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10.04.13

Nach langen Verhandlungen: Zattoo und RTL einigen sich in Deutschland

Mehrere Jahre wurde verhandelt. Jetzt konnten sich Zattoo und die RTL Gruppe einigen: Ab Sommer werden sich die Sender des Medienkonzens live über den TV-Dienst streamen lassen - allerdings nur für zahlende Nutzer.

ZattooWährend sich das US-amerikanische Zattoo-Pendant Aereo wie beschrieben dem geballten Hass der dortigen TV-Branche ausgesetzt sieht, läuft es für das "Vorbild" deutlich besser. Als Zattoo-Manager Jörg Meyer im Interview zu Jahresbeginn ankündigte, in Deutschland 2013 richtig Gas geben zu wollen, hätte es sich dabei auch lediglich um eine leere PR-Floskel handeln können. Doch heute beweist das Schweizer Unternehmen, den großen Worten Taten folgen zu lassen: Ab Sommer wird der Dienst, der das Streaming von linearen TV-Kanälen erlaubt, auch hierzulande die Programme der Mediengruppe RTL anbieten können. Im Gegensatz zur Schweiz glänzte das deutsche Zattoo-Angebot bisher mit der Abwesenheit der zwei wichtigsten Privatsenderketten RTL und ProSiebenSat.1. Bei beiden sorgten lange Zeit Bedenken darüber, die Kontrolle über die Contentdistribution an einen Webanbieter zu übergeben, der noch dazu eigene Werbeschaltungen im Umfeld des Programms einblendet, für ein ausbleibendes Zustandekommen einer Vereinbarung mit Zattoo.

Mehrere Jahre lang verhandelten die Schweizer mit den zwei deutschen Medienkonzernen. ProSiebenSat.1 ziert sich noch immer, doch RTL hat man nun dem Anschein nach von den Vorzügen überzeugen können. Zur Jahresmitte werden die Live-Programme von RTL, VOX, n-tv, RTL NITRO, SUPER RTL und RTL II über Zattoo abrufbar sein.

Ganz ohne Einschränkung geht es jedoch nicht: Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Kanälen ist zum Empfang des RTL-Programms ein kostenpflichtiges Zattoo HiQ Paket notwendig. Dieses schlägt mit 3,75 Euro pro Monat zu Buche und zeichnet sich durch eine bessere Bildqualität sowie das Fehlen von durch Zattoo eingestreuten Anzeigen beim Umschalten aus. Letzterer Aspekt wird eine entscheidende Rolle für RTL gespielt haben. So kann es seinen Werbekunden garantieren, dass ihre Botschaften bei der Distribution über Zattoo nicht von "fremden" Anzeigen flankiert werden.

Es mag aus Sicht von Zattoo schade sein, die RTL-Programme kostenlosen Nutzern nicht zugänglich machen zu dürfen. Auf der anderen Seite könnte die Neuerung dabei helfen, die Konversion von Free- in Paid-User zu verbessern. Parallel verändert sich auch Zattoos Verhandlungsposition gegenüber ProSiebenSat.1. Denn in Unterhaching ist man plötzlich der Außeinseiter, der seinen Zuschauern und Werbekunden die neuen Möglichkeiten der Webdistribution vorenthält. RTL an Bord geholt zu haben, erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, das ProSiebenSat.1. nachziehen wird.

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