<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

05.08.11

Kreativ, elegant, international: Die neue Startup-Generation aus Deutschland

Immer mehr junge Internetfirmen aus Deutschland verlassen die eingetretenen Pfade ihrer Vorgänger. Die neue Startup-Generation ist kreativ, elegant und denkt international.

 

In der deutschen Startup-Welt bewegt sich gerade etwas. Es sind Vorgänge, die sich nur schwer in Worte fassen lassen, aber die im deutlichen Kontrast zur bisherigen Entwicklung der hiesigen Internetbranche stehen:

Auf einmal gibt es junge Onlinefirmen aus Deutschland, die für internationale Beachtung sorgen, ohne dies durch eine 1:1-Nachahmung etablierter US-Services erreicht zu haben. wooga, SoundCloud und ResearchGATE hatte ich kürzlich als Beispiele hierfür angeführt.

Plötzlich schreiben auch die tonangebenden US-Tech-Blogs über hiesige Startup-Launches, und das noch am selben Tag, an dem die Pressemitteilung dazu verschickt wird - so am Donnerstag geschehen mit der Berliner Foto-Sharing-App EyeEm.

Ebenfalls ein Novum hierzulande: Startups im Stealth-Modus, die wie im Falle von Amen allein wegen ihrer namhaften Gründer und einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein (oder Übermut, je nach Perspektive) von der einheimischen und ausländischen Presse auf den Radar genommen werden.

Auch nicht aller Tage kommt es vor, dass US-Blogger-Ikone Robert Scoble einem Webdienst aus Deutschland eine halbe Stunde seiner Zeit für ein Videointerview zur Verfügung stellt. Jimdo - das seit kurzem mit einem Büro in San Francisco vertreten ist - bekam jüngst diese Gelegenheit.

Es ist kein statistisch belegter sondern nur mein subjektiver Eindruck, aber es sieht danach aus, als ob die mittlerweile schon einige Zeit andauernde Internationalisierung der deutschen Startup-Szene erste Früchte trägt:

Mit einer steigenden Zahl an ausländischen Entrepreneuren, Entwicklern, Web-Evangelisten, Bloggern, Investoren und Journalisten, die sich in Deutschland niederlassen oder der Webbranche von Europas größter Volkswirtschaft zumindest eine größere Aufmerksamkeit widmen, wächst das heimische Startup-Ökosystem. Es erhöht seine mediale Reichweite und erweitert seinen Horizont, was sich vor allem darin zeigt, dass es immer weniger junge Dienste gibt, die neben einer deutschen nicht mindestens auch eine englischsprachige Version anbieten.

Die deutsche Internetbranche ist gerade in Teilen dabei, ihren bisherigen Fokus auf knapp 100 Millionen deutschsprachige Nutzer zugunsten einer globalen Ausrichtung aufzugeben; Einerseits aus der Erkenntnis heraus, dass sich nur so ein studiVZ-Schicksal verhindern lässt, und andererseits aufgrund des steigenden Einflusses durch ausländische Internetmacher.

Neben der Internationalisierung ist ein zweiter Aspekt charakteristisch für den derzeit stattfindenden Wandel: eine zunehmende Konzentration auf attraktive Designs und Benutzeroberflächen. wunderlist beispielsweise ist einer von unzähligen Taskmanagern. Trotzdem ist es dem Berliner Unternehmen gelungen, mit seiner Anwendung innerhalb weniger Monate die Herzen von Nutzern rund um den Globus zu erobern. Das polierte Interface und die gekonnte, sympathische Außendarstellung in Kombination mit einem sofortigen Vorstoß in andere Märkte haben dabei eine entscheidende Rolle gespielt.

Auch der junge mobile Musikdienst wahwah.fm gehört zu der neuen Garde an hippen und global denken Internetfirmen aus Deutschland und sammelte bei mir schon vor dem Launch mit einer ansehnlichen Aufmachung und einer kreativen Umsetzung Pluspunkte (mittlerweile gibt es die iPhone-App).

Bisher prägten Klone und die streitbare Gründermentalität der Samwer-Brüder das Bild der deutschen Startupkultur im Ausland. Ich glaube, dass wir uns noch nie näher als heute an der Möglichkeit einer Korrektur dieses Stereotyps befanden.

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer