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09.09.14

Microblogging: Ello, App.net und die Frustration über Twitter

Wie einst das gescheiterte App.net startet der Microbloggingdienst Ello zu einem Zeitpunkt, an dem sich eingefleischte Twitter-Nutzer über die Zukunftspläne des Zwitscherdienstes Sorgen machen. Trotz des guten Timings gibt es somit keinen Grund für Überschwänglichkeit, was Ello angeht. Dennoch lohnt es sich, den Dienst im Auge zu behalten. Schon wegen seines unkonventionellen Geschäftsmodells.

ElloEigentlich gibt es abseits von einer prinzipiellen Neugier für frisch gestartete Services wenig Gründe, sich intensiver mit dem gerade vermehrt in der deutschen Webszene seine Kreise ziehenden, von uns kürzlich kompakt vorgestellten Microblogging-Dienst Ello auseinanderzusetzen. Wäre da nicht das geniale Timing. Denn das im Sommer vom Fahrrad-Unternehmer und Künstler Paul Budnitz und einigen Weggefährten gestartete soziale Netzwerk, das in seinen Grundzügen stark an Twitter erinnert, gerät gerade zu einem Zeitpunkt ins Gespräch, an dem sich Twitter aufgrund der geplanten algorithmischen Timeline-Sortierung und der auf Reichweite um jeden Preis ausgerichteten Strategie erheblicher Kritik ausgesetzt sieht.

Nun darf man nicht den Fehler machen, allein aus dieser Überlappung zweier miteinander in Bezug stehender Ereignisse zu schlussfolgern, dass Ello das neue Zuhause für verprellte Twitter-Nutzer werden und von dieser Basis aus einen kometenhaften Aufstieg vollbringen wird. Das Scheitern von App.net hat gezeigt, dass sich selbst eine aus dem Frust über Twitter ( den gab es nämlich schon 2012 ) speisende, mit viel Aufmerksamkeit bedachte den gab es nämlich schon 2012 nicht einfach so in ein nachhaltig Netzwerkeffekte generierendes soziales Netzwerk ummünzen lässt.

Ello

Dennoch besteht natürlich die Option, dass Ello zumindest in kleinem Maße von der aktuellen Enttäuschung zahlreicher eingefleischter Twitter-User profitieren wird. Zumal eine Sache für den sehr minimalistischen Service spricht: Anders als App.net verzichtet er auf ein initialesBezahl-Modell und damit auf eine Einstiegsbarriere, die App.net von Anfang an im Wege stand.

Parallel schwebt Ello-Macher Budnitz ein Monetarisierungsmodell vor, das für es bei einem Social-Web-Service in dieser Form noch nie gab: Wie das Startup hier erklärt , soll für die Freischaltung einzelner, in Zukunft eingeführter Zusatzfunktionen ein kleiner Geldbetrag verlangt werden. Auf diese Weise möchten die Macher das Angebot auf ein tragfähiges wirtschaftliches Fundament stellen, ohne mit ihren klar und deutlich definierten Grundprinzipien, auf Werbung und Datenhandeln zu verzichten sowie Simplizität in den Mittelpunkt zu stellen, brechen zu müssen.

Ob diese Rechnung aufgeht oder nicht, werden wir erst später erfahren. Es handelt sich aber zweifelsohne um einen kreativen, für einen Social-Web-Dienst ungewöhnlichen Freemium-Ansatz, mit dem ruhig mal experimentiert werden sollte.

Es kann sich also lohnen, Ello zumindest mit einem Auge im Blick zu behalten. Auch wenn es sicherlich keinen Grund zur Euphorie gibt. Denn das ist in der Vergangenheit wie beschrieben nicht nur einmal daneben gegangen (siehe auch Diaspora).

Wir haben zehn Einladungen zu Ello. Wer Interesse hat, hinterlässt einen entsprechenden Kommentar unter Angabe einer validen E-Mail-Adresse im dafür vorgesehenen Feld. Die ersten zehn Nutzer sind dabei. /mw

Update: Die Invites sind weg.

Link: Ello

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