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01.09.11

Hoffnungsträger: Google bringt den +1-Button in jede Ecke des Internets

Seit der Veröffentlichung im März arbeitet Google eifrig daran, den +1-Button in jede Ecke des Internets zu bringen. Eine offizielle Erweiterung für den Chrome-Browser ist der jüngste Schritt auf dem Weg dahin.

 

In hohem Tempo erweitert Google die Funktionalität und Verfügbarkeit seines +1-Buttons, dem Äquivalent zu Facebooks Like-Knopf. Gestartet Ende März als Schaltfläche auf Googles Ergebnisseiten, wurde das Feature Anfang Juni allen Website-Betreibern zur Integration in die eigene Präsenz bereitgestellt.

Mit dem Launch von Google+ einige Wochen später erweiterte der Internetgigant die Sichtbarkeit des +1-Buttons erneut: Innerhalb des Social Networks aus dem Hause Google fungiert dieser als Ein-Klick-Geste der Zustimmung rund um von Nutzern veröffentlichte Inhalte (auch wenn diese Klicks bisher nicht auf dem Google Profil im Feed der via +1 favorisierten externen Websites erscheinen).

Vor einigen Tagen erhielt die +1-Funktionalität erneut ein Update: Seitdem führt eine Betätigung des entsprechenden Buttons auf externen Websites nicht nur zur Verbesserung der Suchergebnisse von Google-Kontakten, sondern tritt gleichzeitig als Teilen-Werkzeug für die eigenen Google+-Circles in Erscheinung. Wenn ihr also den +1-Knopf unterhalb dieses Artikels anklickt, könnt ihr diesen anschließend in eurem Google+-Stream für ausgewählte Kontaktgruppen platzieren.

Offizielle Chrome-Erweiterung

In der vergangenen Nacht folgte die nächste Neuerung: Für Nutzer seines Chrome-Browsers bietet Google nun eine offizielle Erweiterung an, die den +1-Button rechts neben der Adresszeile unterbringt und damit jede Website mittels +1 favorisierbar macht - egal ob diese die Schaltfläche selbst eingebaut hat oder nicht. Außerdem zeigt die Erweiterung an, wie viele +1-Klicks eine Onlinepräsenz bereits erhalten hat.

Besonders wegen seiner Schnelligkeit erfreut sich Chrome gerade bei versierten Internetnutzern steigender Beliebtheit und erreichte laut StatCounter im Juni einen weltweiten Marktanteil von rund 20 Prozent. Im August erfolgten 16,8 Prozent aller netzwertig.com-Aufrufe über Google Chrome.

Vorteil gegenüber Facebook

Die +1-Erweiterung in Kombination mit dem Google-Browser verschafft dem Webkonzern einen nicht unerheblichen Vorteil gegenüber Facebook: Das blau-weiße Social Network, das in jüngster Zeit immer häufiger in Konkurrenzkämpfe mit Google verwickelt ist, kann bisher weder einen eigenen Browser noch offizielle Browser-Erweiterungen des Like-Buttons vorweisen.

Attraktiv ist ein solches Unterfangen für beide Firmen, können sie auf diese Weise doch noch besser Surfverhalten und Nutzerpräferenzen analysieren, um dadurch eine zielgerichtetere, wirksamere Anzeigenvermarktung zu erreichen.

Trojanisches Pferd

So toll und leichtfüßig Chrome auch ist, bleibt der Browser dennoch eine Art Trojanisches Pferd für Google. Mit dessen Hilfe kann sich der Onlineriese nämlich im Internetalltag seiner Nutzer verankern, selbst wenn diese sich außerhalb von Googles eigener Webwelt bewegen.

Während Google im Bezug auf den +1-Button zwar deutlich weniger Nutzerdaten zu sammeln scheint als Facebook mit seinem Like-Knopf und explizit darauf hinweist, dass der +1-Button nicht zum Tracking des Surfverhaltens von Anwendern eingesetzt wird, dürfte die Funktionweise der Chrome-Erweiterung dennoch nicht jedem zusagen: Wie in der Beschreibung des Browser-Addons zu lesen ist, wird nach der Installation jede im Browser besuchte Site an Google übermittelt. Dies ist notwendig, damit die Erweiterung die Zahl der +1-Klicks für eine beliebige Site darstellen kann.

Wer sich dabei unwohl fühlt, aber trotzdem Websites ohne integrierten +1-Button "pluseinsen" möchte, kann stattdessen dieses Bookmarklet verwenden.

Der +1-Button dient nicht mehr nur dem Selbstzweck

Dass Google derzeit alles daran setzt, den +1-Button an die entlegendsten Ecken des Netzes zu bringen und auf verschiedene Weise mit Google+ zu verzahnen, war vorhersehbar. Zum Start des +1-Knopfes stand für Nutzer noch die Frage nach dem Mehrwert des +1-Klickens im Raum - immerhin beeinflusste dies anfänglich lediglich die Suchergebnisse von Google-Kontakten. Seit dem Launch von Google+ und der jüngsten Sharing-Fähigkeit wirkt die Betätigung des Buttons aus Nutzerperspektive aber schon deutlich sinnvoller.

Ich würde nicht darauf wetten, dass man sich bei Google schon sicher ist, welchen primären Nutzen das Unternehmen aus der Existenz des +1-Buttons eines Tages ziehen wird. Er kann die Vernetzung und Interaktion zwischen Nutzern unterstützen, zur Verbesserung der Suchergebnisse (auf globaler Ebene) eingesetzt werden und im Rahmen der Datengewinnung mit dem Ziel der Entwicklung verbesserter Werbe- und Targeting-Tools helfen.

Mannigfaltige, sowohl vorhersehbare als auch unerwartete Experimente sind daher sehr wahrscheinlich. Facebooks Reaktion wird nicht lange auf sich warten lassen. Die Zusammenarbeit mit dem inoffiziellen "Facebook-Browser" RockMelt lässt erahnen, wie die Antwort des sozialen Netzwerks aussehen könnte. Es wäre verwunderlich, wenn Facebook nicht bald einen "eigenen" Browser veröffentlicht (mit oder ohne Partner).

Update: Kurz nach dem Erscheinen dieses Artikels machte TechCrunch auf eine bisher unbekannte, offizielle Like-Button-Erweiterung für Chrome aufmerksam.

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