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22.04.08

Männer und ihre Messer

Wer braucht schon Style, wenn er ein Messer hat? Das neue Magazin Gear pflegt ein rustikales Männerbild und feiert die passenden Ausrüstungsgegenstände.

Gear-CoverLifestyle-Magazine tun sich derzeit schwer am Kiosk. Was liegt also näher, als etwas ohne Style zu machen? Ohne trendigen Zeitgeist, ohne Bioheme und Lohas? Ohne die allgegenwärtige Ironie?

Gear ist die erste Männerzeitschrift jenseits von Sex, Muskeln, Mode und Lifestyle. Wir beschäftigen uns stattdessen mit den Dingen, die uns Männern wirklich wichtig sind: Dingen, die wir gerne mit uns und an uns herumtragen.

Es wäre sehr einfach, an diesem Magazin herumzumäkeln. Wegen der Fotos, die entweder PR-Material sind oder wie Schnapschüsse aus dem Urlaub aussehen. Oder weil jeder zweite Text um Messer, Multitools und Taschenlampen geht und damit der thematische Aktionsradius etwas, nun ja, dünn abgesteckt ist.

Weil das Thema ?Natural Born Golfers? vor ein paar Jahren aktuell war, der Text in Gear wenig Neues erzählt und die Fotos zur Geschichte nur aus dem schon angestaubten Buch zur Bewegung kommen.

Weil der Film ?I am legend? mit Will Smith, dessen Gadget-Ausstattung beschrieben wird, bereits im Januar im Kino lief. Immerhin wird auf die anstehende DVD-Veröffentlichung hingewiesen.

Gear zeigt viele, viele MesserWeil der Hype um die Serie ?24? mit Gadget-Liebhaber Jack Bauer spätestens durch ist, seitdem Ulrich Wickert vor einem Jahr in der Bild-Zeitung der Serie seine heiße Liebe gestanden hat.

Weil der echte Kommissar, der im Heft seine Gadgets, Tools und seinen Klappspaten zeigt, zwar eine nette Idee ist – aber nach Will Smith und Jack Bauer ist das nur der dritte Aufguss der immer gleichen Idee. Was soll da noch kommen? Feuerwehrmänner und ihre Klappspaten? Pfadfinder und ihre Klappspaten? Rot-Kreuz-Helfer und ihre Klappspaten?

Weil im Rucksack-Test immer nur ein schwaches, altes iBook im Ränzerl steckt und kein brutal-männliches, schwarzes, starkes Power-Notebook mit Ersatzakku und blauer Unterbodenbeleuchtung.

Oder weil nicht nur die Geschichten alt wirken, sondern auch das Layout mit seinem fiesen Standard-Schlagschatten unter den Überschriften.

Nein.

Das wär zu einfach. Stattdessen freue ich mich schon auf die zweite Ausgabe Gear. Weil mit Taschenlampen, Uhren, GPS-Geräten und jeder Menge Messer noch längst nicht alles beschrieben ist, was Mann bei sich tragen kann. (Es fehlen mindestens noch Angeln, Uhren, Werkzeugkoffer, Kugelschreiber und Trillerpfeifen.)

Das hier ist kein Hochglanz-Carporn, das hier ist ein verdammt guter JeepStattdessen soll hier außerdem die Arbeit gelobt werden, die ein kleiner Verlag mit wenig Leuten mutig in das Projekt gesteckt hat.

Stattdessen soll auf den hervorragenden Auto-Test hingewiesen werden, der eben nicht den neuen Audi Q5 bejubelt, sondern ein echtes, kantiges Arbeitsgerät.

Mit dem Kauf dieser Erstausgabe haben Sie auf jeden Fall schon einmal dazu beigetragen, dass Gear regelmäßig erscheinen wird.

Einmal? Männer! Haltet zusammen! Auf in den Kiosk und noch viel mehr Exemplare kaufen. Und Messer. Die Welt wird eine bessere sein.


Gear liegt seit Freitag am Kiosk, hat 100 Seiten und kostet fünf Euro

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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