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12.07.12

Mobile Daten im Ausland: Plädoyer für hohe Roaming-Kosten

Datentarife sind bei Reisen ins Ausland um ein vielfaches höher als zu Hause. Dies hat durchaus seine guten Seiten.

Es ist für die klassischen Medien jedes Jahr ein gefundenes Fressen, um ein paar Sommerlöcher füllen zu können: Artikel rund um Roaming-Tarife von mobilen Daten in der Urlaubszeit. Die einen klagen, die anderen versuchen Tipps zur Kosteneinsparung zu geben. Die Preise sinken zwar, jedoch nur langsam. EU-intern sind 84 Cent pro Megabyte die neue Höchstgrenze. Wer in der Schweiz beim grössten Provider Swisscom ein Privatkunden-Abo besitzt, bezahlt bei einer Reise nach Deutschland aktuell bis zu 1,16 Euro pro Megabyte . Persönlich finde ich diese hohen Preise toll. Ich hoffe ganz ehrlich, dass dies noch möglichst lange so bleiben wird. Bevor ihr mich für verrückt erklärt, lasst mich erklären, weshalb ich dies so sehe.Roaming-Kosten im Business: Peanuts!

Es gibt zwei Gründe, weshalb sich jemand im Ausland aufhält: Entweder ist dies geschäftlicher Natur, zum Beispiel für Meetings oder Konferenzen, oder dann privat für Urlaub, Verwandtenbesuche und so weiter.

Bei einem geschäftlichen Auslandsaufenthalt sind Roaming-Kosten nebensächlich. Man befindet sich ohnehin oft in Räumlichkeiten, welche über Internetzugang per WiFi verfügen: Hotelzimmer, Konferenzräume, Sitzungszimmer, Flughafengebäude. Der Kostenanteil, welcher für den Internetzugang draufgeht, ist ohnehin nur ein kleiner Teil einer solchen Reise - auch bei anfallenden Roaming-Kosten. Diese Auslagen müssen im Voraus einbudgetiert werden und stellen dann kein Problem dar.

Wer nun denkt, sein Startup oder sonstiges Geschäft könnte sich im Ausland besser verkaufen oder dieser Markt könnte gar erst erobert werden, wenn denn die Preise für die Datenübertragung tiefer wären, macht ohnehin Denkfehler. Wenn das Produkt, das Geschäftsmodell und das ganze Drumherum stimmen, klappt's auch so mit dem Business. Und wenn nicht, scheitert's nicht am Roaming sondern es stehen viel mehr grössere Aufgaben an, um die man sich zuerst im Heimat-Quartier kümmern sollte.

Roaming-Kosten im Privaten: Erholung!

Ist man privat im Ausland unterwegs, dann ist dies in den allermeisten Fällen mit Urlaub oder anderer Absenz vom Arbeitsplatz verbunden. Und wenn wir ehrlich sind, brauchen wir dann ganz einfach nicht ständig online zu sein. Meine Facebook-Freunde schätzen eine sortierte Auswahl von Fotos nach der Rückkehr mehr, als die täglichen spontanen Bilder vom Bier oder Eis am Strand. Was heute auf Twitter geschieht, ist morgen ohnehin kalter Kaffee. Und eine Abwesenheitsmeldung mit allfälligen Notfall-Kontaktdaten lässt sich auch bei privaten Mails wunderbar einrichten.

Ich hab die Erfahrung gemacht, dass die Erholung dann am grössten ist, wenn ich das Handy im Urlaub dort lasse, wo es hingehört: im Safe im Hotelzimmer. Wenn ich es trotzdem mit in die Ausflugstasche packe, um es allenfalls als Fotokamera oder zur kurzen SMS-Absprache mit Mitreisenden zu verwenden, dann sind die mobilen Daten stets ausgeschaltet. Zu gross wäre sonst die Versuchung, doch noch kurz einen Blick auf die geschäftliche Mails zu werfen oder nachzusehen, ob die Vertretung die Facebook-Fanpage auch so gut betreut, wie sie sollte. Sofort ist der Stress spürbar, wenn man in so einem Moment merkt, dass etwas schief läuft oder dass man gebraucht werden könnte - auch wenn das die Kollegen auch selbst wieder hinkriegen.

Hohe Roaming-Kosten sind daher eine willkommene Hürde, damit ich mich an die selbst auferlegte Offline-Pause auch wirklich halte und sich der Geist wirklich mal löst von den Dingen, mit denen ich mich sonst im Alltag immer beschäftige. Zumindest dann, wenn ich ausser Reichweite des Hotel-WiFis bin.

Alles nur eine Frage der Zeit

Ob ich es immer schaffe, mit wirklich konsequent an dieses Vorgehen zu halten? Leider nicht. Als Internet-Entrepreneur ist es nicht ganz einfach, sich wirklich für ein paar Tage oder gar Wochen abzukoppeln. Doch ich nehme es mir jedes Mal wieder vor und ich weiss, dass er mir anschliessend unter dem Strich besser geht, wenn ich in dieser Zeit wirklich abschalte - auch im buchstäblichen Sinne. Es ist auch ein Vertrauensbeweis und eine Reifeprüfung für mein Team, wenn ich bewusst einfach mal weg bin. Am Schluss gewinnt somit sogar die gesamte Firma.

Der Moment, in welchem Roaming-Kosten nur noch geringfügig höher sein werden als die Tarife im Inland, wird kommen. Da sind sich derzeit sogar die sicher, die bisher von Roaming am meisten profitiert haben. Ich hoffe aber, es dauert noch eine ganze Weile.

(Foto: Flickr/dullhunk, CC BY 2.0

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