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13.04.08

Hörbuch-Umsätze im Sinkflug

Hörbücher werden weiterhin gerne gekauft. Die zweistelligen Zuwachsraten der vergangenen Jahre scheinen jedoch Geschichte. Dafür boomen Downloads aus dem Internet: ohne Kopierschutz und in hoher Qualität. Sind Hörbuchverlage ein gutes Vorbild für die Musikindustrie?


Hörbücher: Literatur für überall (Bild cc:BrainsonicAustria)

Auf der Frankfurter Buchmesse wurde das Jahr 2007 noch euphorisch als ?Jahr des Hörbuchs? bezeichnet . Noch nie zuvor hatten so viele Verlage eine so große Anzahl an Neuerscheinungen auf den deutschsprachigen Markt gebracht. Als die Umsatz- und Verkaufszahlen des "Hörbuchjahres 2007" vorlagen, war nur mehr wenig Begeisterung zu spüren.

Obwohl der Hörbuchmarkt im Vorjahr auf Erfolgskurs lag, blieb der Umsatz mit einem Plus von 2,6% weit unter den Erwartungen – und entwickelte sich schlechter als der gesamte Buchmarkt. Dabei hatte die Hörbuch-Branche im ersten Halbjahr noch jeden Grund zur Freude: der Umsatz steigerte sich um etwa 8% auf 72,3 Millionen Euro. Claudia Paul, Sprecherin des Börsenvereins, zeigte sich schon damals resigniert:

 

Von den zweistelligen Zuwachsraten wird man sich verabschieden müssen.

 

Ganz anders hörte sich das noch 2005 an. Ein Umsatzwachstum von 14,1% im Vergleich zum Vorjahr ließ die Erwartungen in die Höhe schnellen. Experten prophezeiten, dass sich der Umsatz bei Hörbüchern in den nächsten fünf Jahren verdoppeln oder sogar verdreifachen werde. Die trüben Zahlen von 2007 stürzten die Branche nun in eine Krise.

Und in einer Krise sucht man Schuldige. Zwei Gründe für den Umsatzrückgang waren schnell ausgemacht: einerseits der Preisverfall für Hörbücher und andererseits illegale Downloads im Internet. Fachmagazine wie hörbücher spekulieren bereits, dass Hörbuch-Downloads langfristig die CD ablösen werden. Verantwortlich dafür sind aber nicht nur illegale Downloads, auch legale Angebote verzeichnen hohe Zuwächse.

So wird der Download-Anteil am Hörbuchmarkt aktuell auf etwa 10% geschätzt. Die Download-Portale konnten 2007 gut acht Millionen Euro Umsatz verzeichnen. Christine Härle, Chefin des Eichborn-Verlags, ist vom Internet als Vertriebsweg sogar begeistert:

 

Download-Portale sind der einzige wirklich überzeugend wachsende Verkaufskanal für Hörbücher.

 

Marktführer Audible.de jubelte im Mai 2007 über eine Million Downloads nach zweieinhalb Jahren am Markt. 300.000 Kunden hat das Portal nach eigenen Angaben, vor allem iPod-Nutzer. 7000 deutschsprachige Hörbücher kann man bei Audible.de herunterladen. Konkurrent Libri.de bietet 5000 Hörbücher an und meldete 2007 ein Umsatzplus von 100%.

Am öftesten werdenden Hörbücher für Kinder und Jugendliche heruntergeladen. Beliebt sind vor allem ungekürzte Hörbuchfassungen. Ein Großteil der Downloads sind MP3s, auf rund 80% schätzt hörbücher den Anteil an Titeln ohne Kopierschutz. Im Gegensatz zur Musikindustrie schauen die Hörbücher-Verlage also eher auf ihre Kundschaft, anstatt sie zu kriminalisieren.

Der ?Arbeitskreis Hörbuchverlage? gesteht außerdem ein, dass der Umsatzrückgang im Vorjahr auch auf die teilweise schlechte Qualität der Produktionen zurückzuführen sei. Gegen amateurhafte Sprecher und schlechte Regisseure will man nun eine Qualitätskampagne starten. Denn jeder zweite Käufer greift zu einem Hörbuch aus der oberen Preisklasse (über acht Euro).

Ein wachsendes Angebot an Hörbücher-Downloads, bessere Qualität und keine Kopierschutzmechanismen, die am Ende in erster Linie die Käufer plagen: das alles ist nicht nur Grund zur Freude für Hörbücher-Fans. Die Hörbuchverlage und ihre Strategien sind auch ein gutes Vorbild für die Musikindustrie.

Links: Download-Portale im Internet

audible.de - Marktführer mit 25.000 Titeln, davon 7000 auf Deutsch

libri.de - 5000 Titel, die meisten im MP3-Format

soforthoeren.de - 12.000 Titel, 5000 davon auf Deutsch

diadopo.com - nur 2000 Titel, aber alle ohne Kopierschutz

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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