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20.08.12

Opt-In statt Opt-Out: Die vorbildliche Einführung der neuen Instagram-Fotokarte

Instagram hat mit seiner neuen Version eine unterhaltsame Funktion zur Darstellung der eigenen Fotos auf einer Karte lanciert. Der dafür gewählte Opt-In-Prozess ist vorbildlich.

Die noch nicht endgültig abgeschlossene Übernahme von Instagram durch Facebook hat zumindest kurzfristig nicht zu einem Entwicklungsstop bei dem beliebten mobilen Foto-Dienst aus San Francisco geführt. Darüber haben die 80 Millionen Instagram-Nutzer seit der Aktualisierung der iPhone- und Android-App auf Version 3 in der vergangenen Woche Gewissheit. Eine der entscheidenden Neuerungen ist eine interaktive Kartendarstellung der eigenen Instagram-Fotos - sofern sie bei der Veröffentlichung mit Koordinaten versehen wurden. Das Feature ist nicht nur sehr unterhaltsam und elegant umgesetzt, sondern liefert gleichzeitig ein vorbildliches Beispiel, wie auf User Generated Content (UGC) basierende Startups neue Funktionen mit Implikationen für die wahrgenommene Privatsphäre einführen können, ohne dabei einen bei Nutzern unpopulären Opt-Out - also die automatische Aktivierung mit der Option der manuellen Deaktivierung durch den Anwender - praktizieren zu müssen.

Die Fotokarte verändert keine Datenschutzeinstellungen, hat jedoch zur Folge, dass deutlich wird, an welchen Orten Menschen besonders viele Schnappschüsse publizieren, woraus sich Rückschlüsse auf ihren Wohn- oder Arbeitsort ergeben. In Instagrams klassischer Listendarstellung von Bildern fallen derartige Aspekte schlicht nicht auf. Aus diesem Grund haben sich die Macher entschieden, das Feature nicht allen Usern aufzuzwingen, sondern nur auf ausdrücklichen Wunsch der Nutzer verfügbar zu machen.

Informiert werden User nach der Aktualisierung ihrer Instagram-App durch einen Hinweis auf die Fotokarte oberhalb ihres Bilderstreams. Klicken sie dort, erhalten sie im nächsten Schritt Informationen über die Eigenschaften des Features. Dort erfahren Anwender, dass sie nun auswählen können, welche ihrer Fotos auf der Karte auftauchen sollen, dass sich einzelne Bilder dort jederzeit entfernen lassen und dass man gut darüber nachdenken sollte, welche Schnappschüsse man auf der Karte sichtbar machen möchte. Nach einem Betätigen des "Ok, I understand"-Buttons präsentiert Instagram sämtliche mit Geodaten versehenen Fotos, die zur Karte hinzugefügt werden, geordnet und gruppiert nach Orten. Hier können einzelne Fotos oder Foto-Gruppen von der Darstellung auf der Karte ausgeklammert werden. Betätigt man daraufhin die Schaltfläche "Done", fragt Instagram sicherheitshalber nochmals nach einer Bestätigung, bevor die Karte mit den ausgewählten Bildern tatsächlich publiziert wird.

[photos title="Der Opt-In-Prozess in Bildern"]

Mit dem gewählten Opt-In-Prozess stellen die Kalifornier sicher, dass niemand den neuen Service freischaltet, ohne sich über die Konsequenzen im Klaren zu sein. Auf dieser Hilfeseite erklärt das demnächst offiziell zu Facebook gehörende Startup außerdem, dass auch künftig bei Instagram veröffentlichte Fotos in der Standardeinstellung keine Koordinaten enthalten und damit nicht auf der Fotokarte erscheinen.

Ich möchte nicht behaupten, dass Instagram den Opt-In-Prozess perfektioniert hat - denn es mag eine spezielle Konstellation geben, in der die Einführung der Fotokarte trotzdem zu einer aus Anwendersicht unvorteilhaften Situation führt. Ganz reibungslos verlief die Lancierung der Funktion auch nicht: Aufgrund eines schnell behobenen Fehlers hatten Nutzer der Android-Applikation kurzzeitig Zugriff auf private Fotos anderer User, selbst wenn sie von diesen nicht autorisiert wurden.

Doch es wird offensichtlich, dass sich Instagram-Chef Kevin Systrom und sein Team intensive Gedanken darüber gemacht haben, wie sie die neue Facette der App implementieren, ohne dabei die vielen sehr loyalen Anwender der App unnötig zu bevormunden oder vor den Kopf zu stoßen. Die künftige Instagram-Mutter Facebook verfährt traditionell weniger rücksichtsvoll, auch wenn Auflagen US-Handelskommission FTC den Spielraum mittlerweile etwas einschränken .

Es wäre wenig verwunderlich, wenn Facebook-CEO Mark Zuckerberg sich für das soziale Netzwerk bei Instagrams Fotokarte inspirieren lässt oder sie 1:1 übernimmt. Vielleicht lässt sich der gewählte Opt-In-Vorgang ja ebenfalls für künftige Feature-Debüts von Facebook nutzen. Die Einführung der Timeline ging ja durchaus in diese Richtung, auch wenn sie schließlich mit einem Zwang zur Aktivierung verbunden war. Aber auch allen anderen Startups im UGC-Segment sei empfohlen, sich anzuschauen, wie der Fotodienst beim Launch der Fotokarte vorgeht.

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