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14.10.14

Mundpropaganda: RewardMe will Brücke zwischen Geschäften und dem Netz schlagen

Das Göttinger Startup RewardMe gibt Betreibern stationärer Geschäfte sowie Gastronomen die Möglichkeit, Kunden zu Empfehlungen im sozialen Netz zu animieren und anschließend den Erfolg ihrer Kampagne zu messen. Für Onlinehändler ist das natürlich nichts Neues.

RewardMe Rund 15 Jahre des ernstzun ehmenden Onlinehandels haben dazu geführt, dass Händler heute auf eine Vielzahl von Tracking-Technologien und Affiliate-Modellen Zugriff haben, um die von ihren Kunden im Netz verbreiteten Empfehlungen und Meinungen überwachen und beeinflussen zu können. Allein Amazons bekanntes Affiliate-Programm dürfte hunderttausende Mitglieder haben, die auf ihren Websites und Blogs auf Produkte des E-Commerce-Riesen verweisen und für erfolgreiche Vermittlungen Provisionen einstreichen. Im stationären Handel allerdings sind den Akteuren aufgrund des Medienbruchs weitgehend die Hände gebunden. Inwieweit Kunden ihren Shoppingbesuch oder ihre Schnäppchen so toll finden, dass sie davon ihren Freunden berichten, liegt weitgehend außerhalb des Einflussbereichs der Händler. Das Göttinger Startup RewardMe hält diesen Zustand für verbesserungswürdig und hat einen entsprechenden Lösungsvorschlag. 

Bei RewardMe handelt es sich um ein eigentlich sehr simples System, um Kunden im stationären Handel dazu zu bringen, ihren Kontakten im Social Web von ihrer Einkaufstour und einem bestimmten Laden zu berichten. Dazu bieten die bei RewardMe partizipierenden Händler Rabatte oder Gutscheine an, wenn Kunden ein vorgegebenes Status-Update samt eines Links bei Facebook veröffentlichen.

Die Umsetzung eines solchen Systems ist nicht sonderlich kompliziert: RewardMe-Händler legen über ihren Mitgliederzugang eine entsprechende Kampagne an und platzieren einen von dem Startup bereitgestellten oder eigenhändig kreierten Aufsteller mit einem abgedruckten QR-Code gut sichtbar im Kassenbereich. Nutzer mit der RewardMe-App für iOS und Android scannen den Code, veröffentlichen die jeweilige Geschäftsempfehlung bei Facebook und zeigen dem Kassenpersonal anschließend den auf dem Display erscheinenden Gutschein.

"Tausender-Empfehlungs-Preis" liegt bei vier Euro

rewardme250Partizipierenden Händlern liefert RewardMe im Mitgliederbereich Echtzeit-Statistiken über die Zahl der generierten Empfehlungen und einige damit verbundene Metriken. Über die Preise machen die Göttinger keine allgemeinen Aussagen, es handele sich um für jedes Geschäft angepasste Konditionen. Als Richtwert führt das Unternehmen jedoch einen “Tausender-Empfehlungs-Preis” in Höhe von vier Euro an. Das heißt, dass für 1.000 Facebook-Nutzer, die mit über RewardMe generierten Empfehlungen erreicht werden können, vom Händler im Durchschnitt vier Euro an das Startup gezahlt werden. Zu bedenken ist bei diesem Wert allerdings, dass RewardMe jeden Kontakt eines Facebook-Nutzers als eine Empfehlung rechnet - ungeachtet von der Tatsache, ob dieser Kontakt den jeweiligen Facebook-Eintrag überhaupt gesehen wird.

Über 400 Geschäfte sind laut Aussage des von Björn Freimuth, Fabian Piechottka und Daniel Hartmann bereits im Jahr 2011 in einer Göttinger WG gegründeten, jetzt in einem Büro in der Privaten Fachhochschule Göttingen beheimateten Unternehmens bereits an Bord, darunter Filialen der Cineplex-Kinokette, von McDonald’s und Subway.

Konzept nicht ohne Schwächen

Auch wenn RewardMe durch eine simple Lösung eine Brücke zwischen offline und online zu schlagen versucht, besitzt das Prinzip einige offensichtliche Schwächen, die bei der Beurteilung der Erfolgschancen berücksichtigt werden müssen. Abgesehen von der offensichtlichen Hürde, dass Nutzer sich für vollen Funktionsumfang eine weitere App herunterladen müssen (auch wenn RewardMe angibt, dass der Service auch mit herkömmlichen QR-Reader funktioniert), stellt sich die Frage, ob Facebook-Nutzer dankbar darüber sind, wenn ihre Freunde einschlägig bekannte Ketten per Facebook empfehlen. Zusätztlich kann Facebook das Konzept leicht sabotieren, indem es seinen Newsfeed-Algorithmus so verändert, dass Empfehlungen von RewardMe eine geringe Sichtbarkeit erhalten. Das würde dann geschehen, wenn eine signifikante Zahl an Nutzern die entsprechenden Einträge ausblendet und damit dem sozialen Netzwerk ihr Desinteresse signalisiert.

Der stationäre Handel will die Privilegien des E-Commerce

Diese potenziellen Schwächen bedeuten jedoch nicht, dass RewardMe keine Chance hat. Allein die Motivation, Händlern und Gastronomen Werkzeuge an die Hand zu geben, um von Mundpropaganda im virtuellen Raum besser und vor allem messbar zu profitieren, dürfte dem Startup Anhänger und Interessenten einbringen. Und sollte RewardMe eine kritische Masse erreichen, dann würden sich quasi zwangsläufig immer mehr Geschäfte beteiligen, bei denen Weiterempfehlungen von den Facebook-Kontakten tatsächlich als positiv und Mehrwert besitzend aufgefasst werden.

Dass der Dienst in ein oder zwei Jahren noch nach dem gleichen Prinzip abläuft, ist vorstellbar, aber nicht garantiert. Allerdings ging RewardMe in der aktuellen Form bereits vor zwei Jahren ins Netz. Dass sich der Service so lange halten und im Laufe der Zeit auch Angel-Kapital im mittleren sechsstelligen Bereich einsammeln konnte, deutet zumindest auf eine gewisse Strapazier- und Überlebensfähigkeit hin - auch wenn das Wachstum augenscheinlich eher gemächlich vor sich geht.

Sofern RewardMe genau auf die Bedürfnisse der Händler hört und über die weitere Strategie auf Basis der bisher gemachten Erkenntnisse entscheidet, könnte hier ein wichtiger Akteur heranwachsen, der dem stationären Handel zur Seite steht, wenn es darum geht, die Nachteile gegenüber dem Onlineshopping möglichst zu egalisieren. Kein Zweifel besteht nämlich darin: Wenn lokale Geschäfte es könnten, würden sie liebend gerne in Erfahrung bringen, was die Kunden so machen, nachdem sie etwas erworben haben. /mw 

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