<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

14.11.13

Paid Content: Bezahl-Videos auf YouTube wären ein Millionengeschäft

Mit den kostenpflichtigen Videochats "Helpouts" wagt Google einen weiteren Schritt in Richtung Bezahlinhalte, lässt aber ein großes Potenzial noch immer weitgehend unangetastet: YouTube. Konkurrent Vimeo ist hier schon weiter.

helpout-beispielWer über Paid Content spricht, bekommt stets sehr schnell ein Gegenargument zurück: die schier unüberschaubare Menge an kostenlos verbreiteten Inhalten. Als Einnahmequelle dient dann entweder Werbung oder der Content ist vor allem als Aushängeschild gedacht, um an anderer Stelle Geschäft zu generieren. Auf diese Weise entstehen allerdings hauptsächlich Inhalte, die entweder möglichst massenkompatibel sind oder deren Sichtweise so eingefärbt ist, dass es zu den eigenen Interessen passt. Paid Content hingegen sollte sich idealerweise an eine Zielgruppe richten, die mit keiner dieser beiden Varianten angesprochen wird. Und an dieser Stelle kommt Video ins Spiel. Denn qualitativ hochwertige Videoinhalte zu erstellen, ist eine enorm aufwändige Aufgabe, die Zeit kostet, sowie Professionalität und passendes Equipment benötigt. Zugleich ist Video aber als Medium bei den Nutzern höchst beliebt. Auch werbefinanziert lässt sich damit auf YouTube schon heute eine Menge erreichen und es ist erstaunlich, mit welchem technischen und inhaltlichen Aufwand z.B. so manches "Auspackvideo" produziert wird. Lässt man Werbung in seinem Video zu, kann man darüber gutes Geld verdienen – passende Inhalte und Zuschauerschaft vorausgesetzt.

Vimeo setzt gezielt auf Qualität

Aber nicht jeder wird seine Videos mit Werbung versehen wollen, die von einem Algorithmus bestimmt eingeblendet wird. Und längst nicht jedes Thema eignet sich dafür. Dass sich trotz YouTubes Übermacht der Konkurrent Vimeo so wacker hält, liegt deshalb sicher auch an ihrem komplett anderen Ansatz, was die Refinanzierung der Seite und ihrer Inhalte angeht. Sie setzen auf bezahlte Accounts, Paid Content ist ebenfalls möglich.

So ist der kostenlose "Basic"-Account von Vimeo kaum mehr als ein Feigenblatt, man kann ihn nicht einmal als Lockmittel bezeichnen. Man kann nur wenig hochladen und muss sich auch noch in einer Warteschlange hinten einreihen, bevor das Video dann online zu sehen ist. Den Gratiszugang so stiefmütterlich zu behandeln, dürfte kaum erstaunen: Bei kostenlosen Angeboten konkurriert Vimeo nun einmal mit dem riesigen YouTube. Insofern ist es der "Plus"-Account für 9,95 US-Dollar im Monat, den man als aktiver Nutzer des Portals haben möchte. Firmen brauchen gar den "Pro"-Account für mindestens 199 US-Dollar im Jahr. Dafür bekommt man zahlreiche Möglichkeiten: So lässt sich das Design des eigenen Kanals beispielsweise so weit anpassen, dass der Nutzer überhaupt nichts mehr von Vimeo sieht – bis hin zur angepassten URL.

Mit den "Vimeo Creator Services" versucht das Portal zudem, Einnahmequellen jenseits von Werbung zu erschaffen. "Tip Jar" (auf Deutsch "Sparschwein" genannt) ist dabei eine andere Form des Spendenbuttons. Es gibt also keine Bezahlschranke. Allerdings sieht man den Sparschwein-Button nur auf Vimeo direkt, nicht in einem andernorts eingebetteten Video.

"Vimeo on Demand" wiederum ist eine klassische Bezahlschranke: erst zahlen, dann gucken. Als Macher kann man nicht nur den Preis festlegen, sondern auch wie lange der Film danach zur Verfügung steht, in welchen Regionen man ihn anbietet und ob er heruntergeladen werden darf. Man muss "Pro"-Nutzer sein, um diese Service nutzen zu können.

Bezahlinhalte bei YouTube zielen vor allem auf Filme und Serien

Google setzt bei YouTube hingegen fast ausschließlich auf Werbung. Eine Ausnahme ist das "YouTube Leihvideo-Programm". Wie es dazu auf der Hilfeseite so schön heißt: Hier kann man "möglicherweise" Einnahmen erzielen. Auch kostenpflichtige Kanäle sind an sich vorgesehen. Solche Angebote stehen allerdings nur ausgewählten YouTube-Partnern in einigen Ländern zur Verfügung: Deutschland gehört dazu, die Schweiz und Österreich noch nicht. Was fehlt, ist ein Angebot für Jedermann, also idealerweise ein Self-Service-Angebot, um auch bei YouTube seine Video-Inhalte kostenpflichtig anbieten zu können. Bislang denken Google und YouTube offenbar vor allem an Filme und Serien, aber was ist mit den zahlreichen Lehrvideos, die es bereits in anderer Form gibt? Für sie wäre eine YouTube-Bezahlschranke perfekt.

Einen weiteren vorsichtigen Schritt in Richtung bezahlter Video-Inhalte hat Google nun kürzlich mit den "Helpouts" unternommen. Hier kann man sich als Experte anbieten oder umgekehrt jemanden für Hilfestellung finden und per Videochat Kontakt aufnehmen. Nach den privaten "Hangouts" und den öffentlich gestreamten "Hangouts on Air" ist das Googles dritter Schritt in Sachen Videostreaming und Videokonferenzen. Offensiv vermarktet werden alle diese Möglichkeiten allerdings zumindest nach meiner Wahrnehmung kaum. Vor allem Hangouts on Air sind als Angebot bei Google+ eher versteckt und hätten als Service von YouTube einen viel logischeren Platz. Ob die Platzierung bei Google+ eine strategische Entscheidung mit Sinn und Verstand ist oder doch eher internen Strukturen im weit verzweigten Unternehmen geschuldet ist, darüber lässt sich nur spekulieren.

Für Lernvideos, Seminare und Kurse wird schon heute viel bezahlt

Noch ist Google jedenfalls sehr vorsichtig, was bezahlte Video-Inhalte angeht. Eigentlich erstaunlich, hat man doch mit YouTube als Plattform und Google Wallet als Bezahlweg die wesentlichen Eckpfeiler bereits im eigenen Haus zur Verfügung.

Dass für nützliche und gut gemachte Videos tatsächlich bezahlt würde, kann man beispielsweise an Lern-DVDs, Screencastportalen und den momentan vielerorts sprießenden Online-Lernangeboten ablesen. Videokurse können eine gute Alternative zu einem Seminar oder Kurs in der Offlinewelt sein. Schließlich kann man mit den Videos sein Lerntempo selbst bestimmen und ist unabhängig von Zeit und Ort.

Auch wer heute bereits unterrichtet, würde auf ein solches Angebot potenziell zurückgreifen, aber wahrscheinlich eher nicht seine ansonsten gut bezahlten Lerninhalte online kostenlos weggeben und mit Zufallswerbung garnieren.

Insofern schlummert in diesem Bereich ein enormes Potenzial.

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer