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08.11.10

NewsBlur: Konkurrenz für den Google Reader

NewsBlur ist ein webbasierter RSS-Reader, der zu einer echten Konkurrenz für den Google Reader werden könnte.

 

Die Frage, welche Bedeutung RSS in Zeiten des Echtzeitwebs hat und inwieweit das Format zum Abonnieren von Websites durch Twitter, Facebook und andere Social-Web-Kanäle noch zeitgemäß ist, wurde mittlerweile beantwortet. Fazit: RSS ist relevanter denn je . Zu dieser Erkenntnis im Widerspruch steht jedoch der Mangel an klassischen browserbasierten RSS-Readern.

Während es verschiedenste Wege gibt, RSS-Feeds zu konsumieren - von lokal zu installierenden Desktop-Tools wie FeedDemon über selbst gehostete RSS-Clients (z.B. Fever) bis hin zu alternativen Readern wie Feedly, RockMelt oder Twingly Channels, welche mit neuartigen Darstellungen und sozialeren Ansätzen experimentieren, sind browserbasierte Reader im traditionellen Zwei- oder Drei-Spalten-Layout in der Regel die unkomplizierteste Form, um von jedem Ort mit Internetanschluss auf die eigenen RSS-Abos zugreifen zu können.

Leider gibt es im Bereich der klassischen browserbasierten Feedreader lediglich einen ernstzunehmenden Anbieter, nämlich den Google Reader. Während Googles RSS-Tool für viele Freunde dieser effizienten und effektiven Art des Informations- und Nachrichtenbezugs eine zufriedenstellende Lösung ist, wäre etwas mehr Konkurrenz durchaus wünschenswert.

Denn Google Reader gehört definitiv nicht zu den von Google am höchsten priorisierten Diensten, was einerseits mit dem fehlenden Massenanreiz von RSS zu tun haben könnte, aber womöglich auch damit, dass es an Herausforderern fehlt - Bloglines , der ehemalige Krösus under den RSS-Readern im Browser, wird nun zwar doch nicht geschlossen sondern stattdessen verkauft und angeblich weiterbetrieben, aber echte Impulse erwarte ich mir von dem seit Jahren vernachlässigten Tool vorerst dennoch nicht.

Sehr erfreut war ich daher, als ich auf einen Artikel bei Lifehacker stieß, der einen neuen im Browser laufenden RSS-Reader vorstellte: NewsBlur heißt der Service, der sich anschickt, Google Reader Konkurrenz zu machen.

Die grundsätzliche Funktionsweise des vom New Yorker Entwickler Samuel Clay zusammengebastelten RSS-Readers unterscheidet sich nur wenig vom Google Reader oder von Bloglines: In der linken Spalte befinden sich die abonnierten und auf Wunsch in Ordnern abgelegten Feeds, im Hauptbereich rechts erscheinen die Artikel des jeweiligen Feeds. Im Gegensatz zum Google Reader ist dieser Bereich nochmals unterteilt, da unterhalb der dargestellten Inhalte eine verschiebbare Navigationsleiste für den jeweiligen Feed platziert ist.

Abgesehen von kleineren Unterscheidungen, was Teilfunktionen und Einstellungsmöglichkeiten betrifft, zeichnet sich NewsBlur im Vergleich zum Google Reader vor allem dadurch aus, dass es Feed-Inhalte auf Wunsch im Originallayout der Quellseite darstellt. Nutzer können selbst auswählen, ob sie Artikel RSS-typisch im grafischen Erscheinungsbild des Readers oder in dem der jeweiligen Website beziehen möchten. Es soll User geben, die speziell aufgrund der fehlenden optischen Differenzierung zwischen Feeds unterschiedlicher Quellen ein Problem mit dem RSS-Format haben - NewsBlur könnte dabei helfen, eine Brücke zu bauen.

Eine andere Eigenheit von NewsBlur ist der Intelligenztrainer: Zu jedem Feed-Artikel lassen sich einzelne Elemente wie Autor, Tags, Überschrift und Quellseite mit einem Daumen nach oben oder nach unten versehen. Auf Basis dieser Indikation der persönlichen Präferenzen bietet NewsBlur die Möglichkeit, sich über einen Schieberegler nur die Beiträge in einem Feed darstellen zu lassen, die den persönlichen Vorlieben entsprechen. Auf diese Weise kann man bei einem Team-Blog beispielsweise nur die Beiträge von Autoren einblenden, die man mit einem "Daumen hoch" versehen hat - ein Feature, das garantiert Fans finden wird.

NewsBlur wird sicherlich nicht auf einen Schlag eine Wechselwelle vom Google Reader anstoßen können: Der Funktionsumfang ist deutlich geringer - ich habe zum Beispiel keinen Weg gefunden, gelesene Artikel wie bei Googles RSS-Tool mit einem Stern zu versehen, um sie später leichter wiederzufinden. Auch wirkt die Oberfläche deutlich schwerfälliger und weniger flüssig als beim großen Vorbild, was allerdings auch ganz einfach auf einen großen Benutzerandrang zurückzuführen sein kann. Wahrscheinlich wird auch die Begrenzung auf 64 Feeds in der Gratis-Version von NewsBlur einige Anwender abschrecken - wer mehr will, muss 12 Dollar pro Jahr zahlen. Das wiederum ist für RSS-Fans ein sehr verträglicher Preis, immerhin stellt der RSS-Reader für viele Anhänger des Formats das Herz der täglichen Internetnutzung dar.

Gerade auch wenn man bedenkt, dass NewsBlur das Werk eines einzelnen Programmierers ist, so kann sich der Dienst schon in seinem Anfangsstadium sehen lassen. Die Fähigkeit, Feed-Artikel im Layout der Quellseite darzustellen, sowie die Möglichkeit zum Filtern eines Feeds nach Autoren und Tags fehlen dem Google Reader (natürlich gibt es Workarounds) und sind Grund genug, sich NewsBlur einmal anzuschauen.

Speziell für Google-Reader-Anwender macht NewsBlur-Macher Samuel Clay das Ausprobieren seines Tools leicht: Sie können via OAuth ihre RSS-Abos aus dem Google Reader importieren. Für Nutzer anderer RSS-Reader wird ein Import der alle Feeds enthaltenden OMPL-Datei angeboten.

Was haltet ihr von NewsBlur?

Link: NewsBlur

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