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26.11.08

Musikindustrie in Bedrängnis: Songbeat launcht Version 2.0

Songbeat, ein Desktop-Tool zum kostenlosen Musikdownload, hat heute eine komplett überarbeitete Version seiner Software veröffentlicht - eine Kampfansage an die Musikindustrie, der man aber gleichzeitig eine Zusammenarbeit anbietet.

Songbeat ist eine nette kleine Desktop-Software zum Downloaden von Musik aus dem Netz, die wir euch Anfang Januar zum ersten Mal vorgestellt haben. Das Windows-Tool landete auch in unserer Liste von zehn Webdiensten aus Europa, die die Musiklandschaft verändern. Wie als Bestätigung dieser "Auszeichnung" hat Songbeat heute eine komplett überarbeitete Version veröffentlicht, die mit einer Reihe neuer, cleverer Funktionen aufwartet.

Der ab sofort zum kostenlosen Download verfügbare Songbeat Player V2 ermöglicht Musikfreunden wie bisher, über das Eingabefeld nach Songs und Interpreten zu suchen, Titel zu streamen oder auf die Festplatte zu laden. Griff Songbeat dafür bisher lediglich auf den Index der populären Musiksuchmaschine SeeqPod zu, findet der heute veröffentlichte Client Titel auch via Project Playlist, SpoolFM , BooMP3 und Mp3gle.

Songbeat PlayerVerbessert wurde die Darstellung der Suchergebnisse, die sich nun gruppieren und filtern lassen. Neu ist zudem eine Library-Funktion, in der sämtliche mit Songbeat gestreamten/ heruntergeladenen Titel verwaltet und von dort direkt auf eine CD gebrannt werden können.

Wer nicht richtig weiß, was er gerade hören will, sollte sich die Mixtape-Funktion näher anschauen. Mit Hilfe vordefinierter Genre- und Interpreten-Listen erlaubt diese mit einem Klick das Herunterladen einer bunten Mischung unterschiedlichster Titel.

Mit Sicherheit großen Anklang finden wird Songbeats frische Integration von Last.fm. Unter dem Menüpunkt "Station" kann man im Eingabefeld den Namen eines Interpreten eingeben, dessen Last.fm-Radiostation man anhören möchte. Das Besondere daran: Über die Recording-Funktion lassen sich alle gespielten Titel aufnehmen.

Songbeat erkennt automatisch Beginn und Ende eines Tracks, vergibt einen korrekten Dateinamen und trägt die Informationen zum Stück in den ID3-Tag ein (sofern verfügbar, sogar mit Songtext und Albumcover). Überraschenderweise funktioniert das sogar dann, wenn man sich erst zur Mitte des gespielten Liedes für eine Aufnahme entscheidet: Anschließend findet man den vollständigen Track auf seiner Festplatte vor.

Während all diese Features den Musik-Managern Kopfschmerzen bereiten dürften, zeigen die Songbeat-Macher mit der Discovery-Funktion, dass sie doch über ein geringes Maß an Kompromissbereitschaft verfügen. Der Menüpunkt Discovery führt User auf eine Seite mit aggregierten Informationen und weiterführenden Links zum gerade gesuchten bzw. angehörten Interpreten, z.B. Fotos und Cover, einen Anriss des entsprechenden Wikipedia-Artikels, eine Diskografie mit direkter Bestellmöglichkeit von Releases über iTunes und Amazon sowie Ticket- und Merchandising-Angebote. In unserer Testversion präsentierten sich die Discovery-Seiten allerdings noch recht unvollständig und unfertig.

Nicht die ganze Hand, aber zumindest einen kleinen Finger möchte Songbeat Bands und Labels auch reichen, indem es auf der Startseite des Songbeat-Players Raum für Promotion-Zwecke geschaffen hat, z.B. für die Bekanntmachung von Konzerten.

Parallel zur Veröffentlichung der neuen Software lässt Songbeat, dass aus nachvollziehbaren Gründen bisher um Anonymität bemüht war, die Hüllen fallen: Aus der Songbeat Ltd. wird die Songbeat GmbH mit Sitz in Berlin, wo sich mittlerweile innovative Musikanbieter dicht an dicht drängen. Das Unternehmen, das eigenfinanziert ist und sein Stammkapital für die Gründung der GmbH aus den Erlösen der Premium-Accounts gewonnen hat, setzt auch in der neuen Version auf ein Freemium-Modell: Das Herunterladen des Programmes und das Streaming sind kostenfrei. Wer mehr als 25 Titel auf der Festplatte speichern möchte, muss für unbegrenzten Download-Genuss einmalig 19,99 Euro bezahlen.

Fazit

Songbeat wird es mit der zweiten Version seines Dienstes nicht schwer haben, schnell viele neue Fans zu gewinnen - wer freut sich nicht über eine Möglichkeit, bequem und ohne Risiko seine Wunschmusik gratis anzuhören und herunterladen zu können. Auch wenn man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut - verbesserungswürdig ist der eigentliche Player für das Abspielen von Musik. Dieser ist zu minimal geraten, selbst grundlegende Steuerelemente z.B. zum Vorspulen oder wiederholten Anhören eines Titels fehlen. Hilfreich wären auch bessere Erklärungen einzelner Schaltflächen und Optionen, deren Effekte man derzeit nur durch Ausprobieren in Erfahrung bringen kann.

Ich warte gespannt darauf, wie die Musikbranche auf Songbeats fortgeschrittene Werkzeuge zum kostenlosen Download von urheberrechtlich geschützten Werken reagieren wird. Die beiden Songbeat-Gründer Philip Eggersglüß und Marco Rydmann sind der Ansicht, dass sich die Zukunft der Musikdistribution grundlegend ändern wird: "Künstler, Labels, Fans und Unternehmen wie Songbeat werden in der Zukunft eng zusammenarbeiten, um die besten Ergebnisse für jeden Beteiligten zu erhalten", schreiben sie auf ihrer Site.

Wir haben 50 Premium-Zugänge für Songbeat! Wer Interesse hat, hinterlässt einen entsprechenden Kommentar unter Angabe seiner E-Mail-Adresse im dafür vorgesehenen Feld.

Update: Die Premium-Zugänge sind weg.

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