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13.04.10

Neuer Browser für's iPhone: Opera Mini von Google Reader bezwungen

Opera Mini gibt es ab sofort auch auf dem iPhone. Besitzer von Apples Smartphone haben damit endlich eine Alternative zu Safari. Theoretisch zumindest, denn Googles populärer RSS-Reader zwingt den mobilen Opera-Browser sofort in die Knie.

Opera Mini auf dem iPhone

Ein beträchtlicher Teil unserer Leser besitzt ein iPhone und war für das mobile Surfen bisher an Apples eingebauten Browser Safari gebunden. Bis heute. Völlig überraschend hat Apple in der Nacht die iPhone-Ausgabe von Opera Mini für den Download im App Store freigegeben.

Damit haben iPhone-Besitzer fortan die Wahl zwischen zwei komplett ausgerüsteten, kostenlosen Browsern (Update: Mit iCab gibt es zudem einen kostenpflichtigen). Auf dem Papier sieht das, was Opera Mini bietet, durchaus attraktiv aus: schnelleres Surfen durch Operas bewährte Datenkompression, Tabs, Sync-Funktion mit der Desktop-Edition von Opera, unterschiedliche Schriftgrößen, Durchsuchen von Webseiten und vieles mehr.

Ich habe Opera Mini auf dem iPhone sofort ausprobiert, und zwar mit der für mich mit Abstand wichtigsten Site, nämlich der iPhone-Variante des Google Reader. Leider war die Enttäuschung groß: Der folgende Screenshot zeigt, wie Opera Mini (links) Artikel im Google Reader darstellt, und wie es Safari macht. 1:0 für Safari.

Opera Mini (links) vs Safari (rechts)

Eventuell handelt es sich dabei nur um ein temporäres Problem. Aber selbst dann gibt es noch einen zweiten, sehr viel schwerwiegenderen Nachteil: Die iPhone-Version des Google Reader zeigt zu jedem Artikel eines RSS-Feeds zuerst lediglich die Überschrift und die ersten Wörter des Textes an. Ein Klick darauf öffnet darunter den kompletten Beitrag.

In Safari geschieht dies direkt, innerhalb des Bruchteils einer Sekunde, da der Text bereits im Hintergrund heruntergeladen wurde. Opera Mini hingegen lädt ihn erst, nachdem auf die Überschrift geklickt wurde. Das dauert selbst bei einer Verbindung über WLAN einige Sekunden. Für jeden Artikel, den man lesen will. Lustigerweise geschieht dies auch dann, wenn man den Text wieder einklappen möchte.

Opera Minis eigentlicher Produktvorteil des sparsamen Trafficmanagements wird hier für Nutzer, die auf Schnelligkeit bedacht sind, zu einem entscheidenden Nachteil. Oder es handelt sich um ein programmiertechnisches Problem aufgrund einer fehlenden Anpassung des RSS-Readers an Opera Mini. Immerhin konnte kaum jemand damit rechnen, dass Apple überhaupt einen zweiten Browser auf dem iPhone zulassen würde, und seine Site entsprechend anpassen. Andererseits ist es nicht die Aufgabe von Websites, sofort nach dem Erscheinen eines neuen Browsers ihr Angebot an diesen anzupassen.

Gerne würde ich Opera Mini, das ansonsten einen ansprechenden Eindruck hinterlässt, über einen längeren Zeitraum testen. Solange jedoch der Google Reader, mein wichtigstes digitales Werkzeug überhaupt, nicht vernünftig funktioniert, haben die Norweger bei mir keine Chance.

Update: Leser Bastian Nutzinger identifiziert die Fehlerursache als grundsätzliches Problem des Opera Mini mit Seiten, die Ajax-Anfragen durchführen.

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