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25.08.11

Insolvenz: Dailyplaces steht zum Verkauf

Der Frankfurter Location-Dienst Dailyplaces hat Insolvenz angemeldet und steht zum Verkauf.

 

Noch im April dieses Jahres sah die Zukunft für den Frankfurter Location-Dienst  Dailyplaces nicht schlecht aus: Mit Echtzeit-Chaträumen für Orte startete der 2009 gegründete Service ein von Check-In-Apps bisher nicht bekanntes Feature und verschaffte sich damit sogar internationale Aufmerksamkeit.

Auch mir gefiel der Ansatz, nach einem Check-In an einem Ort (z.B. der re:publica-Konferenz, die als Launchdatum ausgewählt wurde) mit anderen Anwesenden chatten und sich so zum Beispiel verabreden zu können.

Doch für mehr als kurzzeitigen Optimismus sorgte der Schritt des Startups aus Hessen nicht: Vor wenigen Wochen hat die Dailyplaces GmbH beim Amtsgericht Frankfurt am Main Insolvenz angemeldet, da eine dringend benötigte Finanzierungsrunde nicht wie erhofft zustande kam.

Von den vier Gründern Andreas Ebert, Rafael Tomic, Stefan Pohl und Stefan Deitmer sind noch zwei, CEO Ebert und CTO Deitmer, mit an Bord. Drei von vier Angestellten musste gekündigt werden.

Das Unternehmen mit seinen rund 45.000 registrierten Mitgliedern sowie Apps für iPhone und Android steht nun zum Verkauf, Angebote sollen bis zum 19. September eingereicht werden . Der Betrieb der Plattform wird daher vorläufig aufrecht erhalten, was laut Andreas Ebert ohnehin mit recht geringen Kosten verbunden ist.

Sollte es nach dem Ende der Gebotsfrist mehrere Interessenten geben, erhält der Höchstbietende den Zuschlag. Findet sich kein Käufer, würde dies für Dailyplaces das endgültige Aus bedeuten.

Dailyplaces hat während seines bald zweijährigen Bestehens mehrmals die Positionierung und Funktionsweise verändert und sprang schließlich auf den Trend mit Check-Ins auf. Bedenkt man, dass es selbst für den aus New York stammenden Check-In-Pionier foursquare nur in sehr kleinen Schritten voran geht , verwundert es nicht, dass Dailyplaces als deutsches Startup Probleme hatte, ein nachhaltiges Geschäftsmodell und eine dafür notwendige, hinreichend große Nutzerschaft aufzubauen.

Erst Ende Juni präsentierte Dailyplaces-Geschäftsführer Andreas Ebert auf dem 1. Twittwoch Rhein-Main ein neues Geschäftsmodell, mit dem die Frankfurter im dritten Quartal 2011 durchstarten wollten: Nach einem erfolgten Check-In sollte Nutzern die Gelegenheit geboten werden, eine zum Standort passende Anzeige zu betrachten, wofür sie einen Geldbetrag von mindestens 25 Cent erhalten hätten.

Das Modell erinnert zwar im ersten Moment ein wenig an Fürs-Surfen-bezahlt-werden-Dienste aus der Hoch-Zeit der New Economy, hat aber durch die Darstellung am Point of Sale den großen Vorteil, direkt zu Käufen anregen zu können.

Inwieweit wir erfahren werden, ob dieser Ansatz funktionieren kann, hängt nun davon ab, ob sich ein Käufer für Dailyplaces findet, der genug Geduld und Mittel für weitere Experimente mitbringt. Tritt dieser Fall ein, sollten sich die Hessen dennoch überlegen, die Stadt zu wechseln.

Ein Location-Service braucht als Heimat eine echte, urbane und angesagte Metropole, in der eine kritische Masse aufgebaut wird, die von dort aus die Kunde als Botschafter in alle Welt trägt. In Deutschland wäre das Berlin. Auch wenn dort mit Friendticker bereits ein Konkurrent sitzt.

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