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24.06.09

Niedergang eines Social Networks: Die Tage von MySpace sind gezählt

Auf die anhaltenden Einbrüche bei den Besucherzahlen folgt eine Entlassungswelle: MySpace hat fast alle wichtigen Trends im Social Web verschlafen und wenig Möglichkeiten, die Abwärtsspirale zu stoppen.

MySpaceWir werden gerade Zeuge eines im globalen Kontext bisher einmaligen Ereignisses: der Niedergang eines sozialen Netzwerkes, das noch vor zwei Jahren weltweit führend war. Die Rede ist natürlich von MySpace, dem zur News Corporation gehörenden Dienst, der gerade tiefgehende Personaleinschnitte verkünden müsste. So entlässt das Unternehmen rund 500 Angestellte in den USA und 300 in den 15 internationalen Büros . Die Zahl der Mitarbeitenden außerhalb der USA sinkt deutlich von 450 auf 150.

Was ein schwerer Schlag für die Betroffenen ist, kommt keineswegs unerwartet. Schon seit einiger Zeit ließ sich das Entwicklungspotenzial von MySpace in Frage stellen. Schritt für Schritt verlor und verliert der international präsente Dienst an Besuchern, während Erzrivale Facebook kräftige Zuwächse verzeichnet. Mittlerweile hat der blau-weiße Konkurrent MySpace als führendes soziales Netzwerk außerhalb Chinas abgelöst.

Das Beispiel MySpace zeigt, wie der für das Wachstum eines Social Networks notwendige Netzwerkeffekt auch in die umgedrehte Richtung verlaufen kann: Je größer die Zahl der User, die dem Dienst den Rücken kehren oder ihre Aktivität einschränken, desto geringer der Nutzen für andere, die sich dann ebenfalls nach Alternativen umschauen. Eine Abwärtsspirale beginnt, die sich nur schwer stoppen lässt.

MySpace vs Facebok - ein klares Bild

Die Liste der von MySpace begangenen Fehler ist lang. Zu nennen sind unter anderem unschöne, unübersichtliche und billig wirkende Profilseiten, eine hohe Spamanfälligkeit und ein zu starker Fokus auf virtuellen Personen statt echter Identitäten - vom völligen Verschlafen des Echtzeitwebs - immerhin der heißeste Trend des Jahres - ganz zu schweigen.

Vor zwei bis drei Jahren war der von MySpace gewählte Weg durchaus richtig und resultierte in steigenden Besucherzahlen und Umsätzen. Doch dann verlor das Unternehmen den Anschluss und spielt seitdem nur noch zweite Geige.

Drastische Sparmaßnahmen und Entlassungen sind daher keine Überraschung. Die Zukunft von MySpace ist mehr als ungewiss. Ob die Einschnitte helfen werden, den Service zurück auf den Erfolgspfad zu bringen, bleibt fraglich. Um erneut die Aufmerksamkeit der User zu erlangen, müsste sich MySpace neu erfinden. Wir warten ab, ob dies dem geschmälerten Team um den neuen CEO Owen Van Natta gelingt. Eines ist sicher: Als klassisches Social Network wird MySpace keine Sternstunden mehr erleben.

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