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03.02.11

Onlinespeicher: Wenn "unbegrenzt" an Grenzen stößt

Mozy, ein Dienst für das Onlinebackup von lokal gespeicherten Dateien, stellt zum Unmut seiner Nutzer das Paket mit unbegrenztem Speicher ein und erhöht die Preise. Ein Schritt, der das Vertrauen von Usern in Cloudspeicherservices nicht gerade stärkt.

 

Jede Flatrate und jedes Onlineangebot mit unbegrenztem Nutzungsvolumen basiert auf einer Mischkalkulation. Die zugrunde liegende Annahme lautet, dass nur ein geringer Teil der Anwender tatsächlich die Freiheit eines unlimitierten Angebots vollkommen auskostet. Die von dieser Minderheit verursachten Kosten werden von der Masse der Benutzer getragen, die für ihre Flatrate jeweils mehr bezahlen, als sie für die Verwendung an tatsächlichen Kosten verursachen.

Obwohl Flatrate oder "unbegrenzter Speicherplatz" immer wieder äußerst attraktiv klingen und auch mich selbst stets entzücken, gilt es, sich regelmäßig vor Augen zu führen, dass echte unlimitierte Angebote eigentlich nicht existieren - zumindest wenn wir von Datenverkehr oder Storage sprechen. Sobald mehr User als ursprünglich veranschlagt einen Dienst intensiver einsetzen als erwartet, ist die schöne Mischkalkulation dahin.

Ein schönes (wenn gleichzeitig für die Betroffenen bedauerliches) Beispiel hierfür liefert aktuell der Anbieter von Onlinebackuplösungen Mozy. Seit 2006 bot das zum Hardware- und Softwarehersteller EMC gehörende Unternehmen einen Dienst an, mit dem Anwender Backups lokaler Dateien durchführen und diese ohne Limits verschlüsselt in der Cloud lagern konnten. Für 4,95 Dollar monatlich oder 55 Dollar pro Jahr versprach der Service aus Seattle unbegrenzten Speicherplatz.

Nach vier Jahren jedoch scheint Mozy zu dem Schluss gekommen zu sein, dass sich diese Backup-Flatrate nicht mehr rechnet. In einer Mail an die Mitglieder informiert Mozy über die Entscheidung, das unbegrenzte Mozy-Paket einzustellen.

Neben der kostenfreien Zwei-Gigabyte-Version haben Kunden zukünftig die Wahl zwischen einem Paket mit 50 Gigabyte Speicher für 5,99 Dollar pro Monat (Backup von einem Computer) oder einem mit 125 Gigabyte für 9,99 Dollar pro Monat (Backup von bis zu drei Rechnern). Für monatlich jeweils zwei Dollar zusätzlich können 20 Gigabyte oder ein weiterer zu synchronisierender Rechner hinzugefügt werden.

Für User, die mit Mozy Teile ihrer Festplatte oder sämtliche lokalen Daten online gesichert haben, bringt dies (nach Ablauf ihrer aktuellen Vertragslaufzeit) mitunter radikale Preiserhöhungen mit sich: Lifehacker-Autor Adam Pash zum Beispiel hat 226 Gigabyte an Dateien bei Mozy hinterlegt. Statt bisher 4,99 Dollar pro Monat würden nun 19,99 Dollar monatlich fällig werden. Zudem entfällt das bisher vorhandene sichere Gefühl der Nutzer, nicht genau auf jedes zusätzliche Gigabyte schauen zu müssen.

Also Begründung für die einschneidende Veränderung nennt Mozy in dieser Mitteilung die stetig steigende Qualität und Größe von Foto- und Video-Dateien, was die Backup-Branche vor eine Herausforderung stellt und Anpassungen notwendig macht. Ein Großteil der Nutzerschaft belegt jedoch nicht mehr als 50 Gigabyte, so Mozy-Präsident Harel Kodesh.

Verglichen mit anderen Onlinespeicherservices bot Mozy sein unbegrenztes Backup-Paket in der Tat recht günstig an: Bei Dropbox kosten 100 Gigabyte 19,99 Dollar monatlich und bei SugarSync 14,99 Dollar. Bei Syncplicity fallen bereits für 50 Gigabyte 15 Dollar pro Monat an. Andererseits zeichnen sich diese Services durch Synchronisationsfähigkeiten aus, was über das einfache Backup im Mozy-Stil hinausgeht.

Für User ist die Veränderung in jedem Fall ärgerlich. Nicht nur, weil sie zukünftig entweder deutlich mehr zahlen oder sich nach einem anderen Anbieter umsehen müssen, sondern auch, weil Vorfälle wie dieser das ohnehin nur geringfügig ausgeprägte Vertrauen in Cloudspeicherdienste erschüttern. Die vermittelte Botschaft: Beständigkeit bei Cloud Computing ist ein Fremdwort, und wer wirklich Daten im dreistelligen Gigabytebereich online speichern will (was heutzutage kein ungewöhnliches Volumen mehr ist), muss dafür tief in die Tasche greifen.

SafeSync von TrendMicro bietet ebenfalls unbegrenzten Onlinespeicherplatz für Backups an - für 44,99 Dollar pro Jahr. Eine Garantie, dass dies auch 2012 noch gilt, die gibt es natürlich nicht.

Danke für den Hinweis an Patrick Stähler.

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