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18.03.08

Nachrichten-Konkurrenz um 20 Uhr: Vielen Dank, Peter

Die "Sat.1 Nachrichten" greifen die heilige Fernsehtante "Tagesschau" an. medienlese.com hat sich die Jungfernsendung angeschaut.

Peter Limbourg (Bild Keystone)
Peter Limbourg: Optisch glaubwürdige Schläfen? (Bild Keystone)

20 Uhr, Tagesschau. Eine Institution. Und an dieser will Sat.1 künftig rütteln. Die "Sat.1 Nachrichten" werden von jetzt 18:30 Uhr auf 20 Uhr verschoben. Wie die "Tagesschau" wird die Informationsleistung des Berliner Privatsenders 15 Minuten in Anspruch nehmen.

Sat.1 nennt zwei Gründe für die News-Offensive: Laut Geschäftsführer Torsten Rossmann sind die Nachrichten um 18:30 Uhr und das folgende Boulevard-Magazin hinderlich für die Quote. Die bis 18 Uhr 30 aufgebauten Marktanteile beim werberelevanten Publikum (9,2 Prozent im Februar) sinken um bis zu zwei Prozent, sobald die Information kommt.

 

Statt auf Sprecher, wie im Ersten, wird auf Anchorman Peter Limbourg gesetzt. Der 47-jährige Journalist, Chefredakteur des zum ProSiebenSat1-Konzern gehörenden Newskanals N24, meisterte seine ersten Sat.1-News souverän. Kein Wunder: Optisch die Glaubwürdigkeit der grauen Schläfen, faltisch die Erfahrung vieler Jahre innenpolitischer Berichterstattung, die Gewissheit, dass er als Redaktionsleiter ernstzunehmende Information liefert. Da werden die Korrespondenten auch locker geduzt: "Tja, vielen Dank, Dietmar", heißt es nach der Schalte aus Berlin. Man kennt sich.

Sat.1 Nachrichten
Aufgemotztes Tagesschau-Studio (Screenshot)

Man gibt sich generell global: Gleich zwei Schalten hintereinander (aus Berlin und Jerusalem) und ein virtuelles Studio mit rotierendem Globus auf dem Greenwall. Kleckern will man bei Sat.1 anscheinend nicht.

Der Themenmix ist nicht öffentlich-rechtlich hochgestochen, aber angemessen. Die Meldungen des Tages: Finanzkrise, Ausschreitungen in Tibet, Merkel-Besuch in Israel, Schwarz-Grüne-Koalition, Unruhen im Kosovo. Ein bisschen Gossip ist gut für die Quote: Deswegen auch noch Paul McCartneys Scheidung von Heather Mills.

Ein Zugeständnis ans Privatfernsehen gibt's dann doch noch: Der Rosenkrieg liefert Limborg die Vorlage für eine Programmankündigung, im Anschluss lief die Schmonzette "Pretty Woman". Ob ein gestandener Journalist die Quotentrommel rühren und für den erwünschten "audience flow" sorgen muss, sei mal dahingestellt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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