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11.10.08

Musikerplattform SoundCloud startet und stößt Beta-Tester vor den Kopf

SoundCloud, eine Plattform, die Musiker über ihre Produktionen mit Musikfreunden zusammenbringt, hat die geschlossene Beta-Phase verlassen und ist nun für jeden zugänglich. Obwohl sich der Dienst von einer sehr guten Seite zeigt, bleibt für bisherige Beta-Tester ein bitterer Nachgeschmack.

SoundCloud, eine Site, auf der Musiker und Labels ihre Produktionen vorstellen und mit ihren Fans in Kontakt treten können, ist seit Freitag für jeden zugänglich. Viele Monate war der Dienst nur als geschlossene Beta-Version verfügbar. Wir haben SoundCloud im Januar zum ersten Mal vorgestellt. Der aus Berlin stammende, von einer Gruppe musikverrückter Schweden gegründete Service besticht vor allem durch sein attraktives, verspieltes Design und verschiedenste, innovative Funktionen.

Bei SoundCloud können Künstler oder Plattenfirmen Titel hochladen. User, die lediglich zum Musikhören da sind, können die Produktionen anhören und kommentieren - sekundengenau, was direktes Feedback zu einzelnen Elementen des jeweiligen Stückes erlaubt. Nutzer haben die Möglichkeit, einander zu folgen, um über neue Tracks informiert zu werden. Sofern vom Interpreten zugelassen, kann man Songs auf externen Seiten integrieren oder herunterladen. Zudem lassen sich mit SoundCloud von anderen empfohlene Tracks empfangen - auch von Nicht-Mitgliedern.

SoundCloud Nutzerseite

Das Team hinter SoundCloud will die Site zu einer Plattform machen, auf der Musiker über ihre Produktionen mit bestehenden und potenziellen Fans in Kontakt kommen. Das Geschäftsmodell soll dem Rechnung tragen: Mit dem Launch lanciert SoundCloud vier unterschiedliche Account-Typen, einer kostenfrei und drei kostenpflichtig. Einschränkungen bezüglich des Anhörens von Titeln gibt es bei keinem der vier Pakete. Die Abstufungen in der Anwendbarkeit betreffen nur das Veröffentlichen von Songs.

Mitglieder mit dem kostenfreien Paket können pro Monat maximal fünf Musikstücke (mit unbegrenzter Länge) hochladen. Bei PRO Light sind es 15, bei PRO Standard 50 und bei PRO Max (59 Euro monatlich) unbegrenzt viele. Hinzu kommen bei den günstigeren Accounts einige weitere Begrenzungen in der Funktionsvielfalt.

SoundCloud setzt mit dem gewählten Freemium-Modell ein klares Zeichen: Man will nicht, dass Nutzer haufenweise Musikdateien aus der eigenen MP3-Sammlung hochladen und SoundCloud als Storage-Dienst verwenden. Lediglich Musiker und Labels werden bereit sein, bis zu 59 Euro pro Monat zu zahlen, um ohne Begrenzungen hochladen zu können. Im Gegensatz zu den meisten anderen Webangeboten sind bei SoundCloud übrigens auch die Gratisaccounts vorläufig werbefrei.

Innovative Features, tolles Design und ein vernünftiges, von den Launen des Werbemarktes unabhängiges Geschäftsmodell. Klingt so, als wäre alles perfekt. Fast! Einen kleinen Schnitzer erlaubt sich SoundCloud mit seinem offiziellen Start doch noch, und dieser betrifft ausschließlich Beta-Tester. Diesen wurde in einer Mail zum Launch mitgeteilt, dass ihr bisher im Prinzip unbegrenzter Beta-Account als Dank für das Testen drei Monte lang in einen PRO Standard-Account umgewandelt wird. Das ist schön, doch was passiert danach? Ab dann muss man sich ebenfalls mit einem Gratis-Konto begnügen, inklusive aller damit verbundener Einschränkungen.

Es ist das gute Recht von SoundCloud, Beta-Tester nach einer Übergangszeit zu dem zu machen, was sie sind, nämlich nicht zahlende Mitglieder. Doch ist es auch taktisch klug? Ich glaube nicht. Es sind die Beta-Tester, die über den Service gebloggt, Freunden davon erzählt und Einladungen verschickt haben. Sie haben SoundCloud ins Gespräch gebracht und ihren Anteil daran, dass der Service nun offiziell starten kann. Den Testnutzern die Freiheiten in der Anwendung zu nehmen, an die sie sich schon gewöhnt haben, scheint mir nicht wirklich durchdacht. Zumal Datentraffic heute fast nichts mehr kostet.

Vielleicht ist es angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen der richtige Schritt, schnellstmöglich viele User zu zahlenden Nutzern machen zu wollen. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt dennoch. Auch angesichts der Tatsache, dass es anders geht: Der Cloud-Hosting-Service DropBox (unser Review) zum Beispiel bietet Neunutzern kostenlos einen Gigabyte an Speicherplatz. User, die schon in der Beta dabei waren, können jedoch für immer ihre fünf bzw. zwei Gigabyte behalten.

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