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24.08.08

Nimmt Facebook Twitter die Status-Wurst vom Teller?

Facebook räumt den Status-Updates seiner Mitglieder eine immer größere Bedeutung ein. Doch wie nah kommt das Social Network eigentlich dem führenden Microblogging-Dienst Twitter?

In der vergangenen Woche hat Facebook an seiner kürzlich überarbeiteten Benutzeroberfläche erneut einige Schönheitskorrekturen durchgeführt. Eigentlich wäre uns dies keine Meldung wert, hätte das mitgliederstärkste Social Network der Welt dabei nicht eine spezielle Funktion erheblich aufgewertet und sie dadurch zum zentralen Element des Dienstes gemacht: Status-Updates.

Während Mitglieder die Funktion zum Aktualisieren ihres Status bisher in der rechten Menüleiste vorfanden, ist sie nun in Form eines langen Eingabefeldes mit der deutlichen Aufforderung "Was machst du gerade?" in den Mittelpunkt der Facebook-Hauptseite gerückt. Eine Übersicht der letzten Status-Änderungen findet sich direkt im Newsfeed unter dem Filter "Statusmeldungen".

fbstatus

Facebook ist bekannt dafür, die Entwicklung des Social Web genau zu beobachten und die beliebtesten Funktionen anderer Web-2.0-Dienste in das eigene Angebot zu integrieren. Mit der jüngsten Änderung macht sich Facebook endgültig in der Microblogging-Sphäre breit, die bisher von Diensten wie Twitter oder Pownce dominiert wird.

Schon lange ist es Facebooks Strategie, viele kleinere Funktions-Updates zu lancieren und diese bei fehlendem Useranklang auch wieder zu entfernen. Vermutlich haben Facebooks interne Analysen des Nutzerverhaltens in diesem Fall gezeigt, dass das Status-Feature Nutzer über einen bestimmten Zeitraum immer stärker involviert. Mit dem aktuellen Schritt soll die bisher etwas versteckte Funktion nun einer größeren Mitgliederzahl schmackhaft gemacht werden.

Es besteht kein Zweifel daran, dass Facebook versucht, dem bisher beliebtesten Microblogging-Dienst Twitter die Wurst vom Teller zu nehmen. Doch was müsste geschehen, damit dieses Vorhaben gelingt? Ähnlich wie bei Twitter wäre es notwendig, dass Facebook mit Hilfe einer API (Schnittstelle) externen Diensten das uneingeschränkte Lesen und Bearbeiten des Facebook-Status ermöglicht. Marcel hat in seinem privaten Blog neunetz.com vor einiger Zeit auf die Bedeutung von APIs hingewiesen. Beliebte Desktop-Tools wie Twhirl oder TweetDeck greifen auf die Twitter-Schnittstelle zu und erlauben es Anwendern, Status-Updates ohne Browsereinsatz zu beziehen und zu publizieren.

Auch Facebook bietet schon diverse Wege, Status-Updates extern anzuzapfen, doch nicht mit der Einfachheit und funktionalen Freiheit, wie dies bei Twitter der Fall ist. Wer will, kann sämtliche Facebook-Status-Aktualisierungen als Feed abonnieren und im RSS-Reader seiner Wahl lesen. Twitter- sowie Pownce-User haben die Möglichkeit, ihre Tweets/Pownces gleichzeitig als Facebook-Status zu veröffentlichen. Beiden Alternativen sind jedoch Einbahnstraßen ohne Rückkanal. Erheblich smarter ist Zebr ( gefunden bei ReadWriteWeb ), eine Adobe AIR-Applikation für den Desktop, die in Echtzeit die Facebook-Updates der Kontakte präsentiert und zugleich das Aktualisieren des eigenen Status zulässt. Damit dies funktioniert, muss allerdings die Zebr-Applikation zum persönlichen Facebook-Konto hinzugefügt werden.

Während Zebr momentan wohl die Lösung ist, die Facebooks Status-Feature am ehesten in die Nähe von Twitter bringt, so wäre der speziell bei Web-2.0-Freunden populäre Zwitscher-Dienst erst dann richtig in Gefahr, wenn Facebook den Status über eine Schnittstelle direkt ansprechbar machen würde. Dann nämlich könnten Tools wie Twhirl, das neben Twitter auch identi.ca, Friendfeed und seesmic unterstützt, ganz einfach Facebook zur Liste der angebotenen Dienste hinzufügen - und das, ohne dass User erst eine Applikation bei Facebook installieren müssen. Auch für den Multi-Instant-Messanger Digsby, der bereits heute Facebook Chat auf den Desktop bringt, wäre eine Integration des Status-Features eine runde Sache.

Man darf gespannt sein, ob und inwieweit Facebook zu einer Öffnung des Status-Features bereit sein wird und eines Tages eventuell sogar einen eigenen Desktop-Client veröffentlicht. Es würde einige Seitenaufrufe weniger bedeuten, gleichzeitig aber die Mitglieder stärker an das soziale Netzwerk binden. Angesichts des enormen Überangebotes an zum Teil für Peanutbeträge vermarkteter Werbefläche wäre dies für Facebook eine vertretbare Investition in eine weiterhin steigende Nutzer-Loyalität.

[Dank an Marcel, der zu diesem Beitrag einige gute Gedanken geliefert hat.]

Fotoquelle: Wikimedia Commons

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