<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

14.12.10

Online Office: WEB.DE integriert Office-Tools auf Java-Basis

WEB.DE stellt seinen Mitgliedern seit Neuestem Online-Office-Werkzeuge zur Verfügung, um Texte, Tabellen und Präsentationen im Browser zu erstellen und zu bearbeiten. Die Integration hat einen Schwachpunkt: Sie basiert auf Java.

 

Für viele netzwertig.com-Leser wahrscheinlich völlig unverständlich, aber WEB.DE gehört zu den führenden kostenlosen E-Mail-Anbietern in Deutschland - trotz einer steinzeitlich wirkenden Benutzeroberfläche und einem rekordniedrigen Speichervolumen von zwölf (!) Megabyte. Genaue Angaben zur Anzahl der registrierten @web.de-Adressen habe ich leider nicht gefunden, aber es ist davon auszugehen, dass ein signifikanter Teil der monatlich 17,38 Millionen Besucher von WEB.DE (Quelle: Pressemitteilung) ein FreeMail-Konto besitzt.

Ich gehöre übrigens auch dazu, verwende allerdings die kostenpflichtige Variante mit mehreren Gigabyte Speicher und greife zudem über IMAP zu - ich bekomme das Interface also glücklicherweise nie zu Gesicht. Aber das ist ein anderes Thema!

Ungeachtet der Rückständigkeit von FreeMail im Vergleich zu Google Mail, Hotmail und selbst GMX (das wie WEB.DE zu United Internet gehört) versucht WEB.DE seit einiger Zeit, sein Angebot um allerlei Zusatzfunktionen und Integrationspunkte mit externen Websites zu erweitern.

Eine relativ interessante Neuerung, auf die uns Leser Peter gerade aufmerksam machte, ist der Start einer Online-Office-Suite. Ähnlich wie bei Google Docs, Zoho und Microsoft Office Live können FreeMail-User nun Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und die Erstellung von Präsentationen in der Cloud erledigen. Die Notwendigkeit einer lokal installierten Office-Software entfällt.

Fast schon möchte man meinen, dass WEB.DE natürlich nicht WEB.DE wäre, wenn es an der Umsetzung nicht etwas zu kritisieren gäbe. Lange suchen muss man in der Tat nicht: Die von dem Portal implementierte Office-Lösung kommt vom südkoreanischen Unternehmen ThinkFree und setzt zur Darstellung nicht auf AJAX, HTML5 oder andere zeitgemäße, vom Browser eigenständig lesbare Sprachen, sondern auf Java.

Wer also in der am oberen Seitenrand platzierten Navigationsleiste auf eines der drei Office-Icons klickt, um Texte, Tabellen oder Präsentationen direkt im Browser zu bearbeiten, muss Java installiert haben und akzeptieren, bevor mit der Arbeit begonnen werden kann.

Warum WEB.DE einen solchen unzeitgemäßen Weg gewählt hat, ist mir schleierhaft - gerade auch in Anbetracht der Tatsache, dass das Schwesterunternehmen 1&1 Internet AG vor einigen Monaten den ThinkFree-Konkurrenten Zoho in Webhosting-Pakete eingebunden hat. Im Gegensatz zu ThinkFree läuft Zoho komplett eigenständig im Browser.

Eventuell will WEB.DE so sicherstellen, dass auch Usern mit älteren Browsern (von denen es bei FreeMail mutmaßlich viele gibt) auf die Office-Werkzeuge zugreifen können - auf dem neusten Stand der Technik befindliche Webanwendungen erfordern in der Regel moderne Browser.

Nun mag es noch weitere Gründe geben, die für den Einsatz von Java sprechen - aus Usability-Gesichtspunkten ist es jedoch unpraktisch, zumal die Office-Tools zumindest momentan auch unglaublich langsam zu sein scheinen.

Zwei Schlussfolgerungen lassen sich aus der Neuerung ziehen:

1. Eine stetig wachsende Zahl von Internetnutzern erhält die Möglichkeit, Textverarbeitung aus dem Browser heraus zu erledigen, statt sich entsprechende Software lokal installieren zu müssen.

2. WEB.DE FreeMail - ein in Deutschland von Millionen Menschen verwendeter Dienst, der sich gerne mit Dutzenden (teils uralten) Testsiegen schmückt - liegt weiterhin Lichtjahre zurück, was den andernorts im Netz definitierten Standard moderner Webanwendungen betrifft.

Danke für den Hinweis an Peter.

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer