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15.05.13

Interaktive Videobotschaften: Bei Zoobe drücken sich Nutzer über 3D-Avatare aus

Die iPhone-App des Berliner Startups Zoobe erlaubt es Nutzern, animierte Videobotschaften an Freunde zu versenden, bei denen 3D-Avatare ihre eingesprochenen Worte lippensynchron wiedergeben.

Zoobe Wer heutzutage noch mit einer eigenen mobilen Kommunikations-App an den Start geht, wird es nicht gerade leicht haben, sich gegen die große Zahl der bereits etablierten Anbieter im Chat- und Messengerbereich durchzusetzen. Es wäre schon ein ganz individuelles, sich stark vom Wettbewerb abhebendes Konzept erforderlich, um sich ohne millionenschwere Werbekampagnen überhaupt ein Stück der Nutzeraufmerksamkeit sichern zu können. Das Berliner Startup Zoobe glaubt, diese Voraussetzung zu erfüllen. Die Ende vergangenen Jahres veröffentlichte kostenfreie iPhone-App Zoobe Cam des von Lenard F. Krawinkel gegründeten Unternehmens erlaubt Nutzern das Erstellen von animierten Videobotschaften. Die Hauptrolle darin nehmen 3D-Avatare ein, welche die von Usern eingesprochenen Audionachrichten lippensynchron, mit verzerrter Cartoon-Stimme wiedergeben. Sie lassen sich vor einem beliebigen Foto platzieren, welches zuvor vom Nutzer mit Zoobe Cam geschossen wurde. Neben der Wahl des Avatars entscheiden sich Anwender vor der Aufnahme ihrer Grußbotschaft auch für ein passendes Outfit.

zoobe170In seiner derzeitigen Fassung verzichtet Zoobe auf Mitgliedskonten und eigene Vernetzungsmöglichkeiten innerhalb der App. Ein Clip erhält stattdessen nach der Fertigstellung eine eigenständige URL im Web und kann auf verschiedenen Wegen mit dem oder den Empfängern geteilt werden, etwa via SMS, E-Mail, WhatsApp, Skype, Twitter oder Facebook. Auch eine Option zum direkten Upload bei Youtube steht bereit. Wer möchte, kann sich die 3D-Nachricht als Video in der iPhone-Galerie speichern.

Vier Jahre lang hat das 2008 gegründete, bisher aus eigenen Mitteln sowie Geldern von Business Angels finanzierte Unternehmen an seiner Technologie gearbeitet, die laut Marketingchef Norbert Richard Meinike in dieser Form einmalig sei. 20 Personen sind mittlerweile für das Startup aus der Hauptstadt tätig, welches vor der iPhone-App bereits mit einer öffentlichen Facebook-Anwendung experimentierte.

Die Idee mag auf den ersten Blick trivial erscheinen, gewinnt aber an Attraktivität, schaut man sich an, wie speziell asiatische Messaging-Apps wie Line und KakaoTalk mit Hilfe von bunten Stickern und (nicht animierten) Avataren die Sympathien der Nutzerschaft gewinnen konnten und wirtschaftliche Erfolge feiern. 58 Millionen Dollar setzte das 150 Millionen Mitglieder zählende Line im vergangenen Quartal um, 30 Prozent davon stammen aus dem Verkauf der 191 per In-App-Purchase angebotenen, dem Aufpeppen von Chatnachrichten dienenden Sticker.

An der Zahlungsbereitschaft der Anwender für ihre digitale Kommunikation kreativer und farbenfroher gestalteter grafischer Gimmicks gibt es also keinen Zweifel. Daraus ergeben sich offensichtliche Monetarisierungsmöglichkeiten für Zoobe, welches ab einem bestimmten Punkt den In-App-Erwerb zusätzlicher Avatare und Kleidungsstücke erlauben wird. Besonders die Lizensierung populärer Zeichentrickfiguren bietet sich an. Für Jugendliche dürfte es reizvoll sein, Freunden personalisierte 3D-Nachrichten mit ihren Lieblingscharakteren schicken zu können. Norbert Richard Meinike betont, dass Zoobe zwar in Berlin sitze, aber seinen regionalen Fokus auch anderswo setzen könne. Asien erscheint hier angesichts der Affinität vieler Nutzer für Zeichentrick und Bildsprache wie ein offensichtliches Schwerpunktgebiet für die Hauptstädter, die demnächst auf die iPhone-App auch eine Android-Anwendung folgen lassen wollen (der Link dazu auf der Website führt noch ins Nichts). Eine weitere potenzielle Erlösquelle sieht Meinike im Anbieten der Zoobe-Technologie als White-Label-Lösung, mit der Marken, Medien und Stars ihre Figuren und Maskottchen den Fans als Kommunikationstool anbieten können. /mw

Link: Zoobe

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