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05.01.09

Internetagenda 2009: So (nicht) mit dem Web zum nächsten Aufschwung

Weit verbreitete Attitüden und Verhaltensweisen hindern Deutschland daran, das volle Potenzial des Webs auszuschöpfen. Mit der Internetagenda 2009 unterstreichen wir, wo sich im neuen Jahr die Denkhaltung stark verändern muss.

Das kommende Jahr wird eine Herausforderung. Dem Internet kommt 2009 eine große Bedeutung darin zu, die negativen Folgen der Finanzkrise und des wirtschaftlichen Abschwungs sowohl für Unternehmen als auch für das einzelne Individuum abzufedern und alte Strukturen aufzubrechen, um so die Konjunktur zügig wieder in Gang zu bringen.

Voraussetzung dafür ist, dass eine Reihe von weit verbreiteten Attitüden und Verhaltensweisen, die die volle Ausschöpfung des Potenzials im Web behindern, aus unseren Köpfen und unserem Handeln verschwinden. Mit der Internetagenda 2009 wollen wir verdeutlichen, wo sich die Denkhaltung der Deutschen noch stärker verändern muss, um Deutschland mit Hilfe des Webs fit für die Zukunft und den nächsten Aufschwung zu machen.

Die mediale Revolution akzeptieren

Bisher fungierte das Internet als Bereicherung für unseren Alltag und als Ergänzung zu den bestehenden Kommunikations- und Medienkanälen. In seiner nächsten Phase wird das Web jedoch vom komplementären zum substituierenden Kanal, der JEDEN Bereich unserer Gesellschaft betreffen und verändern wird. Jeder muss dies akzeptieren und sein Handeln entsprechend anpassen. Verzweifelte Versuche, alte, sich bereits auflösende Strukturen aufrecht zu erhalten, sind zum Scheitern verurteilt und daher am besten zu unterlassen.

Neuem gegenüber aufgeschlossen sein

Technologie ist die Zukunft. Um unseren Wohlstand zu sichern, muss der ständige Blick auf Vergangenes einer Zukunftsorientierung weichen. Die Voraussetzung dafür ist eine Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem - selbst wenn dieses Neue neben positiven auch negative Aspekte mit sich bringt. Die in allen Kreisen und Schichten anzutreffende, grundsätzliche Skepsis gegenüber jeder Innovation ist ein gravierendes Hindernis auf dem Weg zum Hochtechnologieland der Zukunft.

Keine Toleranz von plakativer Abneigung gegen das Web

Noch immer können Politiker, Professoren und andere Vertreter der gesellschaftlichen Elite in aller Öffentlichkeit fast schon stolz davon berichten, dass sie noch nie das Internet benutzt haben oder sich E-Mails von der Sekretärin ausdrucken lassen, ohne dass dies außerhalb der Blog- und Webwelt auf nennenswerte Kritik trifft. Die Zeiten, in denen Deutschland sich allein aufgrund seiner Ingenieurskunst als innovatives Technologieland bezeichnen konnte, sind vorbei. Kein Weg führt mehr am Web vorbei, für niemanden, egal ob er/sie das möchte oder nicht. Entscheider können mithelfen, ein positives Klima der Aufgeschlossenheit und Neugier zu schaffen. Dazu müssen sie selbst mit gutem Beispiel voran gehen.

Das Web als Bereicherung des sozialen Lebens sehen

Noch immer hört man Leute davon sprechen, dass sie sich nicht in Social Networks aufhalten wollen, weil sie "ein echtes soziales Leben in der Wirklichkeit vorziehen". Dabei wird jeder, der in einem sozialen Netzwerk aktiv ist, bestätigen können, dass dies irgendwann zu Verabredungen mit Menschen führt, die man ohne den Online-Kontakt gar nicht oder nur seltener getroffen hätte. Gerade das Pflegen von Kontakten mit Personen, die nicht zum engsten Freundeskreis gehören, wird Dank Social Networks erleichtert. Tatsächlich haben viele im Web 2.0 aktive Menschen ein reicheres soziales Leben als die, die sich von den Netzwerken ganz fernhalten.

Den Kampf Journalisten vs. Blogger beenden

Blogs und Microblogs werden sich zwar weiterentwickeln. Das Phänomen des User Generated Content verschwindet jedoch nicht mehr. Statt vom hohen Ross auf die im Internet publizierenden Hobby-Autoren herabzuschauen, müssen Journalisten sich mit deren Arbeit beschäftigen, alte Vorurteile und Hochmut ablegen und mit den qualitativ überzeugenden Online-Publikationen und ihren Machern in einen Dialog treten. Beide Seiten sollten die Gelegenheit nutzen, voneinander zu lernen und das neue Wissen weiterzuverbreiten.

Urheberrecht neu definieren

Egal ob Musik, Filme, elektronische Bücher oder Fotos - seit dem Bestehen des Internets sind urheberrechtlich geschützte Inhalte im Netz (illegal) kostenlos verfügbar. Dies wird immer so bleiben. Attraktive, preiswerte legale Angebote sind ein gutes Mittel, um gegenzusteuern. Das bisherige Geschäftsmodell einfach ins Netz zu übertragen, ist aber schon wegen der fehlenden physischen Komponente (Tausch CD/DVD/Buch gegen Geld) ein hoffnungsloses Unterfangen. Künstler und Branchenvertreter müssen altes Gedankengut verwerfen, heilige Kühe schlachten, das mit dem Kampf gegen Windmühlen vergleichbare juristische Vorgehen gegen einzelne User einstellen und (mit einer Träne im Auge) einsehen, dass nichts mehr so wird, wie es einmal war.

Ehrlicher und vertrauenswürdiger werden

Mängel an Produkten und Leistungen lassen sich nicht mehr verschleiern. Eine einzige Person kann mit Hilfe der zahlreichen Kanäle des Social Webs den Fehltritt eines Unternehmens publik machen und damit die Aufmerksamkeit von Hundertausenden auf die Problematik lenken. Unternehmen sowie PR- und Werbeagenturen müssen sich an diese neue, ganze Geschäftsmodelle in ihren Grundfesten erschütternde Situation gewöhnen und mehr als je zuvor auf Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit setzen. Ein schlechtes Produkt lässt sich heute weder verkaufen noch bewerben, ohne dass dies gravierende negative Auswirkungen auf das Marken- bzw. Unternehmensimage hat.

Über digital dokumentierte Jugendsünden hinwegsehen

Von Millionen jungen Menschen finden sich Inhalte im Netz, die sie in Form von Fotos, Kommentaren, Blogpostings, Videos oder Tweets mit unvorteilhaften Situationen in Zusammenhang bringen. Früher oder später werden Personen in hohe Positionen gelangen, von denen Trinkbilder aus ihrer Jugendzeit im Web kursieren. Auch heutige Entscheider blicken auf manch eine Jugendsünde zurück, doch sind diese (zum Glück für sie) undokumentiert. In Zukunft wird dies nicht mehr so sein. Jeder muss seine Medienkompetenz schärfen und erlernte oder sogar reflexartige Reaktionen beim Betrachten von kompromittierenden Bildern von in der Öffentlichkeit stehenden Persönlichkeiten oder - wichtig für Personaler - Bewerbern ablegen.

Kleine Anmerkung am Rande: Ich lebe seit knapp drei Jahren in Schweden, einem sehr technologiefreundlichen und internetaffinen Land, bin aber regelmäßig in Deutschland.

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