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08.09.11

Offizieller Start von ifttt: Das Beste seit langem

Mit ifttt können Nutzer 35 unterschiedliche Webdienste und Onlineservices nahezu beliebig miteinander kombinieren, um so ihr digitales Leben zu verbessern und zu vereinfachen. Das beeindruckende Werkzeug steht ab sofort allen Anwendern zur Verfügung.

Über ein halbes Jahr ist es her, dass wir euch ifttt vorgestellt haben, einen eigenwillig bezeichneten Service aus San Francisco, mit dem man das Internet für sich arbeiten lassen kann. Der damalige Bericht sorgte für viel Aufmerksamkeit. Da es seitdem jedoch ziemlich still um den Dienst des Software-Entwicklers Linden Tibbets war und sein Projekt auch recht lange im geschlossenen Beta-Modus verweilte, zweifelte ich in letzter Zeit schon daran, dass ifttt überhaup weiterentwickelt wird.

Schön, dass diese Sorge unbegründet war: Gestern verkündete ifttt-Macher Tibbets den offiziellen Start des Dienstes - ab sofort kann jeder ifttt ausprobieren, eine Einladung ist nicht mehr notwendig.

Die Funktionweise von ifttt zu erklären, ist nicht ganz einfach - was aber nicht bedeutet, dass der Dienst nur für ganz Abgebrühte in Frage kommt. Der vollständige Name der Site "if this, then that" (= ifttt, zu Deutsch "Wenn dies, dann das") trifft es da eigentlich schon ganz gut: Nutzer können einzelne Applikationen und Prozesse verbinden und auf vielseitige Weise miteinander interagieren lassen, um sich ihren Internetalltag zu erleichtern und effizienter zu gestalten. Ein "Task" genannter Vorgang besteht dabei immer aus einem "Trigger" (Auslöser) und einer "Action" (Aktion). Beta-Tester haben bisher über 100.000 Tasks erstellt, die mehr als 25 Millionen Mal ausgelöst wurden.

Obwohl mir ifttt von Beginn an sehr gefiel, bin ich bisher nicht dazu gekommen, eine große Zahl an intelligenten Aufgaben anzulegen. Zwei jedoch haben sich bewährt: Zum einen lasse ich mir per ifttt jeweils eine E-Mail schicken (Action), wenn ich einen Tweet favorisiere (Trigger). Auf diese Weise sammele ich interessante Links, die per Twitter verbreitet werden, die ich aber beispielsweise mobil von unterwegs sehe und nicht sofort lesen will/kann. Eine Alternativ wäre übrigens, Links aus favorisierten Tweets zu Instapaper oder Read It Later zu senden.

Eine zweite ifttt-Aufgabe, die ich einsetze, ist das automatische Abonnieren von Blogs und Websites im Google Reader (Action), deren URLs ich in Kombination mit einem spezifischen Hashtag per Tweet empfehle (Trigger). Sämtliche Sites landen dabei in einem spezifischen "ifttt"-Ordner im Google Reader, so dass ich anschließend genau beobachten kann, inwieweit sich ihr RSS-Abo tatsächlich bewährt.

[photos title="ifttt in Bildern"]

Insgesamt stehen 35 so genannten Channels zur Verfügung, um daraus Trigger und Actions zu definieren. ifttt fungiert wie eine Art "digitales Klebeband" (Zitat Linden Tibbets), das zahlreiche Services und Onlineprozesse miteinander verbindet, die dazu sonst nicht in der Lage wären. Dazu gehören neben den genannten auch solch bekannte Anbieter wie Delicious, Evernote, Facebook, LinkedIn oder Flickr. Die Autorisierung findet jeweils über das sichere OAuth-Protokoll statt.

Unterstützt wird mittlerweile auch Dropbox. Die Integration erlaubt das Speichern einer bis zu 30 Mbyte großen Datei in der eigenen Dropbox. Auf diese Weise kann zum Beispiel automatisch von jedem beim Fotodienst Instagram publizierten Bild ein Backup angelegt werden.

Ein typischer Effekt der ifttt-Nutzung ist es, dass man aufgrund der vielen Hundert Kombinationsmöglichkeiten aus Triggern und Actions einiges an Zeit und Kreativität aufbringen muss, um die wirklich genialen, sinnvollen und produktivitätserhöhenden Tasks zu finden. Als Hilfestellung hat das Startup aus Kalifornien eine "Recipes" (Rezepte) genannte Sektion eingeführt:

Dort können User ausgewählte Tasks veröffentlichen und auf diese Weise andere Nutzer zu denkbaren Aufgaben inspirieren. Alle dort gelisteten Prozesse lassen sich nach Channel sowie Häufigkeit der Nutzung filtern.

Um ifttt zu lieben, ist ein gewisser Spieletrieb, ein Drang zur qualitativen Verbesserung des digitalen Lebens sowie ein grundlegendes Maß an Experimentierfreude Voraussetzung. Wer dies sowie ein wenig Muße mitbringt, der wird es schwer haben, beim Ausprobieren des Dienstes keine Freude zu empfinden.

Von der Idee und vom Konzept, aber auch von der gestalterischen Umsetzung her ist ifttt für mich eines der großartigsten Webtools seit langem. Das war mein Urteil zum Start der geschlossenen Beta-Phase im Februar, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Ausprobieren!

Über eure Task-Empfehlungen in den Kommentaren freuen wir uns!

Link: ifttt

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