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21.09.09

Nachrichtenaggregatoren: Rivva, zeig dem Netz endlich, was du kannst!

Der Blog- und Nachrichtenaggregator Rivva ist seit über zwei Jahren integraler Bestandteil der deutschen Blogosphäre. Das Potenzial des Dienstes ist groß. Was bisher jedoch fehlt, ist Aufmerksamkeit außerhalb der inneren Kreise des Social Web.

RivvaAm 3. März 2007 erblickte Rivva als "Zeitung der Blogosphäre" das Licht der Internetwelt. Inspiriert vom US-Vorbild Techmeme, entwickelte Initiator Frank Westphal einen Dienst, um neue und relevante Blogartikel hervorzuheben und zu gewichten.

Für mich, meine netzwertig.com-Kollegen und vermutlich andere Freunde der deutschsprachigen Blogosphäre ist Rivva seit dem Start vor zweieinhalb Jahren zu einer nicht mehr wegzudenkenden Informationsquelle geworden. Auch wenn über den Nutzen von Rivva für die Bloglandschaft immer mal wieder diskutiert wird , eignet sich der Service hervorragend dazu, einen schnellen und zuverlässigen Überblick über das zu bekommen, was Blogger in Deutschland im Moment umtreibt.

Während sich das Äußere von Rivva im Laufe seines Bestehens nur geringfügig geändert hat, setzte Betreiber Westphal auf kontinuierliche Verbesserungen sowohl des Algorithmus als auch der funktionellen Ebene. Mittlerweile aggregiert Rivva neben Blogs auch Tweets, bietet einen Newsroom, eine Übersicht viel diskutierter Videos sowie Twitpic-Fotos, einen Leitmedien-Index und diverse weitere Gimmicks.

Rivva lässt sich bequem per RSS oder Twitter abonnieren und fügt sich so geschmeidig und flexibel in den Prozess des Informationsbezugs ein. Seit kurzem haben ausgewählte Blogs außerdem die Möglichkeit, ein kleines Rivva-Widget unter jeden Artikel einzubinden, welches die Anzahl verweisender Blogs und Tweets anzeigt und über Rivva zu diesen verlinkt (Beispiel siehe unten).

Das einzige Problem, was ich mit Rivva habe: Es erhält bei weitem nicht die Aufmerksamkeit, die es verdient. Frank Westphal betreibt den Dienst alleine, als eines von mehreren Projekten. Während Rivva aus technischer und funktioneller Perspektive mehr als genug Liebe bekommt, scheint es an der Vermarktung des Projektes zu mangeln - was einer gewissen Ironie nicht entbehrt, berücksichtigt man das Fazit dieser Kommentardiskussion, die deutsche Gründerszene sei zu stark von Wirtschaftswissenschaftlern dominiert.

Doch im Falle von Rivva ist es vielleicht genau der BWLer, der fehlt. Das Potenzial ist enorm: Rivva könnte Partnerschaften mit etablierten Medienanbietern eingehen, die das unauffällige und doch Mehrwert beisteuernde Widget unter ihre Artikel integrieren. Überhaupt sind verschiedenste, detaillierte blogspezifische Widgets vorstellbar, die jedes Mal zurück zu Rivva verlinken und somit Traffic und Aufmerksamkeit generieren würden. Das Leitmedien-Feature könnte aufgebohrt, aggressiv beworben und als neuer, offizieller Erfolgsmesser sowohl für Verlagshäuser als auch Blogs etabliert werden.

Mit etwas Kreativität ließen sich noch viel mehr Anwendungsbereiche finden. Rivva hat im deutschen Internet das Zeug, ganz groß rauszukommen. Es könnte ernsthafte Konkurrenz für Google News und Burdas neuen Aggregator nachrichten.de werden. Westphal müste dazu lediglich seine Komfortzone "Blogosphäre" verlassen. Womöglich hat er keine Zeit dazu, oder will die Verantwortung für sein "Baby" nicht mit anderen teilen. Das wäre immer noch besser, als wenn er Rivva einstampfen oder auf Sparflamme laufen lassen würde, wie er einmal angekündigt hat.

Thomas Knüwer vom Handelsblatt sieht in Rivva sogar einen Übernahmekandidat für Verlage. Meiner Ansicht nach ist es dazu noch zu früh. Frank Westphal könnte Rivva selbst weiterentwickeln und ausbauen. Sicherlich bräuchte er für eine Professionalisierung des Angebots Hilfe. Und sicherlich würde er diesbezüglich viele Angebote bekommen. Die Frage ist, ob er will. Will er?

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