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26.08.14

Mangelware Softwareentwickler: Diese Plattformen helfen Unternehmen beim Recruiting

Die gesamte Startup-Industrie und große Teile der Wirtschaft beklagen sich über die mangelnde Auswahl von Mitarbeitern mit technischem Profil. Vier Online-Portale wollen Web- und Technologiefirmen helfen, Programmierer und andere IT-Experten zu finden.

RecruitingDer Entwickler-Mangel scheint dabei besonders in Europa immer größer zu werden. Mit plumpen Anfragen auf Xing oder LinkedIn lässt sich heutzutage allerdings kein Senior-Softwareentwickler mehr hinterm Ofen hervorlocken, zumal viele gar nicht in diesen Netzwerken registriert sind. Aus Entwickler-Reihen werden aber auch immer wieder Stimmen laut, dass die angebotenen Gehälter und Perspektiven oftmals unattraktiv sind und somit der Wechselwille zu einem neuen Unternehmen wenig ausgeprägt ist.Diverse Online-Plattformen versuchen hier, Abhilfe zu schaffen. Neben internationalen Größen wie AngelList, deren Recruiting-Bereich eine Ergänzung zum eigentlichen Business Angel-Netzwerk ist, gibt es viele Plattformen, die Unternehmen und Startups den Zugang zu hochqualifizierten (Software-) Entwicklern erleichtern möchten. Vier davon sollen im Folgenden vorgestellt werden.

Das Team von Tageau aus Darmstadt, das erst seit Anfang Juni 2014  mit der Webseite online ist, hat sich auf die Fahnen geschrieben, Gründer und Mitunternehmer in ihrem Online-Netzwerk zusammenzubringen. Falls Startups im Anfangsstadium kein Gehalt zahlen können, sollen stattdessen Anteile an die neuen Mitarbeiter verteilt werden. Derzeit sind nach Aussage des Startups ca. 350 Nutzer auf der Plattform registriert, wo man sich mit einem ausführlichen Profil anmeldet und anschließend Zugang zu den anderen Nutzern erhält.

Da Tageau sich noch in der Anfangsphase befindet, kann wenig Aussage über das Geschäftsmodell getroffen werden, welches als Freemium-Modell ausgerichtet werden soll. Die angelegten Profile prüft das Unternehmen derzeit noch von Hand. Auch zukünftig soll streng auf Qualität geachtet werden, um Fake-Profile zu vermeiden. Mittelfristig möchte Tageau einen Rundum-Service inklusive Offline-Events und Support in Gründungs- und Finanzierungsfragen bieten. Der Anmeldeprozess ist einfach, die Usability hat allerdings noch großes Entwicklungspotenzial.

Es bleibt abzuwarten, ob Tageau das bieten wird, was Nutzer und Startups zur Mitarbeiterrekrutierung brauchen. Das Netzwerk wird für alle Beteiligten erst dann interessant, wenn die Community eine kritische Größe erreicht hat und genügend Nutzer vorhanden sind; gerade mit technischem Hintergrund.

Die US-amerikanische Plattform Hired setzt auf die eBay-Methode: Unternehmen müssen hier für die Entwickler bieten. Die eine Woche andauernden Auktionen bescheren den Entwicklern attraktive Angebote, aus denen sie sich dann die aussuchen, wohin sie zum Jobinterview gehen möchten. Nach Matt Mickiewicz, einem der Gründer der Recruiting-Plattform, stellen sich 90 Prozent der Unternehmen ungeschickt beim Rekrutieren neuer Mitarbeiter an. Noch hoffnungsloser schätzt er die Situation bei jungen Unternehmen und Erstgründern ein.

Nach Aussagen auf der Webseite wurden bereits Angebote im Gegenwert von mehr als drei Milliarden US-Dollar von 1.164 Unternehmen unterbreitet und 82 Prozent der Teilnehmer erhielten generell ein Angebot. Davon nahmen wiederum 40 Prozent das Angebot zum Interview an. Die sehr transparente Plattform schmückt sich mit der Aussage, dass die Nutzung für Unternehmen weniger Kosten verursacht, als eine Recruiting-Agentur. Nur fünf Prozent der Bewerbungen von arbeitswilligen Entwicklern werden allerdings auf Hired zugelassen, um die Qualität hoch zu halten.

Als Sourcing-Plattformen spezialisiert auf Software-Entwickler sind die US-amerikanischen Plattformen Gild und Sourcing.io.

Gild nutzt einen Algorithmus, der in auf Entwickler spezialisierten Netzwerken wie Github und Stackoverflow von den betreffenden Personen hinterlegten und geschriebenen Code hinsichtlich Qualität analysiert. So sollen die Fähigkeiten und die Erfahrungen der Entwickler bewertet werden. Außerdem werden deren „Spuren“ in bis zu 80 sozialen Netzwerken zu Rate gezogenen. Ziel des Services ist es nach eigener Aussage, Firmen zu helfen, Entwickler besser und schneller zu rekrutieren. Die Kosten der angebotenen Dienstleistung werden allerdings nicht transparent auf der Webseite kommuniziert, sondern müssen beim Sales-Team individuell angefragt werden. Zudem fokussiert sich der Service bisher nur auf einige US-amerikanische Großstädte. Die Webseite bietet neben dem eigentlichen Sourcing-Service außerdem viele fachlich relevante Ressourcen zum Thema Recruiting.

Sourcing.io dagegen bietet volle Transparenz in puncto Kosten. Ein Professional Account beginnt bei 65 US-Dollar pro Monat für einen Recruiter. Auch Sourcing.io nutzt einen Algorithmus, der Entwickler nach ihren Github- Beiträgen bewertet sowie der Größe ihres Netzwerks und ein paar weiteren Indikatoren, die nicht genau definiert werden. Als herausstechendes Merkmal findet der Dienst schon bestehende Kontakte zweiten oder dritten Grades des Recruiters, sodass diese persönlich oder über bestehende Teammitglieder kontaktiert werden können. Die Plattform brüstet sich mit bereits vier Millionen Entwicklern in ihrem Netzwerk.

Neben der Nutzung dieser Recruiting-Services rekrutieren Unternehmen Mitarbeiter auch oft über „Vitamin B“ über die Kontakte ihrer Mitarbeiter. Als Unternehmen lohnt es sich, den bestehenden Mitarbeitern ein attraktives Gehalt und Arbeitsumfeld zu bieten, damit diese als Botschafter die positive Erfahrung in ihrem jeweiligen Netzwerk weitertragen.

Foto: Interior of a modern conference room, Shutterstock

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