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05.11.13

Ohne Sorge im Netz: Secucloud verspricht einzigartige Sicherheit für Privatnutzer und Firmen

Das aus Hamburg stammende Startup Secucloud will den Zugriff auf das Netz für Privatpersonen und kleine Firmen sicherer machen. Dazu lagert es entsprechende Prozesse mit Hilfe eines speziellen Routers und einer VPN-Verbindung in die Cloud aus.

Das sichere Bewegen im Netz ist für Privatpersonen, Firmen und Organisationen Voraussetzung, um sich die Vorteile der digitalen Welt nicht durch Hacker-, Phishing-, Trojaner-Angriffe sowie andere Attacken verderben zu lassen. Im besten Fall ziehen diesbezügliche Nachlässigkeiten zeitlichen Aufwand für das Wiederherstellen eines sauberen Systems nach sich, im schlimmsten Fall kosten sie viel Geld, führen zu Identitätsdiebstahl oder öffnen Wirtschaftspionage Tür und Tor. Doch um wirklich sicher zu surfen, ist etwas Beschäftigung mit dem Thema und vor allem Sachkenntnis erforderlich.

Das aus Hamburg stammende Startup Secucloud glaubt, dass es privaten Anwendern und kleinen Unternehmen mit bis zu 30 Angestellten diese Arbeit abnehmen kann, und verspricht ein High-End-Securitylevel, das sonst nur Großkonzerne erreichen. Secuclouds Ansatz: Die Sicherheitsprozesse werden in eine eigene Cloud ausgelagert, mit der sich Anwender über einen speziellen WLAN-Router verbinden. Der gesamte Datenverkehr der Anwender wird von der Secucloud-Hardware über eine mit 128 beziehungsweise 256 Bit verschlüsselte VPN-Verbindung zur Security-Cloud des Unternehmens geroutet und dort auf Herz und Nieren geprüft. Neun verschiedene Security-Systeme

Zum Einsatz kommen dabei nach Unternehmensangaben neun verschiedene Security-Systeme, die in Reihe geschaltet werden und ein Sicherheitsniveau garantieren sollen, das "nahe an 100-prozentige Sicherheit herankommt und mit dem Desktop-Anwendungen nicht ansatzweise mithalten können". Zu den Systemen gehören eine Firewall, eine Anti-Virus-Software, Anti-Spam-Mechanismen sowie URL-Filtering. Zusätzlich zu den Security-Werkzeugen bietet Secucloud Tools, um bestimmte Contenttypen zu blockieren, zeitlich beschränkt zugänglich zu machen oder um Statistiken über das Surfverhalten sowie blockierte Inhalte abzurufen. Die Elbstädter haben in diesem Punkt vor allem Eltern im Visier, die sich mehr Kontrolle über die Internetnutzung ihrer Zöglinge wünschen.

SecuboxDer "Secubox" getaufte Router kann mit sämtlichen sich in einem Haushalt befindlichen WLAN-fähigen Geräten verbunden werden. Für die mobile Nutzung sind Apps vorgesehen, welche die Datenverbindungen von Smartphones und Tablets unter den Schutzschirm der Norddeutschen holt. Das Startup sieht sein Angebot auch als ideale Lösunge für das smarte Haus, in dem zahlreiche bildschirmlose Apparate und elektrische Funktionen mit dem Internet verbunden sind - von der Waschmaschine bis zu den Lampen. Diese wollen geschützt werden, machen sie sich doch sonst wie Millionen andere netzwerkfähige Geräte aus der Ferne angreifbar.

