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14.03.13

Homee: Deutsches Smart-Home-Startup wünscht sich bessere Unterstützung

Das Team steht, die Idee für ein plattformübergreifende Home-Automation-Lösung ist ausgefeilt, die Software bereits fertig - jetzt könnte es eigentlich losgehen für das deutsche Startup Homee. Doch bei der Finanzierung stoßen die Gründer auf Probleme. Sie wünschen sich eine bessere Unterstützung für Startups in der Anfangsphase.

Die CeBIT könnte der Durchbruch gewesen sein. So sehen es Jochen Schölling und Waldemar Wunder, die beiden Gründer der Software-Schmiede Codeatelier. Ihre Lösung Homee wurde in Hannover von so vielen Interessenten und namhaften Elektronikherstellern begutachtet, dass die beiden die nächsten zwei Wochen von Termin zu Termin rennen werden. Inzwischen ist die Chance da, dass ein großer Hersteller die Technik in sein Programm aufnimmt. Es hätte aber auch anders laufen können: Um auf die CeBIT zu kommen und eine GmbH zu gründen, mussten die vier Gründer erst einmal einen Nachwuchswettbewerb gewinnen und das Preisgeld investieren. Und eigentlich würde das vierköpfige Team Homee lieber in Eigenregie produzieren - doch dafür fehlt das Geld.

Unter anderem hatte Zeit Online während der CeBIT von dem Startup aus dem württembergischen Burgstetten berichtet, das an der Hochschule Esslingen entstand. Homee ist eine App für Android, iOS und das Web, mit der man internetfähige Geräte per WLAN im Haushalt vernetzen und steuern kann. Weil es dafür inzwischen verschiedene Lösungen aber kaum Standards gibt, will Homee hier eine übergeordnete Instanz sein. Egal ob Zigbee, Z-Wave oder EnOcean - der Heimwanwender kann jedes Smart-Home-System mit Hilfe eines Bausteins in das Homee-Netzwerk integrieren. Die Prototypen dieses Lego-artigen Baukastensystems hat das junge Team bereits im 3D-Druck entworfen. Nun ist die erste Charge mit 1.000 oder 2.000 Stück geplant. Doch genau hier gibt es Probleme. "Hoffen, dass man die richtigen Leute trifft"

"Mögliche Hersteller haben hier abgewunken", erklärt Schöllig. "Für die lohnt sich eine Produktion erst ab 10.000 Stück." Darunter ist das Werkzeug für die Produktion mit Kosten von gut und gerne 50.000 Euro teurer als das Material. Es müsste also jemanden geben, der die Charge vorfinanziert, aber der ist weit und breit nicht zu finden. "Einen Business Angel hatten wir schon vor der CeBIT", erklärt Wunder. "Aber die Suche nach einem VC gestaltet sich schwierig." Einfacher erscheine es jetzt, Homee von einem strategischen Partner fertigen zu lassen, sprich: einem großen Unternehmen, das bereits mit derartigen Produkten auf dem Markt ist. Schade, wenn man die Idee zu so einem frühen Stadium mit jemandem teilen muss.

Homee

Zur CeBIT hat die Bundesregierung einen Fonds für Unternehmensgründungen auferlegt, der jungen Gründern in den kommenden vier Jahren mit insgesamt 150 Millionen Euro unterstützen will. Mindestinvestition: 10.000 Euro. Kleine Startups wie Codeatelier könnten davon in Zukunft profitieren. Was sich Schöllig und Wunder aber gewünscht hätten, wäre eine frühzeitigere, gezielte Förderung. "Man findet an jeder Straßenecke jemanden, der einem mit einem Businessplan helfen kann", sagt Wunder, "aber niemanden, der uns in unserem speziellen Fall beraten konnte." Wünschen würden sich die beiden eine Art übergeordnete Instanz für Startups mit speziellen Problemen. Niemand hat einem jungen Software-Haus helfen können, das eigene Hardware herstellen will. "Man muss hoffen, dass man zur richtigen Zeit die richtigen Leute trifft", so Schöllig. Profitiert habe man allerdings vom Kontakt zu anderen Startups, die einem oft Ansprechpartner vermitteln konnten und auch so viele hilfreiche Tipps in petto hatten.

Auch Kickstarter nicht ohne Probleme

Einer der besten Auswege für neue Hardware-Ideen ist mittlerweile die Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Dort tummeln sich technikbegeisterte Mikroinvestoren, und die internationale Startup-Presse verfolgt interessante Projekte sehr aufmerksam. Gerade Kickstarter stellt junge Gründer außerhalb der USA aber auch vor Probleme: "Hier braucht man die richtigen Kontakte und muss sich mit internationalem Recht auskennen", sagt Schöllig. Außerdem besteht das Problem, dass ein Projekt dann zu schnell zu groß werden kann und die Erwartungshaltung steigt. Was, wenn man den Liefertermin aufgrund zu hoher Nachfrage und unerwartet auftretender Probleme gar nicht zusagen kann? Zudem kommt noch das Problem, dass Lieferungen in die USA den Förderern nichts kosten dürfen. Das dänische Startup Robocat stand kürzlich vor diesen Problemen beim geplanten Kickstarter-Projekt Thermodo. Seit Kickstarter eine Version für U.K. gestartet hat, hat sich die Sache ein wenig vereinfacht. So oder so will man es aber irgendwann mit Kickstarter versuchen, erklären die beiden Codeatelier-Gründer. Man wisse nur noch nicht genau, zu welchem Zeitpunkt.

Die Idee zu einem übergeordneten Smart-Home-System kam Schöllig und Wunder bereits im Studium. Homee war sowohl Studien- als auch Abschlussarbeit der beiden. Die beiden Brüder Markus und Tobias Graf komplettieren als Web- und Software-Entwickler das Team; die vier sind zwischen 24 und 28 Jahre alt. Angst zu scheitern haben sie nicht. Wunder: "Das größte Investment ist vielleicht die Lebenszeit. Man riskiert, ein oder zwei Gehaltsstufen zu verpassen." Schöllig pflichtet ihm bei: "Fast alles, was man im Leben tut, ist mit Risiko behaftet. Wer schon eine Idee hat, sollte auch versuchen, sie umzusetzen. Was man in dieser Zeit lernt, ist unbezahlbar." Aktuell läuft der Beta-Test der Software, für den sich Interessierte registrieren können.

Link: Homee

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