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02.05.11

Legale Filmplattform expandiert: Voddler bastelt am europäischen Hulu

Die skandinavische Film- und Serienplattform Voddler expandiert nach Spanien und verkündet eine Million User. Ein länderübergreifender europäischer Dienst nach dem Vorbild von Hulu ist am Entstehen.

 

Mitte März untersagte das Bundeskartellamt die von ProSiebenSat.1 und der Mediengruppe RTL Deutschland geplante senderoffene Videoplattform aufgrund kartellrechtlicher Bedenken. Der Traum vom "deutschen Hulu" gelangte damit einmal mehr in weite Ferne. Und obwohl ARD und ZDF erst vor wenigen Tagen ein ähnliches Vorhaben ankündigten , tendiere ich schon länger dazu, eine länderübergreifende Plattform für Europa zu bevorzugen - ganz einfach, weil dies einem vereinigten Europa besser zu Gesicht stünde als viele nationale, vom Rest der Welt abgekapselte Plattformen, die nur in ihren jeweiligen Märkten und in ihrer dortigen Sprache verfügbar sind.

Schon häufiger haben wir einen Blick auf den schwedischen Streamingdienst Voddler geworfen. Vom Konzept her kommt das 2005 in Stockholm gegründete Startup recht nah Hulu heran - Filme, Serien und Dokumentationen können legal und teils kostenfrei im Browser oder über Smartphone-Apps gestreamt werden. Voddler hat Verträge mit zahlreichen namhaften Rechteinhabern geschlossen und bietet sowohl werbefinanzierten, kostenfreien als auch kostenpflichtigen Content (im "Pay per View"-Verfahren).

Anders als bei Hulu existiert keine enge Verbindung zu TV-Sendern. Das zwingt Voddler einerseits nicht dazu, bestimmte Inhalte nach einigen Wochen aus dem Netz zu entfernen, wirkt sich aber gleichzeitig negativ auf die Qualität und Aktualität des angebotenen Film- und Serienmaterials aus. Je mehr User jedoch Zugang zu dem Service erhalten und ihn regelmäßig nutzen, desto attraktiver wird es für Film- und TV-Konzerne, mit ihren Produktionen präsent zu sein (das Henne-Ei-Problem ist offensichtlich).

Deutet man die jüngsten Meldungen aus dem Hause Voddler, scheint es nach einem eher holprigen Start und einem nicht annähernd so glamurösen Aufstieg wie dem von Spotify (Voddler wird wegen seiner skandinavischen Herkunft und seinem P2P-Ansatz auch gerne als "Spotify für Videos" bezeichnet) immer besser zu laufen:

Im Januar konnte eine neue Finanzierungsrunde in Höhe von acht Millionen Dollar bekannt gegeben werden . Vor wenigen Tagen verkündete der bisher in Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland angebotene Dienst dann das Durchbrechen der Marke von einer Million Anwendern und gab den Beta-Launch in Spanien bekannt. Erstmalig betritt das Unternehmen damit ein Land außerhalb des nordischen Marktes. Demnächst sollen zudem Integrationen mit internetfähigen TV-Geräten und Set-Top-Boxen präsentiert werden.

Knapp 4.000 Titel befinden sich mittlerweile im Voddler-Programm, die im Originalton mit Untertiteln gestreamt werden können. 80 Prozent der Inhalte werden durch Werbung finanziert und sind damit kostenfrei (wobei die verbliebenen 20 Prozent des Contents eindeutig den sehenswerteren Teil darstellen).

Voddler wolle die weltweit größte und beste legale Filmdatenbank aufbauen, so verlautete es im vergangen Jahr vom damaligen Voddler CEO Zoran Slavic - ein Ziel, das ambitionierter kaum sein könnte. Mit der Expansion auf die iberische Halbinsel unterstreicht das Startup jedoch sein Ziel einer internationalen Verfügbarkeit.

Konkrete Pläne für den weiteren Rollout, z.B. in die deutschsprachigen Länder, sind bisher nicht bekannt. Ganz in der Tradition von aufstrebenden digitalen Mediendiensten hält sich Voddler bedeckt, was detaillierte Aussagen zu weiteren Expansionsvorhaben betrifft.

Klar ist jedoch: Der Traum von einem deutschen Hulu mag zerplatzt sein. Der von einem europäischen Pendant darf weiter geträumt werden.

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