<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

31.03.14

Internationalen Wettbewerb unterschätzt: Die deutsche Medienriesen und ihre gefloppten sozialen Netzwerke

Deutschlands Medienriesen ist das Kunststück gelungen, ihre während der Web-2.0-Euphorie für vergleichsweise viel Geld gekauften sozialen Netzwerken allesamt gegen die Wand zu fahren. Ihr großer Fehler war der Glaube, dass Ländergrenzen im Social Web auf Dauer eine Rolle spielen.

studiVZ

Die RTL-Gruppe will sich also von ihrem 2009 übernommenen sozialen Netwerk wer-kennt-wen.de (wkw) trennen. Auch mit einem Relaunch vor einigen Monaten ließ sich der kontinuierliche Verlust von Seitenaufrufen nicht stoppen.

Damit kann man mit Gewissheit konstatieren, dass die drei einstmals bedeutsamsten deutschen Social Networks für Privatanwender allesamt von ihren Besitzern gegen die Wand gefahren wurden. Holtzbrinck war nicht in der Lage, dem Abstieg der VZ-Netzwerke etwas entgegenzusetzen, ProSiebenSat.1. musste beim Niedergang seines ebenfalls im Zuge des Web-2.0-Hypes gekauften Dienstes lokalisten zusehen, und RTL konnte nichts dagegen machen, dass es für wkw genauso dynamisch abwärts ging, wie das Angebot zuvor bestimmte Regionen Deutschlands mit viel Kraft einnahm.

Ohne Schadenfreude ist festzustellen, dass die deutschen Medienkonzerne vollständig dabei versagt haben, etwas Nachhaltiges aus ihren Millionenakquisitionen zu machen. Wichtig ist, dass hiesige Firmen aus der Medien- und Webwelt ihre Lehren aus den Social-Networking-Debakeln des Verlagshauses und der TV-Gruppen ziehen. Alle drei haben die magnetische Anziehungskraft der US-amerikanischen Social-Web-Plattformen unterschätzt. Facebook, WhatsApp, Instagram und Twitter (ein bisschen) sicherten sich schrittweise immer größere Teile des Zeitbudgets der hiesigen Nutzer. Für die lokalen Anbieter blieben nur noch nicht mehr lukrativ nutzbare Reste übrig.

Für die Zukunft lässt sich aus der Geschichte lernen, dass ein auf die Interaktion von Nutzern ausgelegter, auf Reichweite setzender Dienst, der keine ernsthaften internationalen Ambitionen hat, grundsätzlich früher oder später von einem global agierenden Rivalen überrannt wird. Meist geht dies ganz schnell, wie bei VZ, wkw oder lokalisten. Manchmal dauert es etwas länger. Xing hält sich mysteriöserweise wacker und liefert damit zumindest bisher die obligatorische Ausnahme zur Regel (wobei das Geschäftsnetzwerk die wenigen, einst signifikanten Auslandsmärkte aufgeben musste). Genau weil Xing aber die Ausnahme ist, sollte lieber kein Medienboss den Einfall haben, Xings gefestigte Stellung im deutschsprachigen Markt als Beleg dafür heranzuziehen, dass exklusiv auf deutsche Anwender gerichtete Netzwerke eine dauerhafte Überlebenschance haben. Zumal alle anderen Trends des Segments gegen eine dauerhafte Verteidigung des hiesigen Marktes gegen den US-Wettbewerber LinkedIn sprechen.

Es ist gut, dass das nicht gerade glanzvolle Kapitel der deutschen sozialen Netzwerke endlich geschlossen werden kann. Hoffen wir, dass die Erkenntnisse und Fehler der Vergangenheit nicht so schnell in Vergessenheit geraten. /mw

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer