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13.03.09

Homepage Relaunch: Facebook setzt auf Echtzeit

Facebook hat seine Homepage überarbeitet. Der alte, algorithmische und zeitlich verzögerte Newsfeed weicht einer Echtzeit-Auflistung der Status-Updates und geteilten Inhalte aller Kontakte. Eine Gefahr für Twitter?

FacebookDas so genannte "Echtzeitweb" gehört schon jetzt zu den heißesten Internettrends im noch jungen Jahr. Mini-Häppchen von User Generated Content werden in dem Moment durch das Social Web geschleust und an verschiedenen Stellen weiterverbreitet und kanalisiert, in dem sie von einem Nutzer veröffentlicht werden. Jeder bekommt quasi in Echtzeit mit, was andere gerade tun, denken und beobachten.

Richtig ins Rollen gebracht hat diese Entwicklung Twitter. Facebook, das weltweit größte soziale Netzwerk, möchte dem aufstrebenden Microbloggingdient allerdings nicht nachstehen und hat, wie vor einer Woche angekündigt, in den letzten Tagen für den Großteil der fast 200 Millionen Mitglieder die neue Homepage freigeschaltet.

Mit dieser verabschiedet sich das Social Network von seinem 2006 eingeführten algorithmischen Newsfeed, der die für ein Mitglied relevantesten Neuigkeiten mit teilweise starker zeitlicher Verzögerung darstellte. Stattdessen erscheinen auf der überarbeiteten Homepage nun die jüngsten Status-Updates sowie Hinweise über geteilte Inhalte aller Kontakte in chronologischer Reihenfolge.

Um diese zu verwalten, gibt Facebook seinen Mitgliedern ein Filterwerkzeug und Freundeslisten an die Hand. Aktualisiert und noch stärker hervorgehoben wurde auf allen Facebook-Seiten auch das Feld zur Eingabe des aktuellen Status, der nun mit dem Satz "Woran denkst du gerade" noch deutlicher zum spontanen Ausdrücken von Gedanken aufruft.

Die neue Homepage

Eine zweite nennenswerte Neuerung ist die Überarbeitung der bisherigen Facebook Pages, mit deren Hilfe sich Unternehmen, Organisationen und Berühmtheiten bei Facebook eine Präsenz schaffen konnten. Facebook Pages sind ab sofort herkömmliche Profile, mit dem feinen Unterschied, dass man sich nicht gegenseitig als Kontakt bestätigen muss, sondern Fan werden kann.

In jedem Fall sind Pages, deren Fan man ist, fortan gleichberechtigt mit den eigenen Kontakten, was die Darstellung von Status-Updates auf der persönlichen Homepage betrifft. Mit dem Schritt gibt Facebook Unternehmen und anderen Einrichtungen erheblich mehr Möglichkeiten, die virale Kraft des sozialen Netzwerkes zu nutzen und mit werblichen Botschaften in die Newsfeeds der Nutzer zu gelangen, die mit ihnen sympathisieren.

Bereits im August vergangenen Jahres hatte ich darüber sinniert, ob Facebook Twitter irgendwann einfach überflüssig machen würde. Diese Frage ist angesichts der jüngsten Änderung aktueller denn je, ohne allerdings akut zu sein. Zwar präsentiert Facebook nun einen Echtzeit-Stream statt einem vorselektierten Newsfeed, doch fehlt es nach wie vor an einer Schnittstelle, um das Status-Feature direkt über externe Applikationen verfügbar zu machen. Auch sind Status-Meldungen anders als bei Twitter nur für Facebook-Mitglieder sichtbar, nicht für Außenstehende.

Wie bei jeder einschneidenden Änderung - und das ist die komplette Entfernung des alten Newsfeed-Systems - wird es für viele Nutzer einige Zeit dauern, bis sie sich an die neue Homepage und den Echtzeit-Stream gewöhnt haben. Auch die Bildung von größeren Protestgruppen ist nicht ausgeschlossen. In einigen Wochen wird man wissen, welche Auswirkungen die Umstellung auf die Nutzungsart und -intensität der Site haben wird. Twitter ist gewarnt, allerdings nicht akut bedroht.

Im besten Fall kann der Dienst aus San Francisco sogar von der Facebook-Initiative profitieren. Immerhin bringt das Social Network nun knapp 200 Millionen Menschen in aller Welt bei, wie man mit einem Microblogging-Service umzugehen hat. Nicht unmöglich, dass der ein oder andere danach auf den Geschmack kommt und zusätzlich das derzeit noch vielfältiger einsetzbare Twitter ausprobieren möchte.

Was haltet ihr von der neuen Homepage?

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