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11.04.10

iAd: Apples Werbeplattform greift Google frontal an

Apple wird bald mit seiner soeben vorgestellten Werbeplattform "iAd" Werbung für iPhone- und iPad-Apps verkaufen. Das ist mehr als nur ein kleiner Kommerzialisierungsbeitrag für iPhone-Entwickler. Apple greift damit Googles Zukunftsgeschäft an.

iAdEine von Apples zahlreichen Ankündigungen bei der Vorstellung des neuen iPhone OS 4.0 ging in Fan-Kreisen eher unter: Unter dem Namen "iAd" wird Apple ab Sommer Werbung verkaufen, die in iPhone- und iPad-Apps eingeblendet wird. Dabei wird es sich nicht nur um einfache Banner handeln, sondern um komplette Sub-Applikationen, die die Werbebotschaft mit Videos, Spielen und kostenlosen Goodies an den User bringen sollen.

Apples primäres Ziel mit dieser Aktion dürfte sein, die Developer-Community weiter zu stärken. Denn Anbieter von kostenlosen Apps hatten bisher eher Mühe, ihre Aufwände zu refinanzieren. Mobile Werbung ist immer noch ein Nischenphänomen, und die meisten Werber konnten sich bisher für die winzigen Banneranzeigen auf Telefonbildschirmen nicht begeistern.

Mit Apples neuem System könnte sich das aus verschiedenen Gründen stark ändern:

  • Da die interaktive Werbeapplikation direkt in der jeweils aktiven App läuft, geht für den User der Kontext nicht verloren -- im Gegensatz zu heutigen Mobil-Bannern. Es ist darum wahrscheinlicher, dass die iPhone-User auch tatsächlich hin und wieder auf Banner klicken.
  • Die Werbeapps in Apples System werden in HTML5 realisiert, nicht in Flash oder im proprietären iPhone-Format. Das ist ein smarter Schachzug, denn jede ernstzunehmende Werbeagentur hat Leute, die guten HTML-Content produzieren können. Ausserdem sind einmal für das iPhone produzierte HTML-Werbeeinblendungen recht problemlos auf andere Plattformen portierbar. Somit könnte Apples technischer Ansatz zum De-Facto-Standard werden, an dem sich andere Anbieter orientieren müssen.
  • Apple weiss viel über seine User und kann darum die Werbung zielgenauer platzieren als andere Anbieter. Ein typisches Apple-User-Profil (das ein iPhone-Besitzer zwangsläufig braucht) beinhaltet Details wie Adresse, demographische Details, Präferenzen beim Medienkonsum oder Telefonnummern. Das ist sehr attraktive Information für Werbetreibende.
  • Auch wenn das iPhone global gesehen einen immer noch kleinen Marktanteil hat, ist Apples Kundschaft zahlungskräftig und qualitätsbewusst. Danach lecken sich Werbeauftraggeber alle Finger ab.

Natürlich wird Apple als Neuling in der Werbebranche auch auf Probleme stossen. Das "Media Buying" -- der Kauf von Werbeplatz -- ist kein so schön geordneter Markt wie das Gadget-Geschäft, sondern ein Sumpf von undurchsichtigen Beziehungsnetzen, egogetriebenen Kaufentscheidungen und halblegalen Kickbacks. Dass Apple die Anzeigen scheinbar komplett selbst verkaufen will, weist da auf eine gehörige Portion Selbstüberschätzung hin. Auch Google musste erst auf die harte Tour lernen, dass Werbeverkauf anders funktioniert als das Technologiebusiness.

Aber apropos Google: Apple geht mit seinem neuen Angebot sehr frontal auf den Suchmaschinenriesen los. Denn für Google ist mobile Werbung ein essentieller Wachstumssektor, wie Google-Chef Eric Schmidt immer wieder betont. Doch Googles Akquisition des führenden mobilen Werbenetzwerks AdMob steckt in regulatorischen Schwierigkeiten, und wirklich viel Geld scheint man mit dem Thema bisher nicht zu verdienen. Mobile Werbung funktioniert ohne Zweifel anders als Googles traditionelles Geschäft mit Suchmaschinenwerbung, und bisher hat Google das richtige Rezept nicht gefunden.

Auch wenn Googles Android-Plattform derzeit stark wächst, ist sie immer noch mit weitem Abstand Nummer fünf im Smartphonemarkt -- hinter Nokia/Symbian, RIM, Apple und selbst Microsoft. Und Apple hat dank der erfolgreichen iPad-Einführung wohl wieder klar an Dynamik gewonnen, während die alten Marktführer alle angeschlagen wirken. Ohne Zweifel hätte Google sich darum gern ein riesiges Stück vom wachsenden iPhone-Werbemarkt abgeschnitten, aber mit der iAd-Konkurrenz von Apple wird das erheblich schwieriger werden.

Vielleicht ist die Spekulation noch nicht einmal so weit hergeholt, dass Apple im Erfolgsfall seine Werbeplattform auch auf andere Smartphone-Systeme erweitern könnte. Es ist eine bewährte Strategie im Plattformgeschäft, gewisse Elemente auch auf konkurrenzierenden Plattformen anzubieten, um das eigene Produkt indirekt zu stärken und zum Standard zu machen. Darum beispielsweise gibt es eine Mac-Version von Microsoft Office. Apple hat ohne Zweifel von Microsofts Methoden gelernt und spielt das Plattform-Spiel inzwischen meisterhaft -- nicht immer zum Gefallen aller Drittparteien, aber das gehört dazu.

So oder so öffnet iAd eine neue Front im schwelenden Konflikt zwischen Apple und Google. Es geht um viel, denn wer als erster herausfindet, wie man mobile Werbung zum Erfolg machen kann, könnte im explodierenden Smartphonemarkt eine Dominanz erreichen wie heute Google im Web. Im Hintergrund lauert auch noch Microsoft. Der Riese aus Redmond hätte theoretisch alle Elemente, um auch ein Wörtchen mitzureden, aber steht sich immer wieder selbst im Weg. Und Nokia scheint leider noch nicht einmal gemerkt zu haben, was hier für ein Spiel stattfindet.

 

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