<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

24.09.13

Leadership in Startups: Tech-Unternehmer und die Herausforderungen der Führungsrolle

Das gut funktionierende Team ist ausschlaggebend für den Erfolg eines Startups, noch vor der gesicherten Finanzierung. Aber welche Skills müssen Unternehmer in Führungspositionen mitbringen, um ihr Team erfolgreich zu führen und warum scheitern viele Tech-Unternehmer genau daran?

Leadership_flickrNach dem Trend der vergangenen Jahre, sich besonders in der Internetbranche nur mit den Produkten eines Startups zu beschäftigen, treten immer mehr die Persönlichkeiten hinter den Ideen in den Vordergrund. Nicht zuletzt seit der Verehrung von Steve Jobs oder Richard Branson als Genies mit wahren Führungsqualitäten – in ganz unterschiedlichen Ausprägungen – wird das Thema Leadership kontinuierlich in der Gründerszene diskutiert. Der Begriff Leadership

Eines ist klar: Niemand wird als perfekter Leader geboren. Erst die Realität im Unternehmen und die Arbeit im und mit Teams zeigt, ob jemand auch für Führungsrollen geeignet ist. Es ist somit vielmehr ein kontinuierliches Lernen in realen Situationen. Der Begriff Leadership bezieht sich grundsätzlich darauf, dass eine Person eine Gruppe von Menschen so organisiert, dass sie gemeinsam daran arbeiten, ein Ziel zu erreichen und eine gemeinsame Vision zu verfolgen. Im Unterschied zu Managern planen und führen Leader keine Prozesse oder Aufgaben, sondern Menschen. Die Schwierigkeit besteht für den Führenden darin, die verschiedensten Persönlichkeiten der Teammitglieder so einzubeziehen, abzustimmen und zu führen, dass sie diese Vision auch als ihre eigene anerkennen und verinnerlichen. Der monetäre Anreiz ist dabei wenig relevant, solange die Mitarbeiter ihre Existenz bestreiten können. Viel wichtiger ist der zwischenmenschliche Aspekt.

Leadership in der Praxis

Was einen wirklichen guten Leader ausmacht, kann man nur grob umreißen. Leader mit ganz unterschiedlichen Führungsstilen, von autoritär über kooperativ bis laissez-faire, werden als gut gepriesen. Für die Eigenschaften eines guten Leaders können deshalb verschiedenste Aspekte genannt werden.

Die Motivation des Teams steht an erster Stelle. Der Führende muss in allen Belangen Vorbild für sein Team sein und alle Mitglieder für das gemeinsame Ziel motivieren können. Alles was er von seinen Mitarbeitern verlangt, wie beispielsweise bedingungsloses Engagement und Disziplin, muss er auch selbst verkörpern, um sich den Respekt seiner Mitarbeiter dauerhaft zu verdienen und seine Mitarbeiter mitzureißen.

Gegenseitiges Vertrauen ist die Ausgangsbasis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Nur wenn ein Leader seinen Mitarbeitern einen Vertrauensvorschuss für deren Leistungen, Einsatz und Entscheidungen gibt, kann er wiederum deren Vertrauen erwarten. Dazu gehört auch das Delegieren von Aufgaben und Entscheidungen. Marco Börries, CEO der NumberFour AG, hat das Thema Vertrauen in seinem Talk Leadership in a Startup sehr anschaulich zusammengefasst.

Erfolgreiche Leader haben außerdem immer ein offenes Ohr für die Belange und Probleme ihrer Mitarbeiter. Sie sind in gewisser Weise das Mädchen für alles, das die Aufgaben erledigt, die die Mitarbeiter nicht abdecken können und dabei alle Fäden in den Händen hält. Gleichzeitig lassen sie ihre Mitarbeiter eigene Ideen einbringen und ausprobieren. Ein guter Leader gibt die Richtung an, das Vorankommen sichern die Mitarbeiter. Auf der Meta-Ebene überwacht er das Geschehen und greift nur korrigierend ein, falls nötig.

Zu einer guten Beziehung zwischen dem Leader und seinen Mitarbeitern gehört natürlich auch kontinuierliches Feedback, in beide Richtungen. Führungsperson und Mitarbeiter müssen konstruktiv Feedback austauschen können, um gemeinsam voran zu kommen. Lob und Fairness sind dabei die Säulen des Feedback-Prozesses. Ein guter Leader versucht außerdem, die besten Mitarbeiter für das Unternehmen zu gewinnen, meist für Aufgabenbereiche, in denen er weniger ausgeprägte Fähigkeiten hat, um dies auszugleichen.

Was häufig schief läuft

Es ist einfach, einen guten Leader anhand der Zufriedenheit und Motivation seiner Mitarbeiter zu erkennen, aber noch leichter ist es, einen schlechten zu erkennen. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass es besonders jungen Unternehmern schwer fällt, ihr Produkt zumindest teilweise in die Obhut anderer zu geben und dabei oft penibel über die Leistungen und Arbeitsergebnisse ihrer Mitarbeiter wachen. Die größten Probleme von Tech-Leadern liegen oft in ihrem Ego, welches ihnen im ersten Schritt für ihre Gründung geholfen hat, ihnen später für die Führung größerer Teams aber im Wege steht. Hinzu kommt mangelndes Vertrauen in die Fähigkeit der Mitarbeiter, Entscheidungen selbstständig und im Sinne des Unternehmens zu treffen. Mit mangelndem Vertrauen geht eben auch Mikromanagement der Mitarbeiter einher. Dies ist bei einem Team von fünf Mitarbeitern noch machbar, aber was passiert, wenn das Unternehmen auf 50 herangewachsen ist? Nach außen propagierte Flexibilität und Offenheit stellen sich nach innen oft als Kleinlichkeit und Kritik- und Feedback-Resistenz dar.

Marissa Mayer, CEO von Yahoo!, hat im Rahmen vom letzten TechCrunch Disrupt Event offen darüber gesprochen, dass sie daran arbeiten möchte, weniger Entscheidungen selbst zu treffen und mehr an ihre Mitarbeiter zu delegieren (im Video ab Minute 17:30).

Leadership als Komponente des Unternehmenserfolgs

Die Startup-Szene feiert sich fortlaufend selbst, aber wie es hinter den Kulissen läuft, weiß man erst, wenn man junge Tech-Gründer in der Führungsrolle direkt erlebt hat oder ehemalige Mitarbeiter eines Startups über die Führungskultur sprechen. Die Führungsqualitäten von Unternehmensgründern lassen generell betrachtet viel Potenzial nach oben zu. Gerade in stark produktgetriebenen Startups konzentrieren sich die Gründer häufig zu sehr auf die Weiterentwicklung ihres Produkts und nicht genügend auf die Verfolgung der Unternehmensziele gemeinsam mit den Mitarbeitern.

Hier muss sich noch viel tun und das Bewusstsein entstehen, das gute Führung eine wichtige Komponente für den Unternehmenserfolg ist. Denn nur wer richtig gute Mitarbeiter auch halten und motivieren kann, hat die Ressourcen, das eigene Produkt nachhaltig im Markt zu positionieren und weiterzuentwickeln. Neben der schon angesprochen gesicherten Finanzierung natürlich.

Bild: capitano_teo unter CC-Lizenz BY-SA 2.0

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer