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04.10.08

Neininger von news1.ch: "Was Google macht, ist illegal"

Norbert Neininger von news1.ch hadert weiter mit Google und meint, das Angebot "Google News" sei illegal. Geld verdienen mit Google AdSense möchte er aber vielleicht trotzdem.

Neininger (Archivbild, Keystone)In einem Interview mit dem Media Trend Journal reden Norbert Neininger und Beat Lauber mit Christoph J. Walther über ihr für diesen Monat angekündigtes Projekt news1.ch, ein Online-Portal verschiedener schweizer Regionalverleger (mehr auf medienlese.com). Die beiden sind Präsident und Vizepräsident des Verwaltungsrats der News1 AG, ein "Geschäftsleiter / Projektleiter" wird gemäss einem am 1. Oktober verschickten Newsletter noch immer gesucht ("eine zielorientierte Persönlichkeit, die selber mit anpackt").

Es wird im Gespräch enthüllt, dass die sagenhaft originelle Idee, das Portal News 1 zu nennen, bei einem Brainstorming dem CEO der AZ Medien Gruppe, Peter Wanner, in den Sinn kam. Heureka! Besser als eine Lösung wie "Regio News" oder so ist das aber allemal.

Mit Google steht News 1 weiterhin auf Kriegsfuss. Obwohl das Portal sowas wie eine Kopie von Google News werden soll und auch nicht ausgeschlossen wird, Geld mit Google AdSense zu verdienen ("Es ist alles möglich, was langfristig Gewinne bringt und uns nicht behindert"), ist man nicht zufrieden mit der innovativen Firma aus Mountain View, Kalifornien.

Norbert Neininger sagt:

Die Copyright-Rechtslage ist klar: Was Google macht, ist illegal. Da gibt es gar keine Diskussion. Google bietet deshalb jedem das 'Opting out' an: Jeder kann in seiner Datenbank einen Befehl setzen, so dass der Google-Crawler diese Seiten nicht plündert. Das finden wir ungenügend, Google müsste uns anfragen und uns auch eine Entschädigung anbieten. Und wir sollten bestimmen können, was Google in Google-News von uns aufnehmen darf. Wer die Inhalte liefert, also wir, sollte doch auch davon profitieren können. Es darf doch nicht sein, dass Leute, die mit den Inhalten nichts zu tun haben, durch eine blosse Zusammenfassung mittels eines Roboters ein Geschäft damit machen. Das ist nicht fair. Wir haben dann diesen Rechtsstreit gegen Google vertagt, weil wir ja sehen, dass Google-News ein Bedürfnis ist - sowohl beim Publikum, denn diese Sites sind gut besucht, als auch bei den Verlagen, weil so Traffic zurückkommt.

Soweit ich das überblicke, klaut news.google.ch keineswegs ganze Artikel, sondern macht nicht mehr als Werbung für Inhalte der Anbieter mit kurzen Anrissen der Artikel. Genutzt wird lediglich das Zitatrecht. Im Bundesgesetz über das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte heisst es im Artikel 25:

Veröffentlichte Werke dürfen zitiert werden, wenn das Zitat zur Erläuterung, als Hinweis oder zur Veranschaulichung dient und der Umfang des Zitats durch diesen Zweck gerechtfertigt ist.

Das Zitat als solches und die Quelle müssen bezeichnet werden. Wird in der Quelle auf die Urheberschaft hingewiesen, so ist diese ebenfalls anzugeben.

Google News nutzt in meiner Wahrnehmung das Zitat als Hinweis, auch den Umfang des Zitats halte ich für angemessen. Was allerdings aufstösst, ist die Tatsache, dass News1 eine Zusammenarbeit mit einer Firma, die sie selbst illegaler Machenschaften bezichtigt, nicht ausschliesst.

Wer einen Satz wie "wir sollten bestimmen können, was Google in Google-News von uns aufnehmen darf" sagt, der hat das Internet nicht verstanden, denn wäre dem so, so müsste jede Zeitung zuerst eine förmliche Anfrage starten, bevor sie ein Zitat aus einer anderen Zeitung druckt. Falls dem jemals so war - diese Zeiten sind mit dem Internet längst vorbei.

Auch sonst wirken einige Aussagen aus dem Gespräch wie von vor zehn Jahren. Wenn das Portal auch so daher kommt, was zu befürchten ist, dann ist es eigentlich nur schade, dass das jetzt geschieht und nicht schon vor zehn Jahren passiert ist.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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