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26.05.11

"P2P Carsharing": Hohe Erwartungen in einen jungen Markt

Der junge US-Dienst Getaround gewinnt mit seiner P2P-Carsharing-Plattform den TechCrunch Disrupt Startup-Wettbewerb und begeistert die hochkarätige Jury. Für die deutschen Startups tamyca und Nachbarschaftsauto ist dies eine sehr erfreuliche Nachricht.

Mindestens zwei deutsche Startups dürften in der vergangenen Nacht mit Spannung das Finale des TechCrunch Disrupt Startup-Wettbewerbs verfolgt und sich sehr über dessem Ausgang gefreut haben: tamyca und Nachbarschaftsauto, zwei Onlinemarktplätze für die Vermietung von Autos zwischen Privatpersonen.

Der Grund: Mit Getaround ist von den zu Beginn 32 Startups ein US-Unternehmen als Sieger hervorgegangen, das auf ein identisches Konzept setzt wie die zwei jungen Webfirmen aus Berlin und Hamburg. Das Votum der hochkarätig besetzten Jury ist dabei eine eindeutige Validierung der Geschäftsidee, Kfz-Besitzern eine Plattform bereitzustellen, ihre fahrbaren Untersätze für einen begrenzten Zeitraum gegen Bezahlung an andere Menschen zu vermieten.

Wenn in der Finaljury befindliche Branchengrößen wie "Super Angel" Ron Conway, Star-VC Fred Wilson oder Google-Topmanagerin Marissa Mayer sich ausgesprochen positiv über die Getaround-Idee äußern, dann ist dies nicht nur Ansporn für das junge dreiköpfige Gründer-Trio des in San Francisco beheimateten Startups, sondern auch für die hiesigen Akteure in diesem bisher weder in den USA noch in Deutschland erschlossenen oder erprobten Markt.

Gegründet wurde Getaround bereits im Juli 2009, läuft aber bisher nur in einem Beta-Modus in Kalifornien. 240 Personen vermieten über die Plattform bisher ihre Autos, 1.500 Mieter gibt es momentan.

Nach dem aufmerksamkeitswirksamen Triumph auf TechCrunchs Disrupt-Konferenz ist für die Zukunft jedoch mit einer schnellen Expansion von Getaround in andere Landesteile der USA zu rechnen. Dank einer kürzlich abgeschlossenen Seed-Finanzierung in Millionenhöhe stehen die Mittel dafür bereits zur Verfügung (das Preisgeld von 50.000 Dollar hat da eher symbolischen Wert).

Das Hamburger Startup tamyca erblickte im November 2010 das Licht der Welt. "Hunderte Fahrzeuge" stehe momentan deutschlandweit bereit. Jeder, der ein den Regeln entsprechendes Kfz besitzt, das über bestimmte Zeiträume nur auf dem Parkplatz oder in der Garage steht, kann dies über die Site unverbindlich zu einem Stunden-, Tages- oder Wochensatz zur Verfügung stellen. Eine obligatorische, vom Mieter getragene Zusatzversicherung schützt den Vermieter vor finanziellen Einbußen in Folge von Unfällen oder anderen Schäden.

Seit Anfang März hat tamyca mit Nachbarschaftsauto einen Konkurrenten aus Berlin - die Funktionsweise und der Ablauf sind ähnlich. Details könnt ihr in unserem damaligen Review nachlesen.

Ähnlich wie bei den Online-Marktplätzen für die Vermietung von Privatunterkünften, sprich Airbnb und seine deutschen Nachahmer 9flats und Wimdu, bin ich auch bei der P2P-Autovermietung noch etwas unentschlossen zu der Frage, inwieweit hier mehr als eine (womöglich sehr lukrative) Nische entsteht. Investoren zumindest scheinen die Konzepte zu lieben, wie der Sieg von Getaround beweist (Airbnb hat mit Ashton Kutcher gerade einen weiteren prominenten Geldgeber gewinnen können).

Für tamyca und Nachbarschaftsauto ist der Triumph von Getaround in jedem Fall eine sehr positive Nachricht und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Interesse hiesiger Investoren für die zwei Startups wecken.

Nachbarschaftsauto-Geschäftsführer Christian Kapteyn äußerte sich in einer Mail an uns sehr erfreut darüber, dass "P2P-Carsharing" durch den Disrupt Award für den US-Konkurrenten nun viel Aufmerksamkeit erhält. "Wir glauben, dass die Zeit reif ist für Nachbarschaftsauto und dass dies erst der Anfang eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels ist", so Kapteyn optimistisch.

Ob der deutsche Autofahrer, der bei einem Mini-Kratzer ja gerne gleich die ganze Tür neu lackieren lässt, tatsächlich bereit ist, sein liebstes Stück an Fremde zu vermieten, davon müssen uns Nachbarschaftsauto und tamyca jetzt überzeugen.

(Foto: Flickr/Marcus Hansson, CC-Lizenz)

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