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23.01.09

Optimismus und Midem: Beispiele erfolgreicher alternativer Erlösmodelle für Musiker

Auf der Musikmesse Midem haben mehrere Musiker ihre erfolgreichen Versuche vorgestellt, Geld abseits des langfristig zum Scheitern verurteilten Verkaufs von digitalen Musikaufnahmen zu verdienen.

Michael Masnick war auf der Musikmesse Midem und berichtet auf Techdirt von dort vorgestellten innovativen und erfolgreichen Ansätzen von Musikern, Geld zu verdienen.

Die vorgestellten Beispiele fallen allesamt in die von Masnick, mir und anderen propagierten neuen Erlösmodelle für Musiker, die den Möglichkeiten als auch den veränderten Rahmenbedingungen des Webzeitalters Rechnung tragen.

Ich fasse einige der Beispiele kurz zusammen:

1. Jill Sobule hat von ihrem Experiment berichtet, ihre Fans verschiedene Bezahl-"Levels" für die Vorfinanzierung ihres letzten Albums anzubieten. Sie hat nahezu 90.000$ auf diese Art zusammenbekommen - weit mehr als ihr ursprüngliches Ziel. Selbst das höchste Level, das nur als Scherz gedacht war, hatte jemand bezahlt: Für 10.000$ erwarb ein weiblicher Fan das Privileg, auf einem der Songs des Albums mitzusingen.

2. Mark Kelly von Marillion berichtete von Geschäftsmodell-Experimenten, welche sie seit 1993 ausprobieren. 1993 wurde ein Bankkonto angelegt, um über Spenden eine Amerika-Tour vorzufinanzieren. Die Band hat weiter experimentiert und hat ihre Mailingliste verwendet, um neue Alben zu finanzieren. Ihr letztes Album haben sie komplett kostenfrei weggegeben, verbunden mit verschiedenen "Level", auf denen sich die Fans einbringen konnten (Wie bei Sobule hat auch hier wieder einer der Fans auf einem Song mitgespielt). Das Ergebnis: Ein sprunghafter Anstieg der Abonnenten der Mailingliste, auf welche die Musiker weitere künftige Einnahmen aufbauen können.

3. Terry McBride vom Nettwerk Label (u.A. Coldplay, Avril Lavigne) hat von den erfolgreichen Vorgehen erzählt, Künstler und Fans so zu einander zu bringen, dass man damit Geld verdienen kann. Nettwerk setzt darauf, nicht die Musik sondern die gesamte Marke zu verkaufen. Siehe auch dieses Interview mit Terry McBride für weitere Details.

4. Martin Thornkist, Betreiber eines swedischen Indielabels und Gründer des Zusammenschlusses schwedischer Indielabels The Swedish Model , der das Internet aktiv einbeziehen will, hat von einem interessanten Ansatz berichtet: Von Moto Boy, einem Künstler auf Thornkists Label, gibt es eine kleine Musikbox, die Fans erwerben können. Die Musikbox spielt einen Loop von Moto Boy ab. Man kann sie hier sehen.

5. In China kauft nahezu niemand Musik, trotzdem ist es dort für Musiker möglich, sehr viel Geld zu verdienen. J. Y. Park, ein Entertainment-Mogul aus Korea, verdient gemeinsam mit seinen Musikern in China viel Geld mit Brands als Sponsoren. Ein anderes Beispiel: Einige Musiker verkaufen an Fans spezielle Abonnement-Dienste, die die einzige Möglichkeit repräsentieren, potentiell ein Ticket für deren Liveauftritte zu ergattern.

Update:  Auch heise befasst sich mit dem Thema: Musikmesse Midem: Web 2.0 statt Plattenvertrag. Neben den hier bereits genannten Beispiele werden Webdienste wie Sellaband  , Slicethepie und Sonicbids angesprochen, die Musikern in verschiedenen Bereichen helfen können. /Ende des Updates 

Fazit

Neben den bereits bekannten erfolgreichen Experimenten von Radiohead und Trent Reznor von Nine Inch Nails zeigen diese Beispiele, dass die in unserem Artikel zu den Einkunftsmöglichkeiten für Musiker im Webzeitalter vorgestellten Erlösmöglichkeiten:

  • zum einen grundsätzlich erfolgreich sein können, und oft sogar außerordentlich erfolgreich sind und
  • zum anderen nicht auf populäre Musiker, wie oft bemängelt, beschränkt, sondern auf alle Arten von Musiker mehr oder weniger anwendbar sind.

 

Der gesamte Artikel auf Techdirt, mit Ausführungen zu Vertretern der Majorlabels, die sich weiterhin weigern, die Realität vollständig anzuerkennen:

» An Outsider Gets A Peek Behind The Scenes Of The Music Industry's Mindset: Optimism Into Denial | Techdirt

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