötigt ein Geschäftskonto bei PayPal, welches seit mindestens drei Monaten besteht.
  • Umsatz - es muss ein jährlicher Mindestumsatz von 12.000 Euro vorhanden sein. Für diese Berechnung zählt aber ausschließlich der über PayPal generierte Umsatz.
  • Ausschlüsse - es darf kein PayPal-Businesskredit zur selben Zeit laufen. Darüber hinaus lehnt PayPal die Vergabe an insolvente Kunden ab.

Es ist möglich, dass im Laufe des Antragsverfahrens noch weitere Bedingungen gestellt werden.

Aber was macht diesen Händlerkredit so interessant und warum könnte er für Jungunternehmer interessant sein? Die Antworten sind simpel:

  • Laufzeiten - es gibt keine. Der Kredit wird über den PayPal-Umsatz zurückgezahlt. Der Händler bestimmt den Prozentsatz, den er von seinem Erlös für die Abbezahlung abzieht. Es gibt jedoch die Mindestzahlung alle neunzig Tage in Höhe von 5 oder 10 Prozent des Gesamtkreditbetrags.
  • Festgebühr - sie ist transparent und kommt ohne versteckte Gebühren aus. Nutzer zahlen bei der Kreditaufnahme nur diese Festgebühr, die bei der Kreditanfrage bestimmt wird.
  • Kreditscore - die Aufnahme des Kredits über PayPal hat keine Auswirkungen auf den eigenen Kreditscore bei der Schufa. Eine Auskunft wird nicht eingeholt, da ausschließlich die Umsätze über PayPal als Grundlage betrachtet werden.
  • Geschwindigkeit - wird der Kredit bewilligt, ist das Geld in wenigen Minuten verfügbar. Auch die Antragsstellung geht sehr schnell, da wiederum nur das PayPal-Konto geprüft wird.

Wie hoch der Maximalbetrag für den Kredit ist, wird übrigens von der Händler-Verkaufshistorie bestimmt. Ein Beispiel: Ein Händler, der einen Umsatz bei PayPal von 12.000 Euro im Jahr hat, wird keinen Kredit erhalten, der denselben Wert aufweist.

Welche Vorteile haben Händler dadurch?

Unternehmen, die ohnehin viele Umsätze über PayPal generieren, haben durch diesen Kredit durchaus etliche Vorteile. Der Wichtigste ist natürlich, dass eine lange Bearbeitungs- und Bewilligungszeit inklusive Bonitätsauskünfte und dem Vorlegen von Sicherheiten entfällt. PayPal hat die für ihren Kredit relevanten Zahlen schon vor sich. Ansonsten gilt:

  • Freiheit – in gewisser Weise bietet diese Art von Kredit jedem Händler eine zusätzliche Freiheit. Da es keine festen Laufzeiten gibt und der Kredit nicht zum Zeitpunkt X zurückbezahlt sein muss, müssen Unternehmer weniger Komplikationen befürchten. Zumal geht die Kreditrate automatisch vom Umsatz auf PayPal ab. Der Händler kann selbst festlegen, ob er sich für 5 oder 10 Prozent entscheidet.
  • Geringere Kosten – es fallen bei dem Kredit keine regelmäßigen Zinskosten an, denn gleich zu Beginn wird eine Festsumme festgelegt, die auf die Kreditsumme aufgeschlagen wird.

Auf der anderen Seite binden sich Firmen so natürlich fest an PayPal und können beispielsweise nicht auf andere Zahlungswege umstellen, wenn sie den Kredit mit ihren Umsätzen zurückbezahlen wollen. Problematisch kann es werden, wenn es aufgrund mehrfach geöffneter Fälle zu einem Ausschluss aus dem PayPal-Programm kommt.

Was hat PayPal in letzter Zeit noch ins Leben gerufen?

Nicht alle Änderungen, die PayPal einführt, sind für alle Seiten positiv. So erhöhte der Anbieter die Gebühren für Transaktionen von bis zu 2.000 Euro im Monat auf 2,49 Prozent. Händler müssen nun also über ein halbes Prozent mehr Gebühren entrichten, als zuvor. Ansonsten gilt:

  • Verbot von Servicegebühr - die Anpassung der AGB führte dazu, dass Händler nun keine Servicegebühr mehr erheben dürfen, wenn ihre Kunden PayPal als Zahlungsoption wählen.
  • Käuferschutz - ab Mai entfallen die starren Fristen, die Kunden beachten mussten, wenn sie einen Fall bei PayPal eröffneten. Bislang musste auf Anfragen des Käuferschutzes innerhalb von höchstens 10 Tagen geantwortet werden. Die Frist wird fortan dem Aufwand nachberechnet. Muss ein Käufer also über Dokumente, Fotos oder anderen Unterlagen ein Problem nachweisen, erhält er eine längere Frist. Hat der Verkäufer jedoch einfach keine Ware geschickt, obwohl sie bezahlt wurde, wird die Frist vermutlich unter 10 Tagen liegen.
  • Online-Casinos - der Anbieter hat bereits Ende des letzten Jahres mehrere Online-Casinos ausgeschlossen. Die Anzahl der Online Casinos, die immer noch PayPal-Zahlungen anbieten wird immer geringer. Auch dieser Artikel von onlinecasinos24.net setzt sich mit dieser Thematik auseinander.
  • Kein Käuferschutz/Glücksspiel - im Glücksspielbereich gibt es über PayPal keinen Käuferschutz, auch nicht bei legitimierten Sportwetten. Ursache hierfür ist, dass etliche Spieler Einzahlungen vornahmen, das Geld zurückforderten, aber in der Zwischenzeit schon gespielt hatten. Oder aber, den Käuferschutz nutzten, um Verluste zurückzufordern.

Im Rahmen der AGB-Änderung zum 29. April gibt es einige Neuerungen, die in den Datenschutzbereich fallen. So wird der Anbieter zur Identitätsbestimmungen Tools zur Erkennung von Risiken und Betrug nutzen, die Geräteinformationen und Personendaten beinhalten. Auch können Informationen über Kunden und Kontos an Teilnehmer, die mit einer Transaktion in Verbindung stehen, geteilt werden.

Fazit - teilweise praktische Neuerungen

PayPal ist immer ein Dienst, der von zwei Seiten betrachtet werden muss. Kunden und Käufer schätzen ihn aufgrund seiner Einfachheit und der Sicherheit. Händler hingegen schätzen ihn einerseits, weil er auch ihnen den Onlineverkauf erleichtert, beklagen aber andererseits die hohen Auflagen und Gebühren. Dafür ist nun der neue Händlerkredit eine durchaus attraktive Möglichkeit, wenn ein Händler simpel und unkompliziert Geld benötigt oder investieren will. Da rein das PayPal-Konto und die vorhandenen Daten zur Person des Händlers genutzt werden, fallen aufwendige Prüfungen weg. Und auch die Rückzahlung ist sehr einfach und geht praktisch automatisch, da von jedem Tagesumsatz ein Rückzahlungsbetrag an PayPal geht.

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