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29.11.08

Medienkrise: Vorauseilender Spar-Gehorsam

Grausamer November: Immer neue Schreckensmeldungen für die von Anzeigenkrise und Wirtschaftsflaute gebeutelte Journalisten – überall wird eingespart und abgebaut.

Die FHM verlässt München: Es spricht ja auch einiges für Berlin (savv, CC-Lizenz)Es ist ohnehin keine einfache Zeit für Verlagshäuser: Leser schauen immer öfter online vorbei und zahlen nichts mehr für Nachrichten, Print-Produkte büßen Auflage ein – gleichzeitig lassen sich die großen Redaktionen aus dem Online-Geschäft nicht finanzieren. Auftritt Wirtschaftskrise: Die Folgen der weltweiten Finanz-Turbulenzen treffen die Verlage, es gibt weniger Anzeigen und weniger Geld, für das nächste Jahr wird keine Besserung erwartet, im Gegenteil. Wie ein Katalysator wirkt in dieser Übergangszeit die Finanzkrise.

Deutliche Worte zur Situation der Medienhäuser in Deutschland findet Götz Hamann in der Zeit: "Die alte Welt ist aus den Fugen. Süddeutsche Zeitung und Financial Times Deutschland , Zeitschriften wie stern und Capital – überall wird gespart, gekürzt, gekündigt." Unsere Übersicht für den November:

Bei der WAZ sind Unternehmensberater im Haus, die Zeitungen schreiben Verluste. Angeblich stehen bis zu 300 von insgesamt 900 Stellen bei dem Essener Verlagshaus auf der Kippe. Der Umfang der WAZ schrumpfte von 48 auf 32 Seiten, es wird über einen Verzicht auf den Bezug der Nachrichtenagentur dpa nachgedacht – insgesamt 30 Millionen Euro sollen gespart werden. Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, Westfälischen Rundschau und Neuen Ruhr/Rhein Zeitung werden künftig von einer Mantelredaktion betreut.

Rigides Sparen auch in Hamburg: Drei Jahre nach dem Start stellt Gruner und Jahr das Gesellschafts-Klatschblatt Park Avenue ein. Die vier Wirtschaftstitel des Verlags werden bis März 2009 in einer gemeinsamen Redaktion gebündelt, die Mitarbeiter von Börse Online (München), Capital und Impulse (beide Köln) sollen sich auf eine Stelle in der neuen Zentralredaktion bewerben. Dort dürfte es allerdings 60 Plätze zu wenig geben. Bisher wurden knapp 150 Mitarbeiter entlassen, berichtet das NDR-Medienmagazin "Zapp" am 26. November.

Beim Süddeutschen Verlag in München sollen 15 Millionen gespart werden, zu gleichen Teilen in Verlag, Vertrieb und Redaktion. Damit sinkt das Redaktionsbudget auf 58 Millionen Euro im Jahr, berichtet Kress. Überzählige Mitarbeiter in Redaktion und redaktionsnahen Bereichen erhalten demnach Abfindungsangebote – so sollen betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden, bei denen durch die Sozialauswahl besonders junge Mitarbeiter das Nachsehen hätten.

Dem Standort München kehrt der Verlag Egmont Cultfish Media den Rücken: Der monatliche Frauentitel Chica wird eingestellt, die FHM zieht zu den Kinder- und Jugendtiteln des Verlags nach Berlin. Mit den beiden noch angestellten Redakteure der Chica wird über eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses verhandelt, andere Verträge laufen aus. Mit den übrigen 33 Münchner Mitarbeiten wird über einen Wechsel nach Berlin gesprochen, berichtet DWDL.de.

Die Verlagsgruppe Holtzbrinck wird das Videoportal WatchBerlin im nächsten Jahr nicht fortführen. Die Seite ist nach offizielle Sprachregelung "auf Eis gelegt". Die Formate laufen aus, den Anfang machen die "WatchBerlin News" Ende November, berichtet Kress. Weitere schlechte Nachrichten aus dem Verlag, zu dem auch Die Zeit und StudiVZ gehört, werden erwartet.

Die Holtzbrinck-Tochter Verlagsgruppe Handelsblatt liegt 20 Millionen unter dem Jahresziel – der Betriebsrat fürchtet Kündigungen. Laut Meedia werden derzeit offene Stellen nicht neu besetzt, Seitenumfänge sollen teilweise reduziert werden. Demnach liegt der Gewinn dieses Jahr bei 4 bis 5 Millionen Euro, die Auflagen von Wirtschaftswoche und Handelsblatt haben sich positiv entwickelt.

Zum Thema auf medienlese.com:

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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