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27.08.12

Nutzungsrechte von Smartphone-Fotos: Instagram benötigt ein Creative-Commons-Modell

Bei i-am-cc.org können die über 80 Millionen Instagram-Nutzer ihre Smartphone-Fotos unter eine Creative-Commons-Lizenz stellen. Das Projekt zeigt, wieso der jetzt zu Facebook gehörende Dienst das Creative-Commons-Modell selbst implementieren sollte.

Über 80 Millionen Menschen nutzen Instagram, um mit ihrem iPhone oder Android-Smartphone Fotos online zu veröffentlichen. Ganze fünf Millionen Schnappschüsse landen Tag für Tag auf den Servern des nun zu Facebook gehörenden Jungunternehmens aus San Francisco. Damit platziert sich Instagram mit großem Abstand vor dem Pionier Flickr. Dort werden täglich etwa 1,8 Millionen Fotos hochgeladen. Das von vielen Fotografen noch immer geliebte Flickr hat unter der Ägide von Besitzerin Yahoo den Smartphone-Boom verschlafen und muss sich damit abfinden, nur noch zweite Geige zu spielen und die rasant wachsende Gruppe der mit Mobiltelefonen ausgerüsteten Hobby-Fotografen als Nutzer verpasst zu haben.

Abgesehen von der tendenziell besseren Qualität der bei Flickr gespeicherten Fotos - unter den Anwendern befinden sich zahlreiche Profi-Fotografen, die minderwertigen Smartphone-Kameras nur wenig abgewinnen können - lässt Flickr den rasant wachsenden Neuling Instagram aber noch in einem anderen Punkt hinter sich: Wer seine kreativen Werke bei Flickr hochlädt, kann sie unter eine Creative-Commons-Lizenz stellen und unentgeltlich der Allgemeinheit zur weiteren Verwendung anbieten. Wir schauen für Symbolbilder zu unseren Artikeln gerne bei Flickr und finden fast immer etwas Geeignetes.

Instagram fehlen Optionen, mit denen Anwender die weitere Nutzung ihrer publizierten Schnappschüsse regeln können. Wer ein fremdes Instagram-Foto ohne das vorherige Einholen einer Erlaubnis an anderer Stelle im Netz oder in Printmedien publiziert, bewegt sich in juristisch unsicheren Gewässern. Zumindest theoretisch könnte der Urheber rechtlich gegen diese erneute Veröffentlichung vorgehen. Selbst wenn viele Instagram-Anwender kein Problem mit einer Weiterverwertung ihrer Kreationen haben dürften, fehlt schlicht eine Rechtssicherheit, damit sich Instagram ähnlich wie Flickr zu einem Dreh- und Angelpunkt der Anhänger freier Inhalte entwickelt.

Mit einer simplen und naheliegenden Lösung will der US-Programmierer Philip Neustrom diesen Missstand beheben. Auf seiner Site i-am-cc.orgkönnen Instagram-Nutzer ihre Bilder unter eine der sieben verschiedenen CC-Lizenzen stellen und somit für eine Nutzung durch Dritte auf Basis der selbst gewählten Rahmenbedingungen zugänglich machen. Dazu ist eine einmalige Autorisierung des persönlichen Instagram-Kontos über i-am-cc erforderlich. Die CC-Lizenz hat jeweils für drei Monate Gültigkeit und muss danach erneuert werden. User haben die Wahl, ob die Regelung nur für künftige Aufnahmen oder auch solche aus der Vergangenheit gelten soll.

i-am-cc.org stellt zwar keine eigene Suchmaske für Bilder bereit, aber eine API, mit deren Hilfe Entwickler beispielsweise eine Suchmaschine für sämtliche unter Creative Commons verwendbaren Fotos auf die Beine stellen könnten. Naheliegend wäre etwa eine Integration bei search.creativecommons.org. Mehr als 2000 Personen haben bisher ihre Instagram-Fotostreams unter CC-Lizenz gestellt - also noch nicht sonderlich viele. Je schneller diese Zahl ansteigt, desto eher wird die API Anwendung finden und über externe Websites eine CC-Suche bei Instagram ermöglichen.

Abgesehen von der willkommenen Gelegenheit für Instagrammer, ihre Aufnahmen der Allgemeinheit bereitzustellen, ist Neustroms Projekt auch noch aus einem anderen Gesichtspunkt spannend: Denn die Frage liegt nahe, ob und wann Instagram das CC-Lizenz selbst in seinen Dienst implementiert. Dann würde zwar i-am-cc.org nicht mehr notwendig, aber für Neustrom handelt es sich ohnehin nicht um ein kommerzielles Unterfangen sondern um eine Ausweichlösung, solange Instagram zwar Creative-Commons-Lizenzen nicht per AGB ausschließt, das Modell aber nicht in seine Apps einbindet.

Vielleicht hat Instagram bisher bewusst von eigenen Creative-Commons-Optionen abgesehen. Denn anders als bei Flickr entstehen viele Instagram-Fotos spontan in Alltagssituationen, oft auch in Zusammenhang mit gemeinschaftlichen Anlässen wie Veranstaltungen, Feierlichkeiten oder Mahlzeiten. Die Folge ist, dass häufiger auch andere Menschen abgebildet werden. Selbst wenn der jeweilige Fotograf ein Bild unter Creative Commons stellen würde, ist damit nicht garantiert, dass die gezeigten Personen mit der Verbreitung einverstanden sind. Grundsätzlich besteht diese Problematik auch bei Flickr. Doch aufgrund dessen andersartiger Nutzerzusammensetzung sowie dem fehlenden Schwerpunkt auf an Orten des Alltags aufgenommenen Smartphone-Bildern (mobile Flickr-Apps hin oder her) wirkt die Frage dort weniger drängend.

<s>@</s>martinweigert Für Fotos von Tieren, Sonnenaufgängen, Straßenschildern und anderen Banalitäten ja okay, aber wenn's um Personen geht... — Carolin Neumann (@CarolinN) August 26, 2012

Wer Instagram-Fotos bei i-am-cc.org freigibt, der muss dies für sämtliche in dem bestimmten Zeitraum veröffentlichten Bilder machen. Eine selektive Auswahl der CC-Bilder ist nicht möglich, was in der Praxis ohnehin nur nachträglich machbar wäre. Instagram-Anwender tragen damit die Verantwortung dafür, ob haufenweise Bilder ihrer Freunde nach einer CC-Freigabe an anderen Orten im Netz publiziert werden. Ich habe meinen Instagram-Stream unter Creative-Commons-Lizenz gestellt, da ich mich auf Aufnahmen von Gegenständen und Orten fokussiere. Wessen Fotosammlung aber vorrangig Freunde und Bekannte zeigt, der wird sich überlegen müssen, ob i-am-cc.org eine ideale Lösung darstellt.

Bleibt zu hoffen, dass Instagram Creative Commons auf einer Per-Bild-Basis zeitnah selbst integriert. i-am-cc.org könnte hierbei den notwendigen Druck erzeugen.

Link: i-am-cc.org

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