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08.07.14

Öffentliche Parkplätze teilen und finden: ParkTag will die innerstädtische Mobilität verbessern

Apps zur temporären Vermietung oder Anmietung von Privatparkplätzen gibt es einige. Das Berliner Startup ParkTag widmet sich mit seiner mobilen App öffentlichen Parkplätzen - ohne dabei auf das kontroverse Marktplatz-Modell einiger US-Wettbewerber zu setzen.

ParkTagIn San Francisco sorgten in den letzten Wochen Startups für Kritik, die Autofahrern des "Teilen" eines öffentlichen Parkplatzes gegen Entgelt erlauben. Den Offiziellen der Pazifikstadt missfällt diese kommerzielle Nutzung der für die Allgemeinheit gedachten Fläche, weshalb sie Anbieter wie ParkModo , Sweetch und Monkey Parking zur Einstellung ihrer fragwürdigen Aktivitäten zwingen wollen.

Aus Deutschland, genauer gesagt aus Berlin, kommt mit ParkTag jetzt ein ähnlicher Dienst. Allerdings verzichtet die für iPhone und Android angebotene App auf das Modell der kostenpflichtigen Überlassung von Parkplätzen am Straßenrand. Stattdessen helfen sich Mitglieder der ParkTag-Community ohne unmittelbare Vergütung dabei, langes Umherfahren im Viertel zu vermeiden. Für das Konzept sind daher anders als bei den genannten Marktplätzen wenig Akzeptanzprobleme zu erwarten. Social Parking nennen die Hauptstädter das Segment der intelligenten Mobilität, in dem sie ihr Produkt ansiedeln: Indem ParkTag-Anwender über die App signalisieren, dass der von ihrem Fahrzeug belegte Parkplatz gleich frei wird, sorgen sie dafür, dass Parkplatzsuchende nicht auf der Suche nach einer Lücke 15 Minuten lang durch die Straßen der Nachbarschaft kurven müssen. Die Vorzüge liegen auf der Hand: Straßen werden entlastet, Parkplatzsuchende sparen Zeit und Benzin, die Umwelt profitiert ebenso wie andere Autofahrer, für die langsame, den Verkehrsstrom missachtende Fahrzeuge auf Parkplatzsuche ein Hindernis darstellen.

ParkTag

Als Anreiz, ParkTag zu verwenden, soll nach Überzeugung von Gründer und CEO Silvan C. Rath sowie dem zehnköpfigen Team neben den Vorteilen bei der Suche nach Parkplätzen auch die Aussicht auf rabattierten oder freien Zugang zu kostenpflichtigen Parkplätzen dienen. Für jede Aktivität erhalten ParkTag-User Punkte, die sie dann für entsprechende Services einlösen können. So ist es zumindest geplant. Die Monetarisierung das Startups wiederum soll über die Lizensierung der Technologie als SDK an ausgewählte App-Entwickler erfolgen. "Wir sind ein Technologieunternehmen", betont Rath.

Auch ohne Nutzung der Sharing-Features soll ParkTag einen Mehrwert bieten: Die App beinhaltet ein Feature, um auf einer Karte zu vermerken, wo man das eigene Auto zuletzt abgestellt hat. Diese Funktion lässt sich auf Wunsch auch automatisieren. Grundsätzlich versprechen die Macher aber, dass Standort- und Personen-Daten nur mit Zustimmung der User öffentlich geteilt werden. Im Einstellungsbereich werden die Privatsphäre-Modalitäten geregelt.

Für die weitere Expansion gab das Startup gestern bekannt, eine Seed-Finanzierung vom High-Tech Gründerfonds erhalten zu haben.

Sofern das Konzept von ParkTag in der Praxis so funktioniert wie vorgesehen und auch skalierbar ist, könnten die Berliner mit ihrem Angebot urbanen, parkplatzarmen Gegenden sowie den dortigen Anwohnern einen großen Gefallen tun. Die Effektivisierung der Parkplatzsuche zur Reduzierung von Abgasen und Verkehrsdichte gehört zweifelsohne zu den Attributen einer sogenannten Smart City. Das temporäre Vermiten von Privatparkplätzen wird seit längerem von einer Reihe von Services ermöglicht, etwa ParkingList, ampido, ParkIt und Parku. Was ParkTag verwirklichen möchte, ist ambitionierter. Ultimativ allerdings würde sich idealerweise eine Lösung durchsetzen, die alle Aspekte der Parkplatzsuche, -vermietung und -freigabe aus einer Hand erledigt. Und die den frei zugänglichen Charakter des öffentlichen Parkplatzraumes im Gegensatz zu den US-Wettbewerbern respektiert. /mw

Update: Die Angaben zur Monetarisierungsform wurden nachträglich korrigiert.

Link: ParkTag

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