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12.08.10

Kostenloses Betriebssystem für Netbooks: Jolicloud bringt die Cloud auf den Desktop

Wer ein Netbook besitzt, nutzt dies mit großer Wahrscheinlichkeit primär zum Surfen im Web. Das kostenlose Betriebssystem Jolicloud bringt die Cloud auf den Desktop.

 

Allzu lange dürfte es nicht mehr dauern, bis Google sein Cloud-Betriebssystem Chrome OS an den Start schicken wird. Bisher wurde stets der Herbst 2010 als Launchtermin genannt. Doch wer nicht mehr warten will oder sich bewusst von einem weiteren Tool aus dem Hause Google fernhalten möchte, hat mit Jolicloud bereits heute eine Alternative.

Jolicloud ist ein kostenloses Cloud-Betriebssystem des gleichnamigen französischen Unternehmens. 2008 hatte Netvibes-Gründer Tariq Krim die Idee zu einem OS mit enger Integration des Webs. Mitte Juli wurde der offizielle Startschuss für die finale Version 1.0 des auf Linux basierenden OS gegeben, die jeder Nutzer eines Netbooks ab sofort gratis herunterladen und installieren kann.

Eine Übersicht der unterstützen Geräte gibt es hier . Jolicloud weist darauf hin, dass der Einsatz des Tools auch auf anderen Netbooks und Notebooks möglich ist, in diesem Fall werde jedoch kein Support geleistet.

Gestern habe ich Jolicloud zum ersten Mal im Einsatz gesehen und war sofort begeistert. Dem Jolicloud-Team ist es gelungen, die von herkömmlichen Betriebssystemen bekannte Komplexität nahezu vollständig zu entfernen.

Als iPhone-Nutzer fühlte ich mich sofort auf der mit HTML5 erstellten Oberfläche heimisch: Applikationen werden mit großen, am Raster ausgerichteten Icons dargestellt und über mehrere Bildschirme verteilt, zwischen denen man am unteren Seitenrand navigieren kann. Auch andere grafische Elemente erinnern an moderne Smartphone-Betriebssysteme.

Als Cloud-OS sieht Jolicloud es als seine primäre Aufgabe an, Anwendern schnellen und unkomplizierten Zugang zu Onlinediensten zu verschaffen. Diese erreicht man entweder über den vorinstallierten Chromium-Browser (quasi Chrome ohne Google-Branding), oder über eine von 700 eigenständigen Applikationen, die über ein integriertes App-Verzeichnis erreicht werden. Ähnlich wie beim iPhone lassen sich Anwendungen mit einem Klick installieren oder entfernen.

Leider bietet Jolicloud keine Auflistung der angebotenen Anwendungen, aber so wie ich dies überblicken könnte, sind ein Großteil der populärsten Apps verfügbar (Skype, Dropbox, Seesmic, Evernote usw.).

Die Mehrzahl der Apps haben einen klaren Onlinebezug, einige lokale, Linux-basierte Anwendungen wie beispielsweise OpenOffice gibt es aber auch. Kostenpflichtige Applikationen sind mir nicht begegnet, aber als Teil von Joliclouds zukünftigem Geschäftsmodell sicher nicht auszuschließen. Auch das Installieren von weiterer Linux- und Windows-Software (letzteres mit Hilfe der Applikation "Wine") soll möglich sein. Als Zusatzfeature bietet Jolicloud auch eine soziale Komponente, die neue Apps von Jolicoud-Kontakten anzeigt.

Nun beschränkte sich meine Jolicloud-Erfahrung gestern auf einige Minuten des Ausprobierens und kann somit nicht als ausführlicher Test gewertet werden. Dennoch erhielt ich den Eindruck eines sehr intuitiven, übersichtlichen und äußerst attraktiven Betriebssystems, das nicht nur ideal für internetaffine Netbook-Besitzer ist, sondern aufgrund seiner Simplizität und des Fehlens unnötiger Optionsmenüs auch für weniger versierte Computerbenutzer in Frage kommen könnte.

Ich würde behaupten, dass jeder, der sich auf dem iPhone zu Hause fühlt, auch bei Jolicloud schnell heimisch wird.

Für alle Windows-Nutzer, die Jolicloud ausprobieren möchten, gibt es den Jolicloud Windows Installer, der das OS als virtuelle Festplatte auf der Windows-Partition installiert.

Link: Jolicloud

Es folgt ein Video, das Jolicloud in Aktion zeigt

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