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21.10.11

"News Junkies" halten den Atem an: Google will seinen RSS-Reader aufräumen

Sein bei Bloggern und "News Junkies" beliebtes RSS-Werkzeug Reader hat Google seit Jahren vernachlässigt. Doch für die nächste Woche ist eine neue Version angekündigt - mit Änderungen, die nicht leicht zu verdauen sind.

Googles browserbasierter RSS-Reader Google Reader gehört zu den Produkten des Internetriesens aus Mountain View, die seit jeher eher stiefmütterlich behandelt wurden. Weder optisch noch funktionell gab es in den vergangenen Jahren größere Veränderungen bei dem Dienst, der zu Googles besten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Angeboten gehört (was sich auf übergeordneter Ebene über das RSS-Format als solches auch sagen lässt).

Für mich ist der Google Reader mit meinen etwa 150 abonnierten Feeds das Herzstück meines Internetalltags und meiner Informationsbeschaffung - noch vor Twitter. Entsprechend weitreichende Auswirkungen können von Google vorgenommene Modifikationen an der Funktionsweise des Tools auf meine Produktivität und Effizienz haben. Während es also bisher schade war, dass der Webkonzern seinem RSS-Reader über all die Jahre nicht mehr Ressourcen zuwies, hatte dies immerhin den Vorteil, dass an meinen Arbeitsroutinen rund um das Bewachen von RSS-Feeds nicht gerüttelt wurde.

Doch die fast schon liebgewonnene unveränderliche, heile Google-Reader-Welt hat nur noch wenige Tage Bestand: In der kommenden Woche will Google eine optisch und funktionell leicht abgeänderte Version des RSS-Werkzeugs lancieren und es damit an das Erscheinungsbild anderer, in letzter Zeit überarbeiteter Google-Dienste (wie z.B. Google Docs oder die Google Suche) anpassen.

Im Rahmen des Facelifts plant Google außerdem, sich von einigen sozialen Features des Readers zu trennen: Das Sharing gelesener Artikel und das Abonnieren der "Shared Items" anderer Nutzer innerhalb des Google Readers wird abgeschafft. Stattdessen verspricht Google eine engere Verbindung zwischen dem Reader und Google+ - für lesenswert befundene Artikel aus den eigenen RSS-Feeds sollen dann direkt ausgewählten Kreisen bei Google+ zugänglich gemacht werden können.

Das integrierte Follow-Feature des Google Reader gehörte trotz seiner äußerst begrenzten Funktionsweise zu meinen Lieblingsfunktionen des Dienstes. Seit zwei Jahren nutze ich dies, um neben den von mir händisch abonnierten Feeds Zugang zu weiteren, von den von mir knapp 70 gefolgten Usern empfohlenen Quellen zu erhalten. Es ist ein guter Weg, um den eigenen Informationshorizont über die persönlichen Lieblings-RSS-Feeds hinaus zu erweitern. Gleichzeitig folgen knapp 280 andere Nutzer meinen "Shared Items" - Bei lesenswerten Texten im Google Reader den "Share"-Button zu betätigen, ist mir mittlerweile ins Blut übergegangen.

Dass Google versucht, Google+ an eine größtmögliche Zahl seiner Services andocken zu lassen, und dass vom Großen Ganzen losgelöste Social-Features in den Augen das Unternehmens dadurch überflüssig werden (wie auch Buzz und Jaiku), verwundert nicht. Dennoch hoffe ich sehr, dass Google bei der Neukonzeption des Readers nicht nur die eigenen Interessen ("Google+ Google+ Google+") berücksichtigt, sondern auch die Nutzungsszenarien seiner Anwender.

Die Social-Elemente des Google Readers sind ein Nischenfeature eines Nischenproduktes und dementsprechend relativ irrelevant für Googles Geschäftserfolg. Gleichzeitig war der Betrieb derartiger Tools für spezifische Nutzergruppen stets ein wichtiger Eckpfeiler in Googles "Don't be evil"-Strategie, mit dem sich der Konzern das Wohlwollen der Entwickler-Community, von Power Usern und Bloggern sicherte.

Google weiß dies. Deshalb - und im Sinne der bei netzwertig.com oft propagierten positiven Grundhaltung zu Veränderungen - gehe ich davon aus, dass der mit Google+ verbundene Sharing-Prozess von Artikeln aus dem Google Reader letztlich besser funktionieren und vielseitiger ausfallen wird, als dies bisher der Fall ist. Wenn nicht, wäre dies allerdings äußerst schade.

Wobei man wohl froh sein muss, dass Google den Reader nicht gleich ganz dicht macht.

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