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22.03.10

Informationsbezug im Web: Die Unendlichkeit des Streams

Die Menge an Informationen im Web nimmt stetig zu. Wer den Stream als nicht enden wollenden Strom akzeptiert, braucht sich vor "Information Overload" nicht zu fürchten.

Ich kenne einige Leute, die haben sich kürzlich ein Twitter-Konto zugelegt sowie die hohen Einstiegshürden gemeistert und sind nun regelmäßige Nutzer des Dienstes. Ihr Problem ist jedoch, dass die Zahl ihrer Follower nur langsam ansteigt.

Der Grund: Sie folgen nur sehr wenigen Usern, um ihren Twitter-Stream nicht mit Tweets Anderer zu überladen. Doch wer als Social-Web-Neuling nur einer Handvoll Nutzern folgt, hat es entsprechend schwer, Aufmerksamkeit für das eigene Twitter-Konto zu generieren.

Das Verhalten meiner Bekannten ist symptomatisch für eine Problematik, mit der viele im Echtzeitweb aktive Anwender konfrontiert sind: Sie müssen lernen, die eintreffenden Informationen als nicht enden wollenden Strom von Daten zu begreifen , der sich nur dann handhaben lässt, wenn man den Anspruch ablegt, ihn komplett abarbeiten zu müssen.

 

Meine eben beschriebenen Bekannten haben sich zum Ziel gesetzt, jeden Tweet der von ihnen gefolgten Nutzer zu lesen. Das gilt auch für zurückliegende Nachrichten, die veröffentlicht wurden, als sie gerade nicht online waren. Die Folge ist eine extrem hohe Sensibilität gegenüber einer zu großen Zahl an abonnierten Twitter-Usern, da dann die Menge "abzuarbeitender" Tweets den Rahmen des Möglichen sprengen würde.

Nutzer, die Twitter und andere auf einem Stream eingehender Informationen basierende Services auf diese Art einsetzen, behandeln jede einzelne eingehende Mitteilung wie eine E-Mail, die zumindest kurz angeschaut werden muss. Jeder Tweet, jedes Status-Update bei Social Networks, jeder Eintrag im RSS-Reader wird einzeln zur Kenntnis genommen und gedanklich als gelesen gekennzeichnet.

Schnell können so viele hundert oder tausend Informationsobjekte täglich zusammenkommen. Kein Wunder, dass der Mythos vom "Information Overload" nicht tot zu kriegen ist.

Natürlich sollte jeder selbst herausfinden, wie er/sie den Strom von Meldungen am besten handhaben kann. Aber wer sich eine möglichst große Reichweite und zahlreiche Follower über verschiedene Social-Web-Kanäle wünscht, wird dies mit dem E-Mail-Ansatz nur schwer erreichen.

Denn wer es nicht verkraftet, mehr als 20 Personen oder fünf RSS-Feeds zu folgen, da er sonst von der Informationsmenge überwältigt werden würde, dürfte es schwer haben, sich eine treue Anhängerschaft aufzubauen. Zudem entgehen einem so viele interessante Personen, denen es sich zu folgen lohnen würde.

Eine veränderte Einstellung zum Stream und die Einsicht, nicht alle Tweets, Status-Updates, Artikel und Links verarbeiten zu können (und zu müssen), die über den Tag verteilt auf dem persönlichen Radar auftauchen, kann Social-Web-Nutzern dabei helfen, deutlich entspannter an die Informationsverarbeitung heranzugehen.

Folgende Grundsätze helfen dabei, den persönlichen Mediennutzungsprozess im Web an die veränderten Vorzeichen des Echtzeitweb anzupassen:

1. Informationsobjekte im Netz (Tweets, Status-Updates, Link-Empfehlungen, RSS-Feeds etc.) sind keine E-Mails und müssen nicht wie E-Mails behandelt werden.

2. Es ist unmöglich, alle im Netz veröffentlichten Informationsobjekte zu konsumieren.

3. Was wirklich wichtig ist, taucht mehrfach im persönlichen Stream auf.

4. Tritt ein Gefühl der Informationsüberlastung auf, spricht nichts dagegen, dem Stream über einen bestimmten Zeitraum keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken.

(Foto: stock.xchng)

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