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06.11.12

Musik, Orte, Personen: Warum Lifelogging mit Bildern erst der Anfang ist

Persönliche Minikameras sollen unser ganzes Leben in Bildern festhalten. Denkt man diese Idee weiter, entsteht der Wunsch nach einem Tool, das noch weit mehr aus unserem Alltag mitschneidet, etwa Musik, Orte und Personen.

Persönliche Minikameras, die unser Leben automatisch in Bildern festhalten, schicken sich an, einen neuen Trend einzuläuten. "Lifelogging" über Bilder könnte zum neuen Volkssport werden. Doch unser Leben besteht aus viel mehr als nur Bildern. Ein Gadget, das alle unsere Erinnerungen für uns festhält, sollte noch weit vielseitiger sein.

Kürzlich war ich auf einer Veranstaltung in München. Während ich mich mit einigen der Gäste unterhielt, lief im Hintergrund Musik, die mir gut gefiel. Überlicherweise zücke ich in solchen Situationen einfach mein Smartphone, starte Shazam oder Soundhound und lasse die Apps den Song erkennen. Praktiziere ich dies im Privatleben, habe ich die Erfahrung gemacht, dass meine Gesprächspartner darauf eigentlich sehr wohlwollend und interessiert reagieren. Allein, in manchen Gelegenheiten ist es einfach unangebracht, das Gespräch für 30 Sekunden zu unterbrechen, um das Smartphone herauszkramen, die App zu starten und den Song erkennen zu lassen. Was wäre, wenn es ein Gadget gäbe, das diese Aufgabe selbsttätig übernimmt, ständig, immer wenn es selbst Musik wahrnimmt?

Neue Leute kennenlernen

Wir nehmen tagtäglich abertausende Eindrücke auf, wenn wir durch eine Stadt spazieren. Viele Botschaften speichern wir unbewusst, andere nur kurzzeitig und vieles registrieren wir nicht, weil es sich nicht direkt vor unseren Augen befindet, sondern in der näheren Umgebung, oder weil es in der Masse der Eindrücke untergeht. Ein leistungsfähiges Gadget, das man sich – wie Memoto – an die Jacke steckt, hätte dieses Problem nicht. Es könnte alle Eindrücke mitschneiden und uns abends in einem Tagesprotokoll die Ergebnisse präsentieren. Welche Musik haben sie in den Kaufhäusern oder Bars gespielt, in denen ich unterwegs war? Welche Museen, Sehenswürdigkeiten, Livekonzerte gab es in der Umgebung, von denen ich gar nichts wusste? Welche Geschäfte in der Nähe haben Artikel vorrätig, die ich auf einer elektronischen Wunschliste hinterlegt habe? Welchen Menschen bin ich im Laufe des Tages begegnet? Welchen sogar mehrmals? Wer besuchte die gleichen Orte, Veranstaltungen oder mochte die gleiche Art von Musik? Wer hat ähnliche Interessen und wen sollte ich vielleicht einmal persönlich kennenlernen? Fragen, die ein GPS- und 4G-fähiges Gadget beantworten könnte – wenn viele Menschen ein solches benutzen.

Passivität ist der Schlüssel

Es gab in den vergangenen Jahren zahlreiche Versuche, Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft zusammen zu bringen. Aka-aki wollte ein Alarm sein, der sich meldet, wenn Freunde in der Nähe sind. Uberlife und Highlight wollen zeigen, wer sich in der unmittelbaren Umgebung befindet. Nextdoor, Niriu  oder  Spreet wollen Menschen in der Nähe über gleiche Interessen zueinander bringen. Richtig erfolgreich war bislang keines dieser Projekte. Aka-aki etwa hat inzwischen das Handtuch geworfen.

Ein Problem dürfte sein, dass für die Nutzung der oft ressourcenhungrigen Tools jeweils ein Smartphone nötig ist. Ein anderes, dass die Nutzer die Apps installieren und aktiv benutzen müssen. Läuft die Anwendung passiv komplett ohne das Zutun des Nutzers, könnte sich hier eine ganz neue Chance ergeben. Was es dazu bräuchte, wäre ein ansteckbares Gadget, ähnlich wie Memoto oder der alte iPod shuffle mit Trageclip. Eine Art Dauertracking von Musik und GPS-Daten wäre im Zeitalter leistungsfähiger, mobiler Mehrkernprozessoren und LTE eigentlich kein Problem mehr - Apps wie Googles LatitudeGlympse & Geoloqi praktizieren dies mit Standorten bereits. Ein starker Akku wäre da die größere Herausforderung, da ein solches Gerät praktisch den ganzen Tag über arbeiten muss. Aktuelle Smartphones mit Mehrkernprozessor könnten im Prinzip das Gleiche leisten. Doch auch hier sind vor allem Akkus das Problem, die schon heute bei den meisten Mobiltelefonen und selbst sporadischer Nutzung über den Tag verteilt an ihre Grenzen stoßen. Der Vorteil eines separaten Gadgets liegt außerdem in der Handhabung: Gerade das Lifelogging mit Bildern ist nur in Form eines kleinen Ansteckers praktikabel, den man an der Jacke oder um den Hals trägt.

Natürlich muss hierbei die Frage nach dem Datenschutz gestellt werden. Memoto reagierte bereits auf mögliche Bedenken und bittet darum, die Foto-Aufzeichnung auszusetzen, wenn der Gesprächspartner das nicht wünscht oder die Situation unpassend ist. Abseits der Fotografie erscheint das Problem allerdings erstaunlich klein. Das Mitschneiden von Musik, der Abgleich mit Geodaten, das Vernetzen mit Profilen anderer Teilnehmer, die dafür ihre Zustimmung gegeben haben – allesamt keine Funktionen, die dem Datenschutz zuwider laufen. Ich fände ein solches Gadget sehr interessant und ich gehe auch davon aus, dass wir in gar nicht all zu ferner Zukunft erste Ansätze in der Richtung sehen werden. Und ihr?

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