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16.12.13

LeWeb 2013: Treffen der Etablierten

Vergangene Woche fand in Paris eine der größten und ältesten Tech-Konferenzen Europas statt: Die LeWeb feierte in der französischen Hauptstadt ihren zehnten Geburtstag. Es war vor allem ein Treffen der Etablierten.

LeWeb Paris 2013Unter dem Leitmotto „The next 10 years in tech“ hatte sich die die LeWeb-Konferenz in Paris einiges vorgenommen. Neben Größen der Tech- und Internetbranche wie Guy Kawasaki, Tony Faddell von Nest Labs, Brian Solis von Altimeter, David Marcus von Paypal und Gary Vaynerchuk kamen auch Arnaud Montebourg, der französische Minister für industriellen Aufschwung, und Fleur Pellerin, Ministerin für kleine und mittelständische Unternehmen, Innovation und Digitale Wirtschaft.

Inhaltlich versprach die LeWeb vieles, konnte es aber nur in Teilen halten. Anstatt sich mit den möglichen Trends der nächsten zehn Jahre auseinander zu setzen, ließ man die Vergangenheit Revue passieren lassen und bereits bekannte Themen wie Internet of Things, Health Care, 3D-Druck und Bitcoin diskutieren. Das allerseits bekannte Mantra, dass Unternehmen nur mit einer mobilen Strategie erfolgreich sein werden, durfte natürlich auch nicht fehlen. Im Programm stachen für mich persönlich einzig Gary Vaynerchuk und Nick D’Aloisio heraus. Vayncherchuk, der mit Wine Libary TV einen erfolgreichen Video-Podcast über Wein aufbaute und mittlerweile mit VaynerMedia ein Unternehmen mit 300 Mitarbeitern führt, ließ sich nicht lang bitten und brachte in seiner gewohnt direkten und unkonventionellen Art gleich mehrere wichtige Themen auf den Tisch: Entrepreneurship ist derzeit ein hippe Bewegung, die viele Wannabe-Entrepreneure hervorbringt, die zwar unbedingt dabei sein möchten, aber beim geringsten Widerstand zurückschrecken und zurück in ihre gewohnten Corporate Jobs flüchten. Man solle sich darüber im Klaren sein, dass es für ein Instagram mindestens fünf Millionen „Instashits“ gebe und dass der Aufbau eines neuen Unternehmens ein verdammt harter Job sei. Außerdem sprach er davon, dass es bei gutem Marketing nicht darauf ankommt, wie viele Impressions die besagte Website generieren kann, sondern wie viel Aufmerksamkeit und Interaktion mit der Marke von den potenziellen Kunden kommt. Dahingehend ist es unabdingbar, dass man immer erst einmal gibt, bevor man die Kunden um etwas bittet. Beeindruckend war auch die Information, dass Vaynerchuk als CEO immer noch zwei bis vier Stunden pro Tag damit verbringt, Kandidaten auszuwählen und Jobinterviews für VaynerMedia zu führen, um sicherzustellen, dass die eingestellten Mitarbeiter zur Unternehmenskultur passen. Der gesamte Talk ist bereits online abrufbar.

Nick D’Aloisio, 18-jähriger Gründer von Summly, der mobilen App zur Zusammenfassung von Online-Content, die vergangenes Jahr von Yahoo aufgekauft und in deren Produktportfolio integriert wurde, bestach durch seinen Scharfsinn und seine Bescheidenheit. D’Aloisio arbeitet mittlerweile zwar als Produktmanager von Summly bei Yahoo und ist nach eigener Aussage damit sehr zufrieden während er auch noch seinen Schulabschluss vorbereitet. Er hat nach eigener Aussage aber noch Großes vor und sicherlich nicht seine letzte Firma gegründet. Sein Fazit zum Thema Entrepreneurship war, dass wir sehr viel Energie darauf verwenden sollten, das Thema so früh wie möglich jedem näherzubringen, und dass bereits in Schulen auf die Möglichkeiten der eigenen Unternehmensgründung aufmerksam gemacht werden sollte. Daneben sieht D’Aloisio dynamisches und entschlossenes Handeln als wichtigste Eigenschaften eines erfolgreichen Gründers. Nach seiner Darbietung glaubt man ihm direkt, dass er dies mitbringt. Auch dieses bestechende Interview kann man schon online anschauen.

Enttäuschend hingegen war neben der stundenlangen Warteschlange in der Kälte bei der Registrierung auch die Umsetzung der Startup Competition. Fernab vom Haupttrubel in einem Nebengebäude durften sich die jungen Unternehmen der Jury stellen, meist vor einem Publikum mit nur einer Handvoll Zuschauer. Im Finale standen dann drei Startups aus drei verschiedenen Bereichen: Flinja aus den USA bieten eine Plattform an, in deren Rahmen Studierende erste praktische Erfahrungen bei Unternehmen durch Freelancer-Projekte sammeln können. SocialSafe aus Großbritannien ermöglicht es Nutzern, ihre Social Media-Aktivitäten zu kontrollieren, herunterzuladen und einen kompletten Bericht zu erstellen. IntelClinic aus Polen haben eine Schlafmaske entwickelt, die es Nutzern durch die Beobachtung von Hirnströmen erlaubt, weniger aber effizienter zu schlafen. Letzteres Startup konnte den Wettbewerb dann auch für sich entscheiden.

Für einen negativen Nachgeschmack bei vielen Teilnehmern sorgte das Frauen-Panel um LeWeb Co-Founderin Géraldine LeMeur: Zu Beginn konnte sich der Moderator Paul Papadimitrou die Bemerkung nicht verkneifen, dass er wirklich froh sei, dass alle vier anwesenden Frauen hübsch seien. Von da an konnte es nicht mehr viel weiter bergab gehen. Die Twittersphäre explodierte daraufhin, Papadimitrou ging allerdings ausgesprochen offen und kritikfähig mit der geäußerten Missbilligung um. Zu diesem Thema hat die LeWeb leider verpasst, ein positives Exempel zu statuieren. So waren bemerkenswert wenig weibliche Keynote-Speaker vertreten.

Alles im Allem ist die LeWeb vor allem ein Treffen der Graurücken der Tech- und Internetbranche, welches sich vor allem dann lohnt, wenn man bestehende Kontakte pflegen und auffrischen möchte. Zwar war mit einem speziellen Networking-Tool eine vorherige Kontaktaufnahme möglich, vor Ort war es jedoch sehr schwierig, wirklich vertiefend mit neuen Kontakten ins Gespräch zu kommen. Andere europäische Events wie zum Beispiel das Pioneers Festival in Wien oder der Pirate Summit in Köln können meines Erachtens durchaus inhaltlich und in der Umsetzung mit dem Koloss aus der französischen Hauptstadt mithalten.

Foto: Kathleen Fritzsche

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