Erfolgreiches Crowdinvesting

Gerade hat Secucloud in einer Crowdinvesting-Kampagne über Seedmatch 250.000 Euro von 228 Investoren eingesammelt. Damit können die Hamburger mit der Produktion des Routers und der Errichtung ihrer Sicherheitscloud beginnen, um den Dienst und die Hardware planmäßig im ersten Quartal 2014 in Deutschland zu lancieren. Neben dem Direktvertrieb soll Secucloud auch über Partnerschaften mit Telekommuniktionsfirmen und ISPs zur Zielgruppe gelangen. Außerdem sollen demnächst über eine Kickstarter-Kampagne erste Vorbestellungen im USA-Markt generiert werden. Künftige Käufer werden einmalig den Secucloud-Router erwerben und anschließend eine monatliche Nutzungsgebühr zahlen müssen, gestaffelt nach maximaler Geschwindigkeit und Inklusivtraffic. Für das Paket "Home" etwa, das einen Datendurchsatz von höchstens 150 Mbit/s erlaubt, fallen einmalig 99 Euro an. Die monatliche Gebühr beträgt 9,90 Euro bei 20 Gigabyte beinhaltendem Traffic pro Monat. Jedes weitere Gigabyte schlägt mit 0,20 Euro zu Buche.

Reizvolle Idee mit Schwächen

Secuclouds Versprechen von "Managed Security", bei der Nutzer sich um nichts mehr kümmern müssen, hat ihren Reiz und zumindest eine theoretische Attraktivität für Millionen Menschen, die keine Lust darauf haben, für die Sicherheit ihrer Websessions selbst Verantwortung zu übernehmen. Freilich lässt sich ein Großteil des von Secucloud versprochenen Schutzes auch in Eigenregie mit verschiedenen Softwareprodukten und ohne spezifische Hardware erreichen. Doch die dazu benötigte Kompetenz und Muße und wird man bei vielen Otto-Normal-Usern vergeblich suchen.

Allerdings finden sich auch Makel an Secuclouds Idee: Der Gedanke, dass der komplette Datenverkehr über die Secucloud geleitet und dort automatisiert ausgewertet wird, bringt gerade für skeptische und datenschutzsensible Anwender ein gewisses Erregungspotenzial mit sich. Dass Nutzer grundsätzlich mit einem solchen Verfahren einverstanden sind, wenn sie im Gegenzug Mehrwert erhalten, beweisen zwar die zahlreichen VPN-Dienstleister oder Anbieter wie ZenMate. Diese werben jedoch nicht damit, in den Datenverkehr einzugreifen, hängen also die Tatsache, dass sie theoretisch den Traffic "abhören" könnten, nicht an die große Glocke. Secuclouds Stärke ist damit gleichzeitig eine Schwäche.

secucloudpreise

Problematisch ist außerdem die Preisstruktur: Dass jedes über den beim Standardpaket "Home" mit 20 Gigabyte sehr niedrig bemessenen Inklusivtraffic hinausgehende Gigabyte mit 20 Cent berechnet wird, kann die Nutzung von Secucloud unerwartet teuer machen. 20 Gigabyte sind heute in einem Haushalt, in dem mehrere Zugriffsgeräte an einem Breitbandanschluss hängen, Peanuts. Wenn Anwender, die sich für Secucloud entscheiden, sich zwar keine Sorgen mehr über ihre Sicherheit im Netz machen müssen, dafür aber ständig von der Befürchtung geplagt werden, am Monatsende wegen des Downloads einiger HD-Filme plötzlich ein Vielfaches der erwarteten monatlichen Gebühr berappen zu müssen, dann ist dies ein Tausch von Pest gegen Cholera. Secucloud wäre deshalb gut beraten, den vorgesehenen Inklusivtraffic deutlich zu erhöhen und nicht auf eine automatische Aktivierung des Zusatzdatenverkehrs zu setzen, sondern Nutzer rechtzeitig über das Erreichen des Limits zu informieren und von ihnen grünes Licht für den Zukauf weiteren Traffics einzuholen.

Nicht zuletzt wird Secucloud User auch schlicht davon überzeugen müssen, dass die gebotene Leistung wirklich ihr Geld und andere mit dem Einsatz der Lösung verbundene Einschränkungen Wert ist. Immerhin konkurrieren die Norddeutschen zumindest im Privatnutzersegment mit Software wie Antivir. Diese bietet zwar nicht die umfassende, von Secucloud versprochene High-End-Sicherheit, aber kostet nichts und erfordert nicht die Filterung des Datenverkehrs auf Servern Dritter.

Insofern hat Secucloud noch einiges an (Überzeugungs-)Arbeit vor sich, möchte es sein Produkt zu einem Angebot für die breite Masse machen. /mw

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