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09.10.13

Neues Startup-Trendthema: Deutsche Gründerteams stürzen sich auf Last-Minute-Events

Zahlreiche junge deutsche Webfirmen wollen Veranstaltern dabei helfen, nicht verkaufte Ticketkontingente im Last-Minute-Verfahren zu rabattierten Preisen loszuwerden.

EventsIm Tourismus- und Pauschalreisensegment sind stark rabattierte Last-Minute-Angebote ein beliebtes Instrument, um freie, zu den herkömmlichen Konditionen nicht verkaufte Kapazitäten auszulasten. In letzter Zeit wurde das Modell unter Mitwirkung junger Webfirmen auf verwandte Bereiche, etwa einzelne Hotelnächte sowie Last-Minute-Tischreservierungen ausgeweitet. Seit kurzem hat Deutschlands Gründergemeinde ein neues Fokusgebiet, das tatsächlich für den Last-Minute-Ansatz prädestiniert ist: Veranstaltungen.

Wie üblich, wenn ein Trendthema aus ausländischen Märkten ins Visier der hiesigen Startup-Szene rückt, stürzen sich parallel eine ganze Reihe von Gründerteams und Inkubatoren wie hungrige Wölfe auf die Idee. Die zumeist wenige Monate alten Akteure aus Deutschland heißen Todaytickets, Tickethelden , 50 Hours und Tick Tick Tickets. Mutmaßlich inspiriert von US-amerikanischen und britischen Diensten wie WillCall , YPlan, Last Second Tickets und Goldstar, kombinieren die frischgebackenen Anbieter in Deutschland das Kuratieren "handverlesener", innerhalb von bis zu 72 Stunden stattfindender Veranstaltungen mit dem Anbieten von Vergünstigen oder anderen Mehrwerten, die beim herkömmlichen Vorverkauf nicht in Anspruch genommen werden können. Noch sehr begrenzte regionale Verfügbarkeit

Aufgrund des frühen Entwicklungsstadiums ist die regionale Abdeckung der Dienste derzeit noch äußerst bescheiden. Todaytickets, vom ProSiebenSat.1-Inkubator Epic Companies unterstützt, versorgt bisher nur unternehmungslustige Berliner und Kölner mit Veranstaltungsdeals. 50 Hours aus dem Haus des Berliner Ticketvermittlers tab ticketbroker steht derzeit ebenfalls nur für Haupstädter zur Verfügung, gleiches gilt für TickTickTickets. Tickethelden dagegen stammt aus München und bietet aktuell ausschließlich Tickets für Events in der bayerischen Metropole. Wie Todaytickets erhält auch Tickethelden finanzielle Unterstützung durch die ProSiebenSat.1-Gruppe - über deren hauseigenen Accelerator.

Im Zentrum stehen bei sämtlichen Akteuren mobile Apps, die standortbasiert ausgewählte Veranstaltungen für den aktuellen Tag oder maximal die kommenden Tage auflisten und den direkten Ticketkauf erlauben. Nutzer zeigen dann ihr über die App bereitgestelltes temporäres Ticket an der Abendkasse vor, wo es gegen eine gültige Eintrittskarte eingetauscht wird. Zu den aktuell gelisteten Darbietungen gehören Konzerte, Theateraufführungen, Clubevents, Comedyprogramme und Kinovorführungen. Zumeist erhalten spontane Eventfreunde Rabatte, mal gibt es auch freien Eintritt anstelle der Gebühr an der Abendkasse, oder ein vergünstigtes "Paket", etwa ein Kinoticket samt Popcorn und Getränk.

Gute Exitchancen

Dass sich gleich mehrere junge Firmen des Segments annehmen, verwundert freilich nicht: Das Konzept ist zwar in der Event-Akquisephase arbeitsintensiv, aber in der Umsetzung relativ simpel. Auch wird es nicht schwer sein, Ausgehlustige von den Vorteilen rabattierter Tickets zu überzeugen, zumal ihnen die Dienste durch die Begrenzung auf wenige Deals pro Tag bei der Auswahl helfen. Hinzu kommt, dass die Exit-Aussichten prächtig sind: US-Konkurrenten zählen ebenso zu möglichen Käufern wie etablierte Ticketplattformen wie Eventim, Ticketmaster (Live Nation) und Eventbrite sowie wie Coupongiganten wie Groupon oder Living Social. Letztgenannte vertreiben bereits fließig verbilligte Veranstaltungstickets, allerdings ohne Last-Minute-Komponente.

Die größte Herausforderung liegt darin, Veranstalter vom Sinn vergünstigter Last-Minute-Tickets zu überzeugen. Laut Gleb Tritus, einem der zwei Gründer von Todaytickets, bleiben im Schnitt 40 Prozent der Eintrittskarten von Veranstaltungen liegen. Trotzdem sei anfänglich viel Überzeugungsarbeit notwendig gewesen, manche Event-Macher befürchten Kannibalisierungseffekte. Mittlerweile werde das Startup aber mehrmals wöchentlich von Veranstaltern angesprochen.

Die zwei ProSiebenSat.1-Investments werden von der für sie kostenfrei verfügbaren Medienreichweite profitieren, der fast zwei Jahre alten 50 Hours-Macherin tab ticketbroker dürften die aufgebauten europaweiten Kontakte zu Veranstaltern helfen, zumal das Startup bereits profitabel arbeitet. Für die nächsten Monate ist somit ein heftiger Konkurrenzkampf zu erwarten, der sich intensiviert, wenn die Anbieter sukzessive in allen deutschen Großstädten ihre Zelte aufschlagen. Auch mit dem Auftauchen weiterer ähnlich positionierter Startups ist zu rechnen, bis es dann im nächsten Jahr zur Konsolidierung kommt. Man kennt das Spielchen ja mittlerweile. /mw

(Foto: Royal Albert Hall at night, Shutterstock)

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