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23.05.17

Onlinehandel: Wachstum und Kaufkraft von Nischenmärkten richtig einschätzen

Online Handel

Allein im letzten Quartal ist der Umsatz der Onlinehändler auf 48,8 Milliarden Euro angestiegen – das ist ein Zuwachs von 11 Prozent im Vergleich zum gleichen Quartal in 2016. Ein Großteil der Käufe entfiel dabei auf die üblichen Kassenschlager der vergangenen Jahre: So kaufte jeder Vierte Unterhaltungselektronik, jeder Sechste Kleidung oder Modeaccessoires und fast jeder zehnte legte vor allem Filme, Musik oder Videospiele in den virtuellen Warenkorb. Erst weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen folgen Produkte wie Babywaren, Apps und Software oder Kosmetik.

Wachstumspotentiale nutzen


Bestseller wie Elektronik, Mode oder Unterhaltungssoftware sorgen zwar für den Großteil der E-Commerce-Umsätze, sind allerdings nicht alleine für die Wachstumsraten im letzten Quartal verantwortlich. Im Gegenteil: Zweistellige Zahlen finden sich vor allem in neueren oder bislang eher vernachlässigten Bereichen. Warengruppen wie Fashion oder Technik scheinen dagegen ihr Maximalpotential erreicht zu haben und können kaum noch zulegen. Großes Wachstum findet sich also vermehrt in kleineren Nischenmärkten, wo sich Anbieter erst seit kürzerer Zeit mit innovativen Produkten etablieren bzw. traditionelle Unternehmen das Potential von Onlineshops für sich entdecken. Dazu gehören beispielsweise Babywaren – ein Segment, das im letzten Quartal ein Wachstum von 65 Prozent verzeichnen konnte. Und auch die Zahl der online eröffneten Bankkonten sowie im Internet abgeschlossenen Mobilfunk-, Versicherungs- und Stromverträge ist stark angestiegen – um ganze 89 Prozent nämlich.


Andere Nischenmärkte befassen sich beispielsweise mit dem Verkauf spezieller Auto-Zubehörteile. In diesem Bereich gibt es ebenfalls noch große Wachstumspotentiale, wie an einem Anbieter wie Bertelshofer deutlich wird. Er verkauft unter anderem abnehmbare Anhängerkupplungen sowie Dach- und Fahrradträger. Grund für das große E-Commerce-Potential in diesem Bereich sind laut n-tv vor allem die preislichen Unterschiede zum lokalen Einzelhandel: Abgesehen von einer unkomplizierten Produktsuche können Kunden online demnach bis zu 60 Prozent an Kosten sparen, wenn sie dort die Ersatz- oder Zubehörteile bestellen, anstatt sie beim Fachhändler vor Ort zu erwerben.

Nicht jedes Produkt lässt sich gut im Netz verkaufen

Aber nicht alle Warentypen scheinen sich für den Onlinehandel zu eignen. Ein Beispiel ist der Handel mit Lebensmitteln. Seit einigen Jahren versuchen verschiedene große Lebensmittelketten und kleine Start-ups, mit eigens dafür ins Leben gerufenen Liefernetzwerken, dem Kunden seine Einkäufe bis zur Haustür zu liefern – bislang jedoch ohne flächendeckenden Erfolg.
Zwar hat auch der Handel mit Lebensmitteln im vergangenen Quartal um fast 55 Prozent zugelegt, jedoch ist der Markt immer noch verhältnismäßig klein – besonders angesichts der Tatsache, dass praktisch jeder ein potentieller Kunde sein könnte, da jeder Mensch Lebensmittel benötigt. Woran scheitern also viele Lieferdienste? Vielen Anbietern bereiten Lücken im Liefernetzwerk Probleme, wodurch bisher fast ausschließlich Kunden in Großstädten beliefert werden können – ländliche Regionen bleiben außen vor. Dadurch wird manches Potential verschenkt, was sich jedoch bald ändern könnte, wenn E-Commerce-Größen wie Amazon oder REWE ihre Netzwerke weiter ausbauen. Eine weitere Herausforderung besteht darin, Nachfrage und Angebot richtig einzuschätzen: Nur so werden die Lebensmittel frisch zu den Kunden geliefert, ohne dass diese dafür hohe Kosten in Kauf nehmen müssen oder der Anbieter Verluste aufgrund nicht verkaufter oder im Lager verdorbener Waren verbuchen muss.

Gute Konjunkturaussichten: Konsumlaune steigt


Laut einer Studie der GfK kann der Handel auch zukünftig auf gute Umsätze vertrauen. Demnach befindet sich das Konsumklima in Deutschland weiterhin im Aufwind. Durch steigende Einkommenserwartungen und als sicher empfundene Arbeitsplätze könnte die Kaufbereitschaft vieler Kunden sogar noch zunehmen. Die wachsende Konjunktur belebt nachhaltig den Arbeitsmarkt und lässt die Menschen optimistisch in die Zukunft blicken – und damit auch die Onlinehändler.



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