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16.09.11

Neue Preisdifferenzierung und Einschnitte beim Gratis-Angebot: simfy folgt Spotify

Das Kölner Musikstartup simfy beschneidet seine Gratisversion und bietet nur noch 20 Stunden Streaming pro Monat. Die ab sofort gültige Produkt- und Preispalette ist der des Konkurrenten Spotify sehr ähnlich.

 

Wer bisher im deutschsprachigen Raum unbegrenzt On-Demand-Musik hören und dafür keinen Cent zahlen wollte, für den war der Kölner Musikdienst simfy die erste und einzige Adresse. Lediglich auf mobile Apps mussten simfys Gratisanwender verzichten und zudem gelegentlich Werbung über sich ergehen lassen.

Doch mit dieser Freiheit ist ab sofort Schluss: Am Donnerstag gab das Unternehmen bekannt, dass simfy Free nun nur noch 20 Stunden Streaming pro Monat beinhaltet. Wem das nicht genügt, der muss ein kostenpflichtiges Paket erwerben. Zukünftig bieten die Rheinländer zwei Bezahl-Pakete: "Premium" für 4,99 Euro pro Monat mit unbegrenztem und werbefreiem On-Demand-Zugang zu über 13 Millionen Titeln sowie Premium Plus für 9,99 Euro monatlich, wobei auch der Zugriff über die mobilen simfy-Applikationen (inklusive Offline-Modus) inbegriffen ist.

Mit der neuen Preisgestaltung orientiert sich simfy einmal mehr an seinem schwedischen, nicht im D-A-CH-Raum verfügbaren Vorbild Spotify. Der seit Kurzem auch in den USA angebotene Dienst hatte zum 1. Mai dieses Jahres eine vergleichbare Einschränkung seines Gratisproduktes vorgenommen und ebenfalls eine dreigliedrige Preisstaffelung eingeführt:

Seitdem wird die kostenlose Variante "Spotify Free" nach sechs Monaten des unlimitierten On-Demand-Streamings auf monatlich zehn Stunden und maximal fünf Streamings je Song begrenzt. Das ist also nur die Hälfte von dem, was simfy-User kostenfrei erhalten, dafür greift die Beschränkung erst sechs Monate nach der Registrierung. Für 4,99 Euro gibt es Spotify Unlimited (werbefrei und ohne Begrenzungen) und für 9,99 Euro Spotify Premium inklusive mobiler Apps und Offline-Funktionalität.

Obwohl das Preisniveau der zwei simfy-Bezahl-Versionen in Anbetracht des reichhaltigen Musikangebots mehr als angemessen ist, zeigen sich einige Nutzer im simfy-Blog und auf simfys Facebook-Seite irritiert über die Einschnitte. Es ist für Menschen immer schwer, wenn ihnen Dinge weggenommen werden, an die sie sich bereits gewöhnt haben.

Über die Vereinbarungen zwischen Streaming-Diensten, Labels und Verwertungsgesellschaften schweigen sich die beteiligten Parteien traditionell aus. Bekannt ist, dass simfy in Deutschland Konditionen der hiesigen Verwertungsgesellschaft GEMA in Bezug auf die Lizenzvergütungen akzeptiert hat, die Spotify als zu kostspielig ablehnte. Ob sich daraus der Schluss ziehen lässt, dass simfy in D-A-CH pro Nutzer oder gestreamten Song höhere Lizenzabgaben zahlt als Spotify in den acht verfügbaren Ländern, darüber kann man nur spekulieren.

Neben ökonomischen Zwängen wäre eine alternative Erklärung für simfys Vorstoß die freiwillige Anpassung an Marktgegebenheiten. Als einziger On-Demand-Musikdienst mit kostenfreier Komponente im deutschsprachigen Raum muss simfy bei der Ausformung seines Gratis-Produktes keine Rücksicht auf Konkurrenten nehmen. Einfach ausgedrückt: So lange ein irgendwie geartetes Gratis-Paket existiert, bietet simfy mehr als die Bezahlanbieter JUKE, Napster oder Musicload Nonstop.

Wir versuchen, von simfy Details zu den Hintergründen der Entscheidung in Erfahrung zu bringen, und aktualisieren den Artikel dann gegebenenfalls.

